Die anfängliche Reserviertheit kommt nicht von ungefähr: Jahrhunderte lang hat sich Bali verschiedenen Kolonialmächten beugen müssen und ganz besonders unangenehm haben die friedliebenden Leute hier die Herrschaft der Holländer in Erinnerung. Kunststück, provozierten die-se doch vor knapp 100 Jahren einen spektakulären Massenselbstmord, der bis heute bei jeder Inseltour detailliert beschrieben wird.
Glaube und Aberglaube. Auch wenn die wechselnden Kolonialherren in den vergangenen zwei Jahrhunderten Balis Bevölkerung oft genug in ihren Lebensinteressen bedroht haben mögen, die faszinierende Mischung aus Glauben und Aberglauben wurzelt wohl viel eher in der latenten Bedrohung durch die zahlreichen Vulkane auf dieser Insel. Hinduismus, Buddhismus, Islam und auch das Christentum haben sich hier so manche dezente Korrektur gefallen lassen müssen. Schließlich haben jene Riten Tradition, mit denen sich Eruptionen, Lavaströme und Beben mehr oder weniger abwenden ließen.
Tatsächlich erhebt sich der über 3.000 m hohe Gunung Agung so drohend über dem Osten der Insel, dass alle rund 20.000 öffentlichen Tempel Balis beschwichtigend auf ihn ausgerichtet sind. Und da man zwar oft, aber gewiss nicht oft genug in einer dieser dörfischen Bet- und Opferstätten Blumen und Lebensmittel-Gaben darbringen kann, tut das jeder Balinese obendrein auch daheim auf dem Familientempel sowie in kleinen, aus Palmblättern geflochtenen Opferkörbchen vorm Haus- oder Geschäftsportal. Kurz: Man stolpert im wahrsten Sinn des Wortes auf Schritt und Tritt über Opfergaben, die Götter und Geister milde stimmen oder dem Gläubigen den Aufstieg in höhere Wesensstufen ermöglichen sollen.
Ein Erlebnis besonderer Güte erwartet den Bali-Besucher stets im Frühling: Beim Oggoh-Oggoh-Fest werden die bösen Geister, die sich im abgelaufenen Jahr heimlich auf die Insel geschlichen haben, zuerst mit riesigen Pappfiguren und unter mächtigem Getöse ins Meer getrieben und tags darauf mit einem naiven Trick an der Rückkehr gehindert: Kein Flugzeug landet oder startet, kein Mensch betritt die Straßen, alles ist mucksmäuschenstill. Die Touristen dürfen ihre Hotelanlagen nicht verlassen und auch am Strand ist keine Menschenseele zu erspähen - die Geister sollen glauben, Bali wäre menschenleer und somit kein lohnender Boden für ihre üblen Streiche.
Durchtrainierte Nachtschwärmer sollten daher nicht unbedingt Ende April nach Bali reisen, jeder andere wird aber die verordnete Ruhe höchst erquickend finden. Zum ersten Mal seit Tagen hört man statt des allgegenwärtigen, unseren Ohren nicht gerade schmeichelnden Xylophon-Geklimpers die exotischsten Vogellaute und das Zirpen abertausender Grillen.
Ebenso fremd und vielfältig wie die tropische Fauna ist auf Bali auch die Flora: Oder haben Sie schon einmal einen gut zehn Meter hohen Ficus Benjaminis mit einem Stammdurchmesser von eineinhalb Metern gesehen? Das jahrein-jahraus feuchtwarme Klima lässt die farbenprächtigsten Blumen aus den Mauerritzen sprießen und beschert den Bauern Balis mehrmals jährlich reiche Ernten. Zumindest seit Politik und Wissenschaft den Landwirten den nötigen Freiraum beziehungsweise das ideale Saatgut bieten, herrscht kein Mangel mehr an Reis. Angesichts der Witterung und der kunstvoll angelegten - und höchst fotogenen - Reis-Terrassen ist es kaum zu glauben, dass Indonesien noch vor wenigen Jahren gigantische Mengen Reis importieren mußte.
Obwohl rund die Hälfte der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft verdient, kommt auf Bali der Tourismus keineswegs zu kurz. In manchen Küstengebieten reiht sich ein Hotel ans andere, wobei nicht nur in den Edelherbergen reichlich Personal um den Gast wieselt. Mit Englisch, ja mitunter sogar Deutsch kommt man fast überall zum Ziel, und wenn es doch einmal eine Sprachbarriere geben sollte, wird sie notfalls mit einem entwaffnenden Lächeln überwunden.
Wer sogar im Urlaub Stress braucht, ist auf Bali fehl am Platz - bei durchschnittlich 35 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit empfiehlt es sich schon aus gesundheitlichen Gründen, das Leben leicht zu nehmen. Die Balinesen sind das beste Vorbild: Sie kennen keine Eile, wirken durch und durch zufrieden und tänzeln mit einer Blüte im Haar durch den Tag.
Die Geschmeidigkeit und Eleganz der Bewegungen findet freilich in den verschiedenen, typisch balinesischen Tanzdarbietungen ihre Krönung. Legong, Barong, Kris - wie immer der Tanz genannt wird, er ist die ursprünglichste Ausdrucksform dieser Menschen und hat im einen Fall tief religiöse, im anderen rein profane Wurzeln. Was der Tourist bei jeder Bali-Bustour sieht, ist zwar nur eine leicht verdauliche, kommerzialisierte Kurzform des Originals, der exotischen Faszination der grazilen Bewegungen tut das allerdings keinen Abbruch.
Wer nach Bali fliegt, tut das freilich kaum allein der Kultur wegen. Baden, entspannen, einfach den Urlaub genießen gehört wohl auch dazu. Das Meer ist aufgrund starker Strömungen an einigen Stellen recht gefährlich - speziell für Kinder. Aus diesem Grund haben sogar kleine Hotels passable Pool-Landschaften.
Fürs Wohl ihrer Gäste sorgen die Balinesen übrigens aufmerksam, kompetent - beinah' total: Auf Wunsch kann man während des Essens oder zumindest in den kurzen Pausen zwischen den einzelnen Gängen eine höchst erquickliche Schulter-, Rücken- und sogar Fußmassage bekommen. Derartige Annehmlichkeiten werden dem Gast aber auch am Strand oder beim Einkaufsbummel offeriert, was für einen g'schamigen Mitteleuropäer selten ohne Erröten abgeht. Für allgemeine Heiterkeit ist dann jedenfalls gesorgt.
Freilich: Die vielleicht noch weiter verbreitete, von der Äquatorsonne hervorgerufene, Röte löst bei manchen Einheimischen nicht nur schadenfrohes Grinsen, sondern von neuem die obligate Frage aus: "You are from Holland?"
Unsere Wertung:
Klima:*** Von Mai bis September ist es für Mitteleuropäer am angenehmsten: Temperaturen um 30° und nur sporadisch Regen. Der Rest des Jahres fällt dafür ziemlich feucht aus: Fast täglich ergiebige Niederschläge, was aber angesichts der kuscheligen Temperaturen nicht wirklich stört.
Land und Leute:***** Die Balinesen sind um ihre Gäste geradezu rührend besorgt - überall trifft der Tourist auf hilfsbereite, freundliche Menschen, das Lächeln ist allgegenwärtig und überbrückt sogar die raren Verständigungsprobleme. Aber Achtung: Eile und Hektik kennt man hier nicht!
Gesundheit und Unterkünfte:*** Erstklassige Hotels bieten auch erstklassige hygienische Bedingungen - zu entsprechenden Preisen. Billigtouristen werden da wohl hin und wieder Abstriche machen müssen. Die medizinische Versorgung hat jedenfalls fast europäisches Niveau.
Kulinarisches:****Auf Bali kann man nicht nur spottbillig essen, sondern auch abwechslungsreich und ausgesprochen gut. Besonders empfehlenswert sind die frischen Früchte, Fleisch und Meerestiere sowie die ganze Palette indonesischer, chinesischer und teils auch indisch beeinflusster Gerichte. Übrigens: Auch Bier-Fans kommen auf ihre Kosten.
***** hervorragend, **** sehr gut, *** gut, ** durchschnittlich, * mangelhaft
Klicken Sie hier zu den Angeboten von ÖAMTC-Reisen.
ÖAMTC-Länderinfo: Indonesien



![[1291003_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291003_1.jpg?1305154674)
![[1291004_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291004_1.jpg?1305154675)
![[1291005_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291005_1.jpg?1305154677)
![[1291006_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291006_1.jpg?1305154678)
![[1291007_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291007_1.jpg?1305154679)
![[1291008_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291008_1.jpg?1305154681)
![[1291009_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291009_1.jpg?1305154683)
![[1291010_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291010_1.jpg?1305154684)
![[1291011_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291011_1.jpg?1305154686)
![[1291012_1.jpg]](/media/image/2011.03.22/1291012_1.jpg?1305154688)