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15.10.2012

Unfallforschung: Junge Lenker mit hohem Risiko

18,5 Prozent aller im Straßenverkehr verunglückten Österreicher sind zwischen 18 und 24 Jahre alt

Im Vorjahr verunglückten rund 8.400 Personen in der Altersgruppe der 18 bis 24-Jährigen auf Österreichs Straßen. Das sind 18,5 Prozent aller im österreichischen Straßenverkehr Verunglückten. "Eine alarmierende Zahl, insbesondere wenn man bedenkt, dass diese Altersgruppe nur knapp neun Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung ausmacht", erklärt ÖAMTC-Verkehrsexperte Markus Schneider. "Dabei handelt es sich übrigens um kein österreich-spezifisches Problem. Europaweit ist jeder fünfte Verkehrstote zwischen 18 und 24 Jahre alt." 4.674 junge Erwachsene, somit knapp mehr als die Hälfte aller verunglückten jungen Verkehrsbeteiligten, verunglückten dabei als PKW-Lenker.

Um dieser Problematik entgegen zu treten und sie näher zu analysieren, hat der ÖAMTC gemeinsam mit dem ADAC das Unfallgeschehen mit beteiligten Lenkern in dieser Altersgruppe genauer untersucht. Die Grundlage dazu lieferten die Unfallforschungsdatenbanken beider Clubs sowie die Unfalldaten der Statistik Austria.

Abkommensunfälle als Unfallursache Nummer 1, Nachtfahrten besonders risikoreich

Die Analyse der ÖAMTC-Unfallforschung hat ergeben, dass bei vielen Unfällen junger Lenker die fehlende Fahrpraxis eine große Rolle spielt. "Verkehrssituationen werden oft nicht richtig eingeschätzt. Durch Erfahrungsmangel kommt es zu falschen Reaktionen", erklärt Schneider. "Der Anteil der Alleinunfälle ist in der Gruppe der jungen Lenker ebenfalls deutlich höher als bei älteren, routinierteren Verkehrsteilnehmern." Auch Unfälle, die auf nicht angepasste Geschwindigkeit (insbesondere in Kurven) zurückzuführen sind sowie Unfälle beim Überholen kommen bei jungen Lenkern öfter vor, als im Gesamtunfallgeschehen.

Besonders die hohe Anzahl an Unfällen, bei denen das Fahrzeug von der Straße abkommt, ist bedenklich. 18 bis 24-Jährige haben im Vergleich zum Gesamtunfallgeschehen doppelt so viele Unfälle mit einem Anprall an ein starres Hindernis (z. B. einen Baum) oder mit Überschlägen. Die Auswirkungen sind oft schwerwiegend: "Speziell Baumunfälle haben häufig schwere Verletzungen zur Folge. Das liegt daran, dass das Fahrzeug die Aufprall- und Deformationsenergie bei einem solchen Crash meist an einer geringen Fahrzeugfläche abfangen muss", erklärt der ÖAMTC-Experte.

In Österreich passieren die meisten Verkehrsunfälle zwischen 6 und 20 Uhr, mit Spitzen im Morgen- und Abendberufsverkehr. Weniger als ein Fünftel der Unfälle ereignet sich spätabends oder nachts. Bei den jungen Lenkern ist die Situation allerdings anders. "Rund 25 Prozent der 18 bis 24-Jährigen, die einen Unfall haben, verunglücken in den Nacht- bzw. frühen Morgenstunden. Vor allem in den Nachtstunden am Wochenende ist der Anteil junger Lenker am Gesamtunfallgeschehen sehr hoch", so der ÖAMTC-Experte. "Das lässt darauf schließen, dass beispielsweise Heimfahrten nach abendlichen Freizeitveranstaltungen wie Disco- oder Zeltfestbesuchen, oft in ausgelassener, aufgeheiterter Stimmung, besonders risikoreich für junge Lenker sind."

Moderne Sicherheitssysteme in jüngeren Pkw können Unfallfolgen mindern

Junge Lenker sind – auch budgetbedingt – häufiger als andere Verkehrsteilnehmer mit älteren Pkw unterwegs. Die Daten aus der ÖAMTC-Unfallforschungsdatenbank zeigen, dass die Fahrzeuge der verunglückten Lenker dieser Altersgruppe im Schnitt zehn Jahre alt sind. Das liegt um eineinhalb Jahre über dem Durchschnittsalter aller unfallbeteiligten österreichischen Autos. "Ältere Fahrzeuge sind oft nicht am aktuellen Stand der Technik. Dadurch sind die Folgen vieler Unfälle der 18 bis 24-Jährigen noch schwerer", erklärt der ÖAMTC-Verkehrsexperte. Speziell das fehlende Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) könnte bis zu 30 Prozent der Unfälle verhindern. Der Appell des ÖAMTC-Experten lautet daher: "Sicherheitsausstattung ist wichtiger als die Fahrzeugmasse." Systeme wie ESP (zur Verhinderung von Unfällen), Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer, Front-, Seiten- und Kopfairbags (zur Minimierung der Verletzungsschwere) können die Unfallfolgen entscheidend mindern.

Aber auch abseits der Fahrzeuge gibt es Möglichkeiten, mit denen die Unfallzahlen junger Lenker gesenkt werden können. "Junge Autofahrer sollten verstärkt für die Risiken des Straßenverkehrs sensibilisiert werden", fordert Schneider. Und nicht zuletzt sind auch Infrastrukturmaßnahmen notwendig. Oftmals würden schon vergleichsweise geringfügige Änderungen wie Rüttelstreifen, Leitbakken zur besseren Kennzeichnung des Kurvenverlaufes sowie abgesicherte bzw. hindernisfreie Seitenräume helfen, Unfälle zu vermeiden und Unfallfolgen zu mindern.

Zur Verdeutlichung der angesprochenen Problematik und ihrer Folgen wurde vom ÖAMTC gemeinsam mit seinen Partnerclubs ein Crashtest zur Simulation eines Baumunfalls mit einem für Jugendliche typischen Kleinwagen simuliert. Die erschreckenden Ergebnisse dieses Tests werden am Donnerstag, 18. Oktober, veröffentlicht.