ÖAMTC: Blinkmuffel gefährden sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer (+Foto)

"Fehlen der Richtungsanzeige" war 2011 bei mindestens 140 Unfällen mitverantwortlich

Die Kommunikationsmöglichkeiten im Straßenverkehr sind begrenzt. Blinken ist eine davon und sollte gerade deshalb unbedingt praktiziert werden. Das Betätigen des Blinkers – bzw. das Abgeben von Handzeichen bei Radfahrern – trägt wesentlich zur Verkehrssicherheit bei. "Nicht-Blinker provozieren nicht nur den Ärger der anderen Verkehrsteilnehmer, sondern riskieren vor allem schwerwiegende Unfälle", warnt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

In Oberösterreich waren 2011 besonders viele Nicht-Blinker unterwegs

Im Jahr 2011 ereigneten sich laut Statistik Austria 140 Unfälle, bei denen mit hoher Sicherheit fehlendes Blinken unfallrelevant war. Die meisten davon gab es in Oberösterreich (29), Niederösterreich (21), der Steiermark (20), Tirol (19), Wien (14), Vorarlberg und Salzburg (11), Kärnten (9) und dem Burgenland (6). Gerade bei diesem Fehlverhalten ist die Beweisführung im Nachhinein jedoch besonders schwierig.
Aber auch andere Unfallursachen hängen indirekt mit fehlendem Blinken zusammen. "Nicht-Blinken bedeutet Kommunikationsverlust. Wenn ein wesentliches Verständigungssignal fehlt, fällt es nachfolgenden Verkehrsteilnehmern schwerer, das eigene Fahrverhalten anzupassen. Abruptes Abbremsen kann oft die Folge sein und zum Unfall führen", erklärt die ÖAMTC-Expertin. 2011 gab es in Österreich 3.673 Unfälle, die durch jähes Abbremsen verursacht wurden. Die meisten davon ereigneten sich in Oberösterreich (625). Es folgen die Bundesländer Steiermark (610), Niederösterreich (599), Tirol (548), Salzburg (438), Wien (320), Kärnten (273), Vorarlberg (202) und das Burgenland (58).
Beim Fahrstreifenwechsel kam es im Jahr 2011 zu 890 Unfällen. "Auch hier ist oft – neben ungenügendem 3-S-Blick – fehlendes Blinken mitausschlaggebend", sagt die Clubexpertin. 240 Mal kam es in Wien zu einem Unfall beim Fahrstreifenwechsel, 142 Mal in Niederösterreich, 133 Mal in der Steiermark, 132 Mal in Oberösterreich, 93 Mal in Salzburg, 76 Mal in Tirol, 36 Mal in Kärnten, 29 Mal in Vorarlberg und 9 Mal im Burgenland.

Oft wird durch Ablenkung aufs Blinken vergessen

Die Gründe, weshalb nicht geblinkt wird, sind vielfältig: Viele Personen sind abgelenkt und unaufmerksam und vergessen deshalb zu blinken. Ein anderer Teil der Lenker hält Blinken schlicht für unnötig. Ein großes Problem sind auch verschmutzte, kaputte bzw. von vornherein schlecht erkennbare Blinklichter. Die Fahrzeugindustrie ist in diesem Zusammenhang gefordert: "Beim Design der Blinklichter ist nicht nur auf optische, sondern vor allem auch auf sicherheitsrelevante Merkmale zu achten", sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

Richtiges Blinken will gelernt sein

Neben den notorischen Nicht-Blinkern gibt es allerdings auch viele Lenker, die zu kurz blinken. Ein einziges Blinksignal kann leicht übersehen werden. Man muss den anderen Verkehrsteilnehmern ausreichend Zeit lassen, sich auf den geplanten Richtungswechsel einzustellen. Derartige Alibi-Blinker sind genauso gefährlich wie Nicht-Blinker. Außerdem muss man sich durch den 3-S-Blick immer vergewissern, dass ein gefahrloser Spurwechsel möglich ist. "Blinken alleine ist kein Freibrief zum prompten Richtungswechsel. Bezüglich der zeitgerecht und gut erkennbaren Handzeichen zum Abbiegen, gibt es auch bei Radfahrern noch Verbesserungspotenzial", merkt die ÖAMTC-Expertin abschließend an.
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