Biosprit
27.08.2012
Autor:
Kurt Zeilinger/Cornelia Buczolich

Fünf Fragen zu E10

Antworten auf die meistgestellten Fragen zum Thema Biosprit.

Der ÖAMTC steht einer Einführung von E10 -(Benzin mit 10 Prozent Bioethanol-Anteil) - grundsätzlich positiv gegenüber, fordert aber eine intensive und behutsame Klärung aller bis dato offenen Punkte und die Sicherstellung, dass Bedingungen wie die nachhaltige Herstellung des Bio-Anteils sowie die Verträglichkeit für Kfz erfüllt werden. Die genauen Forderungen des Clubs wurden in einem eigenen Positionspapier festgehalten.

Video: E10-Erzeugung in Österreich

Die fünf häufigsten Fragen zum Thema E10

Rund um das Thema Biosprit in Österreich herrscht nach wie vor viel Unklarheit unter Autofahrern. Hier sind die Antworten auf die meist gestellten Fragen der Clubmitglieder zum Thema.

1. Wozu eigentlich E10?

E10 soll laut Lebensministerium co2-Emissionen reduzieren und Erdölreserven schonen. Für Österreich als EU-Mitglied gilt das Ziel, bis 2020 einen Anteil von 10 Prozent erneuerbarer Energie im Verkehr einzusetzen und damit die Treibhausgasemissionen um 6 Prozent zu senken. Zusätzlich hat sich Österreich verpflichtet, die co2-Emissionen generell zu reduzieren (Kyoto-Protokoll). Gelingen diese Ziele nicht, werden Pönalezahlungen in Millionenhöhe fällig. E10 ist im Verkehrssektor im Vergleich zu anderen Maßnahmen die einfachste Lösung zur Reduzierung von co2. Alternativen wären Tempolimits, großräumige Fahrverbote oder eine Erhöhung der Mineralölsteuer.

2. Wann kommt E10?

Die geplante Einführung von E10 in Österreich per 1. Oktober wurde abgesagt.

In Deutschland zeigte sich, dass ein überstürzter E10-Start nur auf Widerstand stößt. Eine zeitgerechte und zielgerichtete Aufklärung für den Konsumenten ist also unentbehrlich. Zusätzlich ist es für den ÖAMTC unabdingbar, dass "Super 95" und "Super Plus" als Bestandsschutz-Sorten weiterhin verfügbar sein müssen.

3. Wird E10 mehr kosten? Und steigt der Verbrauch?

Wieviel E10 im Rahmen der Erst-Einführung kosten wird, steht noch nicht fest. Bei gleichem Abgabepreis an der Tankstelle käme es zu geringfügig höheren Gesamtkosten, weil die damit betriebenen Fahrzeuge aufgrund des geringeren Energiegehalts von E10 um ein bis zwei Prozent mehr verbrauchen als mit Super 95. Deshalb tritt der öamtc für steuerliche Maßnahmen ein, die diesen Effekt abfedern – etwa für einen Entfall der Mineralöl-Besteuerung (MöSt) des Bio-Anteils, der in letzter Zeit ohnehin steigenden Weltmarktpreisen unterworfen ist. Österreichs Autofahrer/-innen zahlen bereits genug für Kraftstoff. Ziel sollte ein Preisvorteil von etwa 5–10 Cent pro Liter gegenüber Super 95 sein – aber ohne "künstliche" Preiserhöhung der Bestandschutzsorten.

4. Welche Autos vertragen E10?

Etwa 90 Prozent aller Benziner können mit dem neuen Biokraftstoff betankt werden. Max Lang, ÖAMTC-Cheftechniker: „Bei etwa 10 Prozent der Benziner treten Probleme an Kunststoff- oder Aluminiumteilen auf. Dichtungen, Kraftstoffleitungen oder auch Kraftstoffpumpen können kaputt werden.“ Der ADAC meldet, dass bisher keine nachweisbar auf E10 zurückzuführenden Schäden bei freigegebenen Pkw aufgetaucht sind. Welche Benziner E10 vertragen, steht in einer Liste des Verbands der Automobilimporteure. Der ÖAMTC fordert rechtzeitig die Veröffentlichung dieser Liste sowie eine Gewährleistung für deren Richtigkeit seitens der Hersteller.

5. Werden Lebensmittel zum "Bio"-Anteil in E10?

Der heimische Bioethanolproduzent versichert, die nötigen Mengen für die Beimischung zu Benzin für den inländischen Bedarf zur Gänze abdecken zu können. Dabei werden – nach normalen Erntebedingungen – Überkapazitäten von Mais und Weizen aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn verwendet.

Der ÖAMTC fordert, sicherzustellen, dass mit diesen Rohstoffen verantwortungsvoll umgegangen wird. Im Falle einer schlechten Ernte oder Spekulationen, die die Getreidepreise in die Höhe schnellen lassen, soll der Bioethanol-Anteil heruntergefahren werden können. Eine Konkurrenz "Tank gegen Teller", die Nahrungsmittel verknappt und/oder verteuert, ist zu vemeiden. Außerdem muss gewährleistet werden, dass die Erzeugung dem Nachhaltigkeitsprinzip unterworfen ist. Der Club plädiert deshalb dafür, dass anerkannte Zertifizierungsstellen den gesamten Herstellungsprozess kontrollieren.