• Reise-Reportagen
    Ausgabe: Juni 2002
    11.05.2011
    Autor:
    Roland Fibich

    Kiwi-Country

    Neuseeland, ein Vitamin-Cocktail am anderen Ende der Welt.

    neuseeland_verkehrskiwi © Tourism New Zealand, Fibich, König
    Neuseelands Symbol, der schräge Vogel Kiwi, steht unter besonderem Schutz
    © Tourism New Zealand, Fibich, König
    "Danke, dass Sie mit uns heute Nacht den Pazifik überquert haben." Es ist kurz vor fünf Uhr früh. Die Durchsage aus dem Cockpit der Boeing 747-400 der Air New Zealand löst Erleichterung aus. 35 Stunden, davon 26 in der Luft, sind wir nun unterwegs. Wir haben uns sicher gefühlt an Bord, der Service war o.k. Jetzt aber ist es Zeit, endlich anzukommen.
    Der lange Flug über zwölf Zeitzonen ist der Preis, den man als Europäer zu zahlen hat, will man Aotearoa, das "Land der langen weißen Wolke", wie die Maori Neuseeland nannten, kennen lernen. Gleich vorweg: Die "glücklichen Inseln" zahlen ihn mehrfach zurück - vor allem mit einzigartigen Naturschönheiten.
    Die Kiwis, so nennen sich die Neuseeländer selbst, sind stolz auf ihre friedlichen Inseln, die von den Wirrnissen der Welt so weit entfernt sind. Alleine bis Australien sind es ja Tausende Kilometer. Sie exportieren ihre Kiwis (die Früchte!) in diese Welt und haben als Nationalsymbol den Kiwi gewählt, jenen seltsamen flugunfähigen Vogel, den kaum jemand einmal zu Gesicht bekommt.
    Kiwi-Country ist zunächst einmal grün. Vor allem die Hügellandschaften auf der Nordinsel könnten ein riesiger Golfplatz sein. Wären da nicht etwa 50 Millionen Schafe, die mit ihren lauten, selbstbewussten "Määhh"-Konzerten den Begleitton für den gesamten Trip angeben. Mit dem Mietwagen durch diese Gartenlandschaft zu gleiten, ist eine echte Freude. Etwa auf der Coromandel-Halbinsel, gut zwei Fahrstunden von Auckland. Einsame Straßen führen zu riesigen Kauri-Bäumen, die Hunderte Jahre alt werden können, und nach Hot Water Beach, wo man bei Ebbe in Thermalwasser baden kann, das aus dem Sandstrand quillt. Ein herrlicher Spaziergang entlang der Küste zur Cathedral Cove und die Aussicht auf die azurblaue Mercury Bay, wo Captain James Cook das Land in Besitz nahm, sind weitere Höhepunkte. Doch am besten gefällt uns die Glühwürmchen-Tour, zu der uns Sharon von "Johansen Guiding Adventures" in Pauanui Beach erst überreden musste: Die Nacht im Regenwald wird durch die Tierchen so verzaubert, als wären wir im Film "Der Herr der Ringe" live dabei.

    Neuseeland bietet die Traumwelt aus "Herr der Ringe" live

    Mystisch und geheimnisvoll. Dass die Außenaufnahmen für den Fantasy-Blockbuster in Neuseeland gedreht wurden, ist kein Zufall. Die Natur Neuseelands ist mystisch, geheimnisvoll - und gewalttätig. Bestes Beispiel dafür: Die Vulkan- und Geysir-Landschaft rund um Rotorua. Whakarewarewa - sprich: Fakkarewarewa - ist ein Dorf der Maori, jener Seefahrer also, die um 1000 n. Chr. Neuseeland von Polynesien aus besiedelten. Aber kein gewöhnliches Dorf! Seine Bewohner nützen das siedend heisse Wasser, das aus dem Boden sprudelt, noch heute zum Kochen, Baden und Heizen. Der Rundgang durch die einzigartige Ansiedlung ist eine gute Gelegenheit, sich mit Geschichte und Kultur der Maori ein bisschen vertraut zu machen. Etwas touristischer, aber gut gemacht, ist die Maori-Show von Tamaki-Tours. Den beeindruckenden Haka-Kriegstanz jedenfalls muss man gesehen haben.
    Drei Wochen sind für eine Neuseeland-Tour wenig Zeit. Dennoch wäre es ein Fehler, am nahen Lake Taupo eine Bootsfahrt mit dem urigen Bill und seinem Segler "Barbary" auszulassen oder die tosenden Huka-Wasserfälle nicht zu bewundern. Schon aber lockt noch weiter südlich der nächste Höhepunkt: der Tongariro National Park. Die urtümliche Landschaft rund um drei riesige Vulkane - Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu - ist ein Paradies für Wanderer. Die eintägige Tour "Tongariro-Crossing" gehört zu den schönsten Neuseelands, wenn nicht der Welt. Hier ist eine Zwischenbemerkung über das Wetter angebracht. Das ist in Neuseeland nämlich alles andere als stabil. Selbst wer im Frühjahr und Sommer (also unser Herbst und Winter!) reist, kann Pech haben.
    Eine ruhige See ist jedenfalls auf der 3,5-Stunden-Überfahrt von Wellington auf der Nordinsel über die Cook-Strait zur Südinsel eine Seltenheit. Wir haben dieses Glück, erreichen mit unserem neuen Mietwagen entlang des herrlichen Queen Charlotte Sound die Stadt Nelson. Und lernen hier Vincent kennen, der uns mit seiner Propellermaschine zu den Traumstränden des Abel Tasman National Park fliegt. Kleinflugzeuge sind in Neuseeland ein beliebtes Transportmittel. Und eine hervorragende Möglichkeit auch für Touristen, die Naturwunder intensiv zu erleben. Auf der Südinsel ist es vor allem die Westküste mit Franz-Josef- und Fox-Glacier sowie der mächtige Mount Cook, die nicht nur er-"wandert", sondern auch er-"flogen" werden sollten. Weltweit einzigartig ist das Naturschauspiel der riesigen Eismassen, die durch den Dschungel fast bis zum Meer vordringen.

    Bungees und Jetboats. Überquert man die Südalpen über den Haast-Pass, gelangt man bald in Neuseelands beliebtesten Ferienort Queenstown, wo ganz andere "Action" angesagt ist. Am Kawarau River wurde das Bungee-Jumping erfunden - und wird hier auch weiterhin unter großem Gejohle des Publikums praktiziert. Uns fehlt zwar der Mut, doch wir trösten uns mit einer Jetboat-Fahrt, bei der wir mit Tempo 90 über das Wasser brettern.
    Die Seen- und Gebirgslandschaft rund um Lake Wanaka und Lake Wakatipu ist atemberaubend schön. Aber es könnte noch besser kommen. Von Te Anau erreichen wir in zwei Stunden Fahrt - unter anderem durch den berühmten, aber stockdunklen Homer-Tunnel - Milford Sound, wo der Mitre Peak über einer der spektakulärsten Fjordlandschaften der Welt trohnt.

    Berggiganten und Pottwale. Im Mount Cook National Park verbringen wir drei wunderbare Tage - mit Wanderungen und Ausflügen inmitten eines gigantischen Gebirgspanoramas.
    Einen Höhepunkt haben wir uns aber bis zum Schluss aufgehoben: Von Kaikoura aus kann man, mit etwas Glück, von Schiffen oder vom Hubschrauber aus gigantische Pottwale ganz nahe an der Küste beobachten.

    Unsere Wertung:

    Anreise: ***Durch die Flugzeit von 26 Stunden etwas beschwerlich. Für die Überwindung des Jetlag braucht man mehrere Tage.
    Land und Leute: *****Einzigartige, enorm abwechslungsreiche Natur. Britischer Lebensstil mit einem guten Schuss Sozialstaat. Alle extrem freundlichen "Kiwis" mögen einen kleinen Plausch. Hauptthema: das Wetter.
    Klima und Wetter: ***Sehr wechselhaft. Beste Reisezeit von November bis März (Frühjahr und Sommer). Norden subtropisch. Im Süden und im Gebirge kann es auch im Sommer kühl sein.
    Gesundheit: *****Hervorragende Einrichtungen auf österreichischem Niveau. Reise-Krankenversicherung (ÖAMTC-Weltschutz) besorgen.
    Sicherheit: *****Ein absolut friedliches, sicheres Plätzchen am anderen Ende der Welt. Dennoch nie Wertsachen im Auto liegen lassen!
    Essen und Trinken: ****Berichte über einfallslose "britische" Küche sind ein Märchen. In "Cafés" überall ausgezeichnete preiswerte Mahlzeiten. Exzellente Biere und gute Weine! Meeresfrüchte ein absoluter Hit.
    Preise: **** Entsprechen heimischem Niveau.

    ***** hervorragend, **** sehr gut, *** gut, ** durchschnittlich, * mangelhaft

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    ÖAMTC-Länderinformationen Neuseeland

    Allgemeine Neuseeland-Infos: www.purenz.com