auto touring: Viele Leute sagen, sie können mit Volksmusik nichts anfangen, meinen dabei aber den volkstümlichen Schlager. Stört es dich, dass das ständig verwechselt wird?
Hubert von Goisern: Ich kenne gar nicht viele, die das verwechseln. Das liegt wahrscheinlich an meinem Bekanntenkreis. Ich verstehe aber, wenn man so Heimattümelndes ablehnt. Egal, ob das jetzt musikalischer Natur ist, man Kitsch-Postkarten meint oder auch das Gewand. Im Radio zum Beispiel wird ja kaum echte Volksmusik gespielt, da ist das meiste schon eher Schlager.
Du bist viel herum gekommen, hast in Südafrika und in Kanada gelebt. Wie wichtig ist es für dich, unterwegs zu sein?
Es ist perfekt, um jegliche Routine zu unterbrechen. Wenn du nicht weißt, was hinter der nächsten Kurve wartet, musst du die ja schon ganz anders anfahren als wenn du weißt, dass dahinter ein Graben ist. Ich brauche aber beides – einerseits das Daheimsein, meine Freunde, meine vertrauten Berge. Und andererseits das Wegfahren. Eigentlich fahre ich ja nie weg, sondern immer irgendwo hin.
Ist die Umstellung schwierig, wenn es von daheim wieder auf Tour geht?
Das Abnabeln von zuhause ist jedesmal wieder eine Aufgabe. Rein in den Bus, in die Schlafkoje, das ist schon Rock’n’Roll. Ich habe von uns allen den kleinsten Koffer, das hat schon J.J. Cale besungen – „Travelin’ light is the only way to go“ (lacht). Heimkommen bedeutet dann wieder Integrieren in die Familie. Wenn man nicht da ist, stellen die sich ja auch um und leben ohne den Hubert. Bin ich wieder da, ist mein Platz besetzt, den muss ich dann wieder zurück erobern. Da gehen wir zwei Tage lang behutsamer miteinander um. Sie lassen mich langsam ankommen, und ich schärfe meinen Blick fürs integrative Leben daheim und lass mich nicht so treiben wie auf Tour. Da passiert ja ganz wenig außer Schlafen, Essen, Soundcheck und Bühne.
Was ist immer in deinem kleinen Koffer?
Ein Buch, ein Taschenmesser mit Korkenzieher, damit man den Stoppel nicht hineindrücken muss, wenn irgendwo einmal eine gute Flasche Wein passiert, und eine Stirnlampe. Die ist praktisch, wenn wir wo hinkommen, wo der Veranstalter vergessen hat, uns für die Nacht ein Stromkabel zum Tourbus zu legen.
Glaubst du, dass die Menschen durch den einfachen Zugang zum Reisen heutzutage toleranter werden in Bezug auf andere Kulturen?
Ich glaube, dass man entspannter wird. Denk an Afrika oder Grönland: Würden wir dort so tun, wie wir in Österreich tun, würden wir nicht überleben. Wenn man sich das bewusst macht, bildet man sich auch weniger auf die Lebensweise ein, die man sich angeeignet hat.
Hat sich am Reisen in den letzten Jahren etwas verändert?
Es ist selbstverständlicher geworden. Der Höhepunkt an individueller Freiheit und Mobilität ist aber überschritten. Wegen der ganzen Katatstrophen, der Erderwärmung, der Spritpreise. Ich finde es ja absurd, dass so viele Güter, die es auch regional gäbe, quer durch Europa transportiert werden. Ich hab nix dagegen, dass es ein Vorarlberger Bier gibt, aber warum muss ich es in Wien trinken können? Ich will sowas nicht verbieten, aber es stört mich. Gäbe es diese gestützten Warentransporte nicht, würde sich Mobilität auf die wirklichen Herzensangelegenheiten der Menschen beschränken.
Du spielst am 14. Juli am Red Bull Ring in Spielberg. Wie passt das zum Naturmenschen Hubert von Goisern?
Ich mag ja Motorsport. Ich schau gern Formel 1, schlaf auch gern dabei ein (lacht). Das ist die entspannendste Sonntagsbeschäftigung überhaupt. Und ich hab auch eine PlayStation, auf der ich „Gran Turismo“, das Autorenn-Spiel, spiele. Dafür hab ich mir extra selber eine Kiste gebaut mit Schalensitz, Pedalen und Lenkrad. Die hab ich sogar auf Tour mitgehabt. Ich würde auch wahnsinnig gern einmal mit so einem KTM X-Bow über den Ring brettern. Ansonsten bin ich aber kein schneller Fahrer, eher ein Genießer.
Hand aufs Herz: Wär’s dir manchmal lieber, du hättest das „Hiatamadl“ nie geschrieben?
Nein, nie. Ich spiel es zwar nicht bei jedem Konzert, aber wenn wir es tun, taugt’s mir irrsinnig. Es ist ja eine Nummer, die ordentlich fährt. Sie ist nur irgendwann im Radio so zu Tode gespielt worden, dass mir selber schlecht geworden ist, wenn ich sie gehört habe. Aber ich hab keine Ahnung, wie mein Leben ohne „Hiatamadl“ verlaufen wäre, insofern bin ich dankbar. Wir haben unseren gemeinsamen Frieden gefunden, denk ich.
Hubert von Goisern: Ich kenne gar nicht viele, die das verwechseln. Das liegt wahrscheinlich an meinem Bekanntenkreis. Ich verstehe aber, wenn man so Heimattümelndes ablehnt. Egal, ob das jetzt musikalischer Natur ist, man Kitsch-Postkarten meint oder auch das Gewand. Im Radio zum Beispiel wird ja kaum echte Volksmusik gespielt, da ist das meiste schon eher Schlager.
Du bist viel herum gekommen, hast in Südafrika und in Kanada gelebt. Wie wichtig ist es für dich, unterwegs zu sein?
Es ist perfekt, um jegliche Routine zu unterbrechen. Wenn du nicht weißt, was hinter der nächsten Kurve wartet, musst du die ja schon ganz anders anfahren als wenn du weißt, dass dahinter ein Graben ist. Ich brauche aber beides – einerseits das Daheimsein, meine Freunde, meine vertrauten Berge. Und andererseits das Wegfahren. Eigentlich fahre ich ja nie weg, sondern immer irgendwo hin.
Ist die Umstellung schwierig, wenn es von daheim wieder auf Tour geht?
Das Abnabeln von zuhause ist jedesmal wieder eine Aufgabe. Rein in den Bus, in die Schlafkoje, das ist schon Rock’n’Roll. Ich habe von uns allen den kleinsten Koffer, das hat schon J.J. Cale besungen – „Travelin’ light is the only way to go“ (lacht). Heimkommen bedeutet dann wieder Integrieren in die Familie. Wenn man nicht da ist, stellen die sich ja auch um und leben ohne den Hubert. Bin ich wieder da, ist mein Platz besetzt, den muss ich dann wieder zurück erobern. Da gehen wir zwei Tage lang behutsamer miteinander um. Sie lassen mich langsam ankommen, und ich schärfe meinen Blick fürs integrative Leben daheim und lass mich nicht so treiben wie auf Tour. Da passiert ja ganz wenig außer Schlafen, Essen, Soundcheck und Bühne.
Was ist immer in deinem kleinen Koffer?
Ein Buch, ein Taschenmesser mit Korkenzieher, damit man den Stoppel nicht hineindrücken muss, wenn irgendwo einmal eine gute Flasche Wein passiert, und eine Stirnlampe. Die ist praktisch, wenn wir wo hinkommen, wo der Veranstalter vergessen hat, uns für die Nacht ein Stromkabel zum Tourbus zu legen.
Glaubst du, dass die Menschen durch den einfachen Zugang zum Reisen heutzutage toleranter werden in Bezug auf andere Kulturen?
Ich glaube, dass man entspannter wird. Denk an Afrika oder Grönland: Würden wir dort so tun, wie wir in Österreich tun, würden wir nicht überleben. Wenn man sich das bewusst macht, bildet man sich auch weniger auf die Lebensweise ein, die man sich angeeignet hat.
Hat sich am Reisen in den letzten Jahren etwas verändert?
Es ist selbstverständlicher geworden. Der Höhepunkt an individueller Freiheit und Mobilität ist aber überschritten. Wegen der ganzen Katatstrophen, der Erderwärmung, der Spritpreise. Ich finde es ja absurd, dass so viele Güter, die es auch regional gäbe, quer durch Europa transportiert werden. Ich hab nix dagegen, dass es ein Vorarlberger Bier gibt, aber warum muss ich es in Wien trinken können? Ich will sowas nicht verbieten, aber es stört mich. Gäbe es diese gestützten Warentransporte nicht, würde sich Mobilität auf die wirklichen Herzensangelegenheiten der Menschen beschränken.
Du spielst am 14. Juli am Red Bull Ring in Spielberg. Wie passt das zum Naturmenschen Hubert von Goisern?
Ich mag ja Motorsport. Ich schau gern Formel 1, schlaf auch gern dabei ein (lacht). Das ist die entspannendste Sonntagsbeschäftigung überhaupt. Und ich hab auch eine PlayStation, auf der ich „Gran Turismo“, das Autorenn-Spiel, spiele. Dafür hab ich mir extra selber eine Kiste gebaut mit Schalensitz, Pedalen und Lenkrad. Die hab ich sogar auf Tour mitgehabt. Ich würde auch wahnsinnig gern einmal mit so einem KTM X-Bow über den Ring brettern. Ansonsten bin ich aber kein schneller Fahrer, eher ein Genießer.
Hand aufs Herz: Wär’s dir manchmal lieber, du hättest das „Hiatamadl“ nie geschrieben?
Nein, nie. Ich spiel es zwar nicht bei jedem Konzert, aber wenn wir es tun, taugt’s mir irrsinnig. Es ist ja eine Nummer, die ordentlich fährt. Sie ist nur irgendwann im Radio so zu Tode gespielt worden, dass mir selber schlecht geworden ist, wenn ich sie gehört habe. Aber ich hab keine Ahnung, wie mein Leben ohne „Hiatamadl“ verlaufen wäre, insofern bin ich dankbar. Wir haben unseren gemeinsamen Frieden gefunden, denk ich.



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