02.07.2012

Nostalgie-Express

Mit der Fahrradmarke Puch wird ein Stück österreichischer Mobilität revitalisiert. Grund genug für eine Ausfahrt mit den Modellen Luxus und Kraftwerk Limited. Altersunterschied: 74 Jahre.

Mit der Fahrradmarke Puch wird ein Stück Österreich revitalisiert.

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Die Fahrradmarke Puch hat wieder einen österreichischen Vertrieb (Fa. Faber). Grund genug  um mit dem neuen Puch Kraftwerk Limited  Baujahr 2012  Preis 2.399 Euro  und dem alten Puch Luxus  Baujahr 1938  eine gemeinsame Ausfahrt zu wagen. © Archiv
Die Fahrradmarke Puch hat wieder einen österreichischen Vertrieb (Fa. Faber). Grund genug, um mit dem neuen Puch Kraftwerk Limited, Baujahr 2012, Preis 2.399 Euro, und dem alten Puch Luxus, Baujahr 1938, eine gemeinsame Ausfahrt zu wagen. © Archiv
Welches Utensil in ihrer Nähe ist 74 Jahre alt? Schauen Sie sich ruhig um. Lassen Sie ihren Blick gleiten, Ihre Gedanken schweifen – finden aber bitte wieder zu diesen Zeilen zurück. In meinem Haushalt ist der älteste Gebrauchsgegenstand ein Wohnungseinstand-Geschenk der lieben Tante, eine orange-braune Küchenwaage aus den 70ern. Zu diesem Zeitpunkt war das Puch Luxus bereits Mitte dreißig. Heute, vierzig Jahre später, rollt es immer noch. Nicht mehr ganz so formidabel und leichtgängig wie früher freilich, aber eine Wettfahrt sollte dies hier ohnehin nicht werden. Eher eine vergnügliche Ausfahrt, ein Treffen der Generationen:  Puch Luxus, Baujahr 1938, trifft Puch Kraftwerk Limited, Baujahr 2012.

Puch, das ist nicht nur eine Marke, das ist ein Stück historischer, österreichischer Mobilität. Erinnert sei an das Auto, den seligen Puch 500, und an das „Waffenrad“ (auch wenn dieses andere Ursprünge hat). Die Popularität dieser Fahrräder schaffte sogar, was nur ganz wenigen Produkten gelingt: Der Produktname wurde zum Synonym für eine ganze Kategorie. Denn eigentlich gilt heutzutage jedes Fahrrad, das groß, schwarz und schwer ist, als Waffenrad. Das neue Puch Kraftwerk Limited erfüllt diese Vorgaben spielend. Mit Stabilität signalisierenden 28-Zoll-Rädern, Elektroantrieb, Acht-Gang-Nabenschaltung und massivem Aluminium-Rahmen ausgestattet, bringt es unhandliche 26 Kilogramm auf die Waage. Im Vergleich dazu ist das alte Puch Luxus beinahe ein Leichtgewicht, wiegt es doch rund sechs Kilogramm weniger. Trotz der reichlich vorhandenen Masse lässt sich das neue Puch Kraftwerk sogar mit deaktiviertem E-Antrieb überraschend leichtfüßig bewegen. Mit zugeschaltetem Elektromotor sieht die Sache freilich noch geschmeidiger aus. Entspannt (aufrechte Sitzposition), einigermaßen anstrengungsfrei (drei Unterstützungsstufen) und relativ flott (Kraftbeistand bis 25 km/h) geht es dann in Richtung Ziel.

Alte Waffenräder haben den Ruf, robust, langlebig und pflegeleicht zu sein. Unser altes Puch Luxus bedarf zwar neuer Verschleißteile, trägt aber immer noch die ursprüngliche Patina. Naben und Lager sind mit ein wenig handwerklichem Geschick rasch gewartet, Hoch- und Seitenschläge der Laufräder bald einmal ausgemerzt. Ob das moderne Kraftwerk in 74 Jahren eine ebenso gute Figur machen wird? Der erste Eindruck ist zweifellos gut, die Mechanik solide, der Rahmen stabil. Zur Wartung von Lagern, Naben und Schaltung sind hingegen deutlich geschicktere Hände vonnöten, idealerweise die eines Fachmanns. Und wie lange Akku und Elektro-motor halten werden, ist schlussendlich eine Frage des Gebrauchs. Bleibt nur zu hoffen, dass die Lebensdauer den Preis rechtfertigt: 2.399 Euro für ein E-Bike sind happig.

Alt trifft jung. Jung sieht aber erstaunlich alt aus, jedenfalls erinnert so manches Detail am Kraftwerk Limited (auf 340 Stück limitierte Erstausgabe) zumindest optisch an früher: Roller- statt Felgenbremse, doppelt gefederter Ledersattel, klassisch geformter Scheinwerfer sowie der geschwungene Lenker mit seitlicher Griffposition. Federgabel, Sattelstützen-Federung und Elektroantrieb hingegen sind Tribute an die Moderne – missen möchten wir diese drei Dinge trotzdem nicht, da sie entscheidend zu mehr Fahrkomfort beitragen. Als überaus praktisch erwiesen sich zudem der rasch verstellbare Lenkervorbau (Schnellverschluss entriegeln, Lenker neu positionieren, verriegeln, fertig), das Rahmenschloss sowie die Akku-Handhabung (Arretierung lösen, Akku aushängen, mitnehmen, aufladen).