• Auto-Tests
    Ausgabe: Juni 2012
    30.05.2012
    Autor:
    Alexander Fischer I Fotos: Markus Zahradnik

    Suzi, liebe Suzi

    Liebe auf den ersten Blick war’s nicht. Eher Sympathie. Wenige Kilometer später wurden wir Freunde, die Suzuki GSR 750 und ich.

    06_2012_motorrad_suzuki_a © Archiv
    Die Suzuki GSR 750 stellt niemanden auf die Probe: ideal für Beginner, Umsteiger und Aufsteiger.
    Als die GSR 750 da so auf dem Parkplatz stand, ganz in schwarz, neben all den anderen Maschinen, den Reise-Enduros, Nakedbikes und Rollern, da vermochte sie nicht recht herauszuleuchten. Sie glänzte (weil frisch geputzt), hatte aber wenig Ausstrahlung. Und so war der erste Funke, der übersprang, tatsächlich erst der Zünd­funke. Aber sind es nicht sowieso die inneren Werte, auf die es ankommt? Ja eh, und (im konkreten Fall) zum Glück nicht oje. Denn der GSR-Motor rennt bereits im Leerlauf sauber, sanft und ruhig. Das Aggregat stammt übrigens von der Supersportlerin GSX-R 750 ab, man steigt also mit einer gewissen Erwartungshaltung auf.

    So, Gang rein und raus auf die Landstraße. Was nun folgte, war eine Art Teambildungs-Seminar, wir haben uns sozusagen zusammengeschlürft, denn von saufen kann in beiden Fällen nicht die Rede sein. Die Suzuki nippte am Benzin (Verbrauch rund 5 l/100 km), ich in den Pausen am Obi g’spritzt (nicht einmal 0,5 l/100 km). Und je länger die Reise dauerte, desto inniger wurde unsere Freundschaft. Die GSR ist, das wird einem nämlich rasch klar, ein Eisen für alle Fälle. Schaltfaules Dahinbummeln im Stadtverkehr nimmt sie ebensowenig übel wie forsche Kurvenhatz überland. Tendenziell bevorzugen wir beide zwar eher den flotten Stil, auf lange Autobahnetappen haben wir allerdings trotzdem verzichtet – der Windschutz der serienmäßigen, jedoch etwas klein geratenen Lampenverkleidung ist auf Dauer zu wenig.

    Wie ein guter Freund tut die Suzuki zudem nichts, das irritiert oder gar verstört. Die Leistungsentfaltung des Vierzylinders ist wunderbar gleichmäßig, das Fahrwerk federt und dämpft passabel. Berechenbar lässt sich die GSR durch Radien aller Art schwingen. Sie ist kein Handlingwunder, kippt nicht klappmesserartig zur Seite, ist aber auch kein störrischer Bock, der mit viel Nachdruck in die Kurven gezwungen werden will. Ebenso ausgewogen präsentiert sich die Bremse: Verzögert wird solide, das serienmäßige ABS regelt gutmütig. Freilich könnte der Druckpunkt ein wenig knackiger sein, der Blockierschutz noch feinfühliger agieren. So aber stellt die GSR niemanden auf die Probe. Ideal für Beginner, Umsteiger, Aufsteiger.
    Und dann ist da noch der Preis, ein weiteres freundschaftliches Angebot: 9.999 Euro kostet die Suzuki GSR 750 inklusive ABS derzeit. Eine vergleichbare Yamaha FZ8 ist für 10.999 Euro, eine BMW F800R für 10.175 Euro und eine Kawasaki Z750 für 9.699 Euro zu haben (alle inklusive ABS).