• Auto-Tests
    Ausgabe: Juli 2012
    29.06.2012
    Autor:
    Stich & Rauecker I Fotos: Henninger

    Liebesgeschichten

    Kleinwagen mit vier Türen unterhalb von Polo und Co. werden immer beliebter und sind ernsthafte Partner für die Großstadt. Im Vergleich: der neue Fiat Panda gegen den VW up! und Toyota Aygo.

    07_2012_vergleich_3-1 © Archiv
    Kleinwagen mit vier Türen unterhalb von Polo und Co. werden immer beliebter und sind ernsthafte Partner für die hektische Großstadt-Welt. Im Vergleich: der neue Fiat Panda (re.) gegen den VW up! (li.) und Toyota Aygo (Mitte). Keine andere Fahrzeugklasse konnte heuer mehr Zuwächse verzeichnen. Tendenz: steigend.
    Klein, kleiner, trendig. Oder besser gesagt: In der Kürze liegt die Würze. Das trifft auf unsere drei kleinen Testkandidaten perfekt zu. In den ersten Monaten des Jahres konnte nämlich keine andere Fahrzeugklasse stärker zulegen als die rund 3,5 Meter kurzen Kleinen. Interessant: Die traditionell beliebten Modelle der Kompaktklasse (vw Golf, Opel As-tra, Hyundai i30 und Co.) und die Vertreter der etwas kleineren Viermeterklasse (VW Polo, Skoda Fabia, Renault Clio und Co.) stagnieren dagegen oder mussten teilweise sogar deutliche Verluste hinnehmen. Kein Wunder, schließlich ist die Auswahl an Kleinstwagen größer den je. Immer mehr Hersteller drängen mit pfiffig gestylten, praktischen, sparsamen und nur manchmal günstigen Kleinen in den Markt. Sarkastisch überzeichnet heißt das: Bei vielen Angeboten unterhalb der magischen 10.000-Euro-Grenze sind lediglich ein Motor, straßenseitige Fenster und von innen verstellbare Vorderräder serienmäßig an Bord. Soll es etwas wohnlicher zugehen, sollte man mindestens 11.000 Euro oder mehr locker machen. Dann sind nämlich zumindest schon ein CD-Radio, Klimaanlage, höhenverstellbarer Fahrersitz oder elektrische Fensterheber aufpreisfrei dabei.

    Klein, aber fein. Moderne Kleinstwagen haben zahlreiche Vorteile. Die kurzen Abmessungen nehmen jeder Parkplatzsuche in der Großstadt ihren Schrecken. Dank vier Türen kann auch der Nachwuchs problemlos transportiert werden. Und Platz für den Einkauf bleibt ebenfalls übrig. Erstaunlich: Trotz der kurzen Radstände bleibt selbst der Fahrkomfort bei vielen Modellen nicht auf der Strecke. Zum Vergleichstest treten neben der Neuauflage des italienischen Klassikers Fiat Panda auch der neue VW up! und der mittlerweile in die Jahre gekommene Toyota Aygo (Schwestermodell von Citroën C1 und Peugeot 106) an. Alle drei Testkandidaten verfügen über vier Türen, die jeweils beliebtesten Motorvarianten (60 bis 69 PS) und kosten allesamt mehr als 11.000 Euro.

    Platz 3: Toyota Aygo

    Obwohl der kleine Japaner schon seit 2005 im Gemeinschaftsprojekt mit PSA (Peugeot/Citroën) im tschechischen Werk Kolín vom Band läuft, wirkt er optisch nach wie vor up to date. Auch dank der zarten Retuschen Anfang des Jahres an der Front: größere Lufteinlässe und Tagfahrleuchten mit LED-Technik. Innen sollen neue Kunststoffe für ein hochwertigeres Ambiente sorgen. Das gelingt allerdings nur bedingt, denn speziell die Materialien rund um die wenig griffigen Regler für die Heizung wirken billig. Der Rest an Instrumenten und Tasten ist dafür überschaubar, übersichtlich und einfach zu bedienen. Nachteil wie im VW: Eine zusätzliche Taste für den elektrischen Fensterheber in der Beifahrertür sucht man auf der Fahrerseite vergeblich. Sinnvoll: die zahlreichen und brauchbaren Ablagen.
     
    Das Platzangebot ist trotz der geringsten Außenlänge aller drei Testkandidaten vergleichsweise passabel. Wie bei den anderen beiden zwickt’s vor allem bei der hinteren Beinfreiheit. Tadellos: Die ausreichend groß dimensionierten, aber nicht höhenverstellbaren Sitze. Eindeutig zu klein dafür: Der bei aufgestellter Rücksitzlehne (kann wie im Panda nur im Ganzen vorgeklappt werden) nur 139 Liter große Kofferraum. Weiterer Nachteil: die fast 80 Zentimeter hohe Ladekante.
    Der quirlige 1,0-l-Dreizylinder-Benziner legt vor allem aus dem Drehzahlkeller munter los, ist akustisch aber verhaltensauffällig. Weit weniger auffällig ist der Verbrauch. Rund 5,5 Liter Super sind zwar passabel, aber keineswegs berauschend. Fein: fünf Jahre Garantie.  

    Platz 2: Fiat Panda

    Es gibt wenige Autos, die selbst nach über 30 Jahren Laufzeit noch einen guten Ruf genießen. Einer von ihnen ist der 1980 vorgestellte und bisher weltweit über 6,5 Millionen Mal verkaufte Fiat Panda. Die nunmehr dritte Generation des smarten Italieners ist dabei optisch keine Revolution. Die charakteristische kistenähnliche Karosserieform (in der Länge um elf, in der Breite um gut fünf Zentimeter gewachsen) wurde zwar beibehalten, ist nun aber etwas rundlicher als bisher gewohnt.
    Abgerundete Bedienelemente prägen auch den hochwertig verarbeiteten Innenraum. Perfekt: der griffgünstig platzierte Schalthebel in der Mittelkonsole sowie die zahlreichen, gut nutzbaren Fächer und Ablagemöglichkeiten. Weniger gelungen: die schlecht ablesbaren Instrumente für Tempo und Drehzahl.

    Zwiespältig fällt die Bewertung der Sitze aus. Einerseits sorgt die gewohnt hohe Sitzposition für gute Übersicht, andererseits leiden vor allem Großgewachsene unter einer spürbar zu kurzen und wenig langstreckenfreundlichen Schenkelauflage. Die hoch aufbauende Karosserie bringt dafür reichlich Innenhöhe. Der Kofferraum ist klassenüblich überschaubar, nimmt’s aber locker mit ausgewachsenen Getränkekisten auf. Die Rücksitzlehne muss übrigens als Ganzes vorgeklappt werden und hinterlässt eine unpraktische Stufe im Ladeboden. Fein dafür: die niedrige Ladekante. Der 69 PS starke Vierzylinder ist kultiviert, aber nicht gerade kraftvoll. Der Verbrauch von rund 6 Liter Super fällt etwas zu hoch aus. Alternative: Der neue, sparsamere, aber teurere 0,9-l-Twinair mit 65 PS.

    Platz 1: VW up!

    Lange zeit war es still bei VW in der Klasse unterhalb des Polo. Bis 2005 gab es dort den Lupo, ein trotz Dreiliter-Variante und scharfer gti-Version nur mäßig erfolgreicher Kleinstwagen. Mit dem Fox, einem karg ausgestatteten, rund 30 Zentimeter längeren, aber günstigen Kleinen, wollte vw die Lücke schließen. Ohne Erfolg. Das soll sich jetzt ändern. Mit dem neuen up! – mit 3,54 Metern so lang wie der Lupo – will VW auch bei den ganz Kleinen die Nummer eins sein.

    Die freundliche, breit grinsende Front sowie das Steilheck mit der Glasscheibe als Klappe sind ein klares Design-Statement. Innen geht’s wesentlich vw-typischer zur Sache. Soll heißen: übersichtliches Cockpit, intuitive Bedienung, bequeme und langstreckenfreundliche Sitze, fehlerfreie Verarbeitung. Einzig das optionale, auf dem Armaturenbrett aufsteckbare Navi ist wegen seiner kleinen Touch-Screen-Tasten etwas mühsam zu bedienen. Außerdem auffällig: die wenigen und zu kleinen Ablagen sowie die fehlende Taste auf der Fahrerseite für den elektrischen Fensterheber in der Beifahrertür. Beim Platzangebot erfreuen sich stärkere Insassen an der im Vergleich zur Konkurrenz spürbar üppigeren Innenbreite. Der Kofferraum ist selbst für Wochenend-Einkäufe gerüstet und mittels geteilt vorklappbaren Rücksitzlehnen erweiterbar. Zu hoch: die Ladekante. Der ausreichend kultivierte Dreizylinder wirkt speziell bei höheren Drehzahlen lustlos und ist mit sechs Liter Verbrauch auch nicht gerade sparsam. Erfreulich: die tadellose Serienausstattung.

    Fazit

    Der VW up! bietet viel Platz und ist top bei Fahr- und Sitzkomfort. Der kommode Fiat Panda ist nicht ganz so geräumig und schlechter ausgestattet. Der Toyota Aygo hat einen Mini-Kofferraum, ist laut und schwächelt beim Fahrkomfort. Dafür hält die Garantie drei Jahre länger.