08.08.2012

ÖAMTC-Flugrettung: Vielfältiges Einsatzspektrum in Österreichs Bergwelt

Einsätze im alpinem Bereich sind immer eine große Herausforderung

Mit rund 15 Prozent aller Alarmierungen liegen Sport- und Freizeitunfälle im alpinen Bereich auf Platz zwei der Einsatzstatistik der ÖAMTC-Notarzthubschrauber. "Wandern ist in Österreich eine beliebte Freizeitaktivität", weiß Klaus Rainer, Pilot und Stützpunktleiter von Christophorus 7 in Lienz. Mehr als ein Drittel seiner Einsätze fliegt der Osttiroler ÖAMTC-Notarzthubschrauber in alpinem Gelände. Und nicht nur im Winter, wie man meinen könnte.
Wandern ist in Österreich eine äußerst beliebte Freizeitaktivität. Rund drei Millionen Menschen zieht es jährlich in die Berge. Leider unterschätzen Viele nur allzu gerne die zahlreichen Gefahren des alpinen Raumes. "Etliche Todesfälle in den Alpen sind auch auf akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen", weiß Helmut Gatterer, leitender Notarzt am ÖAMTC-Flugrettungsstützpunkt in Lienz. "Die ungewohnte Anstrengung gepaart mit Flüssigkeitsmangel kann schnell zum Herzinfarkt oder sogar zum akuten Herztod führen", warnt der erfahrene Notarzt. Gerade Herzpatienten, die sich selbst zu viel zumuten oder mit Seilbahnen und Liften sehr schnell in große Höhen auffahren, tragen ein besonders großes Risiko einen Herzkreislauf-Stillstand zu erleiden.
In den Bergen werden die ÖAMTC-Notärzte mit allen Arten von Verletzungen konfrontiert: Von simplen Knöchelfrakturen bis hin zu tödlichen Abstürzen, die nicht nur im alpinen Gelände sondern auch auf Wanderwegen oft genug passieren. "Besonders im heurigen Sommer ist auf Grund der noch immer beträchtlichen Schneelage mit vermehrten Unfällen durch Ausrutschen auf sogenannten sommerharten Schneefeldern zu rechnen. Hier hilft nur gründliche Vorbereitung der Wanderung und gute Ausrüstung", erklärt der ÖAMTC-Notarzt.
Canyoning-Unfälle stellen vor allem die Bergeteams vor hohe Anforderungen. Meist ist eine Landung der ÖAMTC-Notarzthubschrauber in unmittelbarer Nähe zum Notfallort nicht möglich. Daher wird der Flugrettungssanitäter am Tau hängend zur Unglücksstelle geflogen. "An einer speziell für solche Einsätze entwickelten Abseileinrichtung seilt er sich dann zum Verunglückten ab und wird gemeinsam mit dem erstversorgten Patienten wieder am Seil hängend ausgeflogen", berichtet Rainer. Canyoning-Unfälle enden meist mit Brüchen und anderen schwersten Verletzungen.
Gute Ausrüstung und vielfach auch zunehmendes Risikobewusstsein zeichnen den Großteil der Mountainbike-Fans aus. "Das Verletzungsrisiko bleibt dennoch bestehen und betrifft vor allem Weichteile, Abschürfungen, Arm- und Schlüsselbeinbrüche. Bei schwereren Stürzen kommt es natürlich auch mit Schutzhelm immer wieder zu Schädel-Hirn-Verletzungen", fasst der ÖAMTC-Notarzt die klassischen Verletzungsmuster zusammen.
Aus medizinischer Sicht spricht vor allem der Faktor Zeit für die Erstversorgung durch einen Notarzthubschrauber. "Verunfallte können in entlegenen Gebieten schneller erreicht, geborgen und ärztlich versorgt werden", ergänzt Gatterer. "In vielen Fällen werden den Patienten dadurch zeitaufwändige, umständliche und manchmal auch überaus schmerzhafte Transporte erspart."