Üblicherweise begnügt man sich mit einem Teil der Segel, je nachdem, woher der Wind weht. "Damit Schiffs- und Segel-Mittelpunkt übereinstimmen und die Star Flyer nicht zu sehr in den Wind dreht", wie Sergey, der 1. Offizier, kryptisch erklärt. Auf der Brücke ist man willkommen. Navigation per Karte, Radar und GPS wird erklärt, genauso wie Sternbilder oder warum trotz Wind bisweilen der Motor zu Hilfe genommen werden muss.
Hier, auf einem der weltweit größten Kreuzfahrt-Segelschiffe, geht's unkompliziert, fast familiär zu. Bei 74 Crew-Mitgliedern (aus 17 Nationen) und maximal 170 Passagieren bleibt alles überschaubar - einer der großen Unterschiede zu Riesen-Kreuzfahrtschiffen, den schwimmenden Megahotels. Nach einigen Tagen kennt jeder jeden. Kommunikation: kein Problem. Es wird Englisch, Deutsch und Französich gesprochen.
Ein ganz normaler Tag im Paradies. Wir sind vor Thailands Westküste in der Andamanensee unterwegs und laufen täglich eine andere Insel (= Ko) an. Trauminseln mit Regen-, Palm- und Bambuswäldern, wettergeschliffenen Felsen, Aussichtsbergen und blütenweißen, feinsandigen Stränden - und allesamt tolle Schnorchel- und Tauchreviere. Die klingenden Namen unserer Paradiese: Ko Surin, Ko Similan (die wohl schönste, weil ursprünglichste Inselgruppe), Ko Rok Nok, Ko Phi Phi und Ko Khai Nok. Nur Ko Phi Phi hat "touristische Infrastruktur", Hotels, Appartements und Shops. Die anderen Eilande sind Nationalparks. Einzige Niederlassungen: die Häuser der Ranger und Fischer.
Damit jeder weiß, was wann los ist, gibt's Fred, den Cruise-Director. Der ist die immer gut gelaunte Ansprechstation für alle. Jeden Vormittag vor dem Ankerwerfen erzählt er mehrsprachig Wissenswertes über das nächste Ziel und die Highlights des Tages.
Während die Star Flyer vor Anker liegt, pendeln die Tender (= Beiboote) oder Zodiaks im Halbstunden-Rhythmus zwischen Schiff und Strand. Bei den flachen Stränden heißt es meist: "wet landing" (nasse Landung), da steht man dann manchmal sogar bis zur Hüfte im glasklaren, bacherlwarmen Wasser.
Aber all das ist easy, untertags ist man sowieso nur in Shorts und Badedress unterwegs. Die einen genießen die zwei Pools an Bord oder lassen am Strand die Seele baumeln. Andere sind im Freizeit-Stress: Insel erkunden, Schnorcheln, Tauchen (ca. US$ 40,- pro Tauchgang), Beach-Volleyball, Wasser-Ski, Windsurfen oder Segeln mit kleinen Booten - das Sport-Team sorgt den ganzen Tag für Abwechslung und ist meist auch für die Abend-Show zuständig.
Alles unter einer Devise: Jeder kann mitmachen, keiner muss - hier gibt's keine "Animations-Zwangsbeglückung".
Das gilt auch fürs "mast climbing": Wer sich traut, kann (angeseilt) über eine Strickleiter in den Ausguck am Großmast klettern und den herrlichen, schwankenden Blick aufs Star-Flyer-Deck genießen.
"On Tour" zu Land&zu Wasser. Zwischendurch werden auch größere Ziele angesteuert, wie z. B. die malaysische Insel Langkawi, mit Ganztags-Inselrundfahrt oder - alternativ - Erkundung auf eigene Faust.
Ein Höhepunkt: die Schnellboot-Tour durch die Phang Nga-Bucht. Wir stehen vorn am Bug, der Wind zerzaust die Haare, während bizarre Kalkstein-Formationen an uns vorbei ziehen. Dazwischen: smaragdgrüne und türkisfarbene Lagunen. Wir fahren durch Mangroven, besuchen das Pfahldorf muslimischer Fischer auf Ko Panyi und: Wir kommen zur James-Bond-Insel - seit dem Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" welweit bekannt. Der Felsen selbst ist unspektakulär, das Ensemble an Felsformationen drumherum allerdings ein natürliches Gesamt-Kunstwerk. Und ein gutes Dutzend an Souvenir-Standeln am Strand vis á vis bestätigen dem James-Bond-Felsen seinen Status als Touristen-Magnet.
Die Zeit verfliegt. Wieder geht ein Tag zu Ende. Wir sind an Deck, genießen die Ruhe der einfallenden Dämmerung und den Sonnenuntergang. Bald werden wir wieder in legerer Atmosphäre (Smoking, Dinnerjacket, Abendkleid nicht nötig) beim Abendessen sitzen, die Qual bei der sechsgängigen Menüauswahl haben und anschließend eine der Abendshows an Deck in der Tropical Bar genießen.
Für den Moment zählt aber nur das Auslaufen. Die untergehende Sonne taucht die Rahen in sanft-goldenes Licht, es heißt: "Anker lichten, Segel setzen". Wer will, kann mithelfen, selbst an den Tauen ziehen. Es ist jeden Abend wieder ein erhebendes Gefühl, wenn der Wind die Segel bläht, das riesige Segelschiff sich lautlos in Bewegung setzt.
Die Sonne geht unter, aus den Lautsprechern erklingt die tragende Titel-Melodie von Vangelis aus dem Columbus-Film "1492 - die Eroberung des Paradieses".
Wir fühlen uns auch ein wenig wie der große Seefahrer. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass wir sicher sind, schon am nächsten Tag vor einem weiteren Paradies den Anker zu werfen, um die nächste Trauminsel zu "erobern".



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