• Reise-Reportagen
    Ausgabe: Juni 2000
    11.05.2011
    Autor:
    Roland Fibich

    Tour de Suisse

    Zum Käse, dem Heidi, der Schokolade und auf die höchsten Berge der Alpen: Also durch die Schweiz ? auf allem, was fahren kann.

    schweiz_1 © Fibich(4), Heidiland(1), Schweiz-Tourismus(1), ZEFA(1)
    Im Rahmen der Tour de Suisse auf Besuch beim Matterhorn.
    © Fibich(4), Heidiland(1), Schweiz-Tourismus(1), ZEFA(1)
    Sieht man einen US-amerikanischen TV-Bericht über Österreich, bekommt man den Eindruck, bei uns würden alle singen wie die Trapp-Familie und geigen wie der Strauß. Ähnliches gilt aus rot-weiß-roter Sicht für die Schweiz: Hohe touristische Qualität in jeder Beziehung, aber teuer. Eine schöne Natur, aber eben "nur" so schön wie bei uns. Angenehm zu bereisen, aber irgendwie fad. So in etwa wird das westliche Nachbarland manchmal klischeehaft abgeurteilt. Unser Kommentar dazu: alles Käse. Denn die Schweizer haben vor allem eines, was mobile Leute fasziniert: Ein perfektes, begeisterndes Verkehrssystem, das seinesgleichen auf der Welt sucht, und das Reisen zum puren Vergnügen macht. Und das mit dem "Swiss Travel System" auch von Auto-Reisenden, die kurz einmal auf Bahn, Bus, Schiff usw. umsteigen wollen, genützt werden kann und sollte.

    Mit der eigenen Karre
    kommt man zwar auch weit, aber eben nicht überall hin. Im mondänen Saas Fee, 1.792 m hoch über dem Rhˆone-Tal, ist bei einer Riesengarage am Ortseingang Endstation: Saas Fee ist - wie's so schön heißt - "autofrei". Ist auch besser so, denn ein regulärer Autoverkehr hätte das schmucke Dorf mit seinen engen Gassen, das von 13 Viertausendern umsäumt ist, wohl schon zerstört. Und so werden Gäste samt Gepäck eben ausschließlich von Gratis-Elektrotaxis befördert - auch zur Talstation der Allalin-Bahnen. Die höchstgelegene Untergrundbahn der Welt, der "Metro Alpin", bringt den sonnenhungrigen Besucher zum Drehrestaurant auf 3.500 m und zum sogenannten Eispavillon: Grandiose Eis-Höhlen und -Gänge geben einen Einblick in das Innere eines Gletschers - samt Kinderspielplätzen, Skulpturen und Ausstellungen.

    Auch im Käse-Mekka Gruyères,
    mitten im schmucken Freiburger Land, kann man mit dem Auto nicht vor's Hotel. Das mittelalterliche Städtchen hat sich so sein Naturell bewahrt. 200 Meter Kofferschleppen sind aber spätestens im holzgetäfelten Restaurant "Le Chalet" vergessen, wo um 26 Fränkli (ca. S 230,-) köstliches Fondue serviert wird, das man mit Kar-toffeln, Salzgurken, Perlzwiebeln und Weißwein genießt. Gleich am Fuß des Schloßberges werden in der Schaukäserei die Geheimnisse der Gruyère-Käseherstellung offengelegt. Wieder im Pkw, lohnen sich Abstecher in die umliegendeen alten Dörfer des "Greyezerlandes".

    Damit hier kein Mißverständnis entsteht:
    Auto fahren in Schweizer Landen macht ziemlich Spaß. Beschilderung und Straßenqualität sind hervorragend. Die im Vergleich zur heimischen billige Autobahn-Vignette (S 345,-) ist angesichts der unglaublichsten Tunnel- und Brückenkon- struktionen ihr Geld wert. Allerdings gibt's beim Tempolimit (50/80/120) "null Toleranz": Wer im Ortsgebiet 51 statt 50 fährt und geblitzt wird, kann 40 Franken berappen… Wir haben uns nicht die Mühe gemacht, die sehens- und befahrenswerten Paßstraßen zu zählen. Ein Tipp: Im Sommer ist's am schönsten. Klingende Namen, wohin man auf die Karte sieht: Kleiner und Großer St. Bernhard, Grimsel, Simplon, St. Gotthard, Nufenen, Lukmanier - undsoweiterundsofort.

    Mit der Bahn.
    Nur von Oktober bis Anfang Mai muß man sein Auto - mit Schweizer Perfektion - auf die Bahn verladen lassen, um die berühmte Route vom Rhein- ins Rhˆone-Tal zu bewältigen. Im Sommer aber sind Oberalp- und Furkapaß ein eindrucksvolles Erlebnis für alle, die viele Kurven nicht scheuen und die Aussicht auf den Rhˆone-Gletscher - und die höchsten Berge des Berner Oberlandes - genießen wollen. Klasse auch die Fahrt von Bulle in der französischen Schweiz über den Jaunpaß bis ins Berner Oberland und weiter nach Interlaken zwischen Thuner und Brienzer See.

    Hier heißt's wieder Parkplatz suchen und aussteigen.
    Denn auf's weltberühmte Jungfraujoch ("Top Of Europe", 3.571 m) kommt man wieder einmal nur per Bahn. Das grandiose Panorama mit Jungfrau, Mönch und Eiger genießen jedes Jahr Millionen. Bahntickets (etwa für die günstige "Morgenpauschale") also vor Abreise reservieren! Wer für diesen Tagesausflug idiotischerweise zu wenig Zeit hat, kommt mit der Standseilbahn von Interlaken in 15 Minuten auf den Harder Kulm und genießt eben von hier die Aussicht auf die Bergriesen.

    Das Klischee der Schweiz schlechthin,
    das ist allerdings nicht Interlaken, nicht der Käse und nicht das Matterhorn, das ist das "Heidi". Und so ist auch die Umbenamsung einer ganzen ostschweizer Region rund um Sargans, Bad Ragaz und den Walensee in "Heidiland" bei unseren Nachbarn nicht unumstritten. Vom "Heidi" selbst gibt's im "Heidiland" freilich wenig zu sehen. Japanische Touristen suchen es punktgenau im Dorf Maienfeld und im Heididorf auf der Alm weiter oben.

    Wer sich die zuckersüße Geschichte wegdenkt,
    wird im Heidiland allerdings schöne Ferien verbringen. Mit Bad Ragaz wartet ein ruhiger, bequemer Kurort. Flumser- und Kerenzerberg sind in der ganzen Schweiz zu Recht berühmte Wandergebiete. Tief unten im Tal, vor der grandiosen Kette der Churfirsten, liegt der Walensee. Das idyllische Quinten, ein kleines Weindorf, erreicht man nur per Boot. Oder man nimmt sich von Walenstadt aus Zeit für eine Tageswanderung entlang des glasklaren Sees.

    Schweiz bei Schlechtwetter?
    Nun, man kann sich von der zu Recht weltberühmten Schweizer Hotellerie zu Schweizer Preisen (alles rund ein Drittel teurer als in Österreich) verwöhnen lassen. Oder man plant für die Rundreise Alternativen ein, die bei Dauerregen zu Pflichtbesuchen werden. Etwa das Olympische Museum am Ufer des Genfer Sees in Lausanne, in dem die Geschichte dieser Institution mit Originalschaustücken und multimedial von der Antike bis in die Gegenwart dokumentiert wird. ÖAMTC-Mitglieder zahlen für den Eintritt nur 10 statt 14 Franken! Oder man stationiert sich in Luzern am Vierwaldstätter See - ohnehin eine gute Idee, da absolut zentral gelegen - und besucht das einzigartige Verkehrshaus, in dem Auto-, Eisenbahn-, Raumfahrt- und Luftfahrtfreunde einen ganzen Tag lang auf ihre Rechnung kommen. Einer der Höhepunkte: Die Fahrt in die Vergangenheit zum Bau des Gotthard-Tunnels. Irgendwie ist dieser Besuch auch ein guter Abschluß einer Tour de Suisse. Alle Vehikel, mit denen man hier so richtig schön mobil sein kann, gibt's hier nochmals auf einen Blick.

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