Das fängt ja gut an. Im Landeanflug auf Marrakesch gibt der Pilot plötzlich noch einmal Schub, wir entfernen uns von der Stadt und kreisen eine halbe Stunde über den nördlichen Ausläufern des Hoher-Atlas-Gebirges. Den Grund für die unerwartete Verzögerung erfahren wir erst nach der Landung: Die Mutter des marokkanischen Königs war mit dem Familien-Airbus unterwegs und hatte es wohl eilig. Da wird der Luftraum kurzerhand großräumig gesperrt und das weniger royale Flugvolk hat brav zu warten, bis Ihre Hoheit wieder heimatlichen Boden unter den Füßen hat. Willkommen in Marokko – einem Land, das vom europäischen Festland nur durch die Meeresenge von Gibraltar getrennt, vom Gefühl her aber sehr, sehr viel weiter entfernt ist.
Eine Stunde zuvor haben wir Tanger überflogen – jene Küstenstadt im Norden des Landes, in deren Nähe seit kurzem eine neue Automobil-Fabrik steht, die der Renault-Nissan-Allianz gehört und in der 6.000 Mitarbeiter demnächst bis zu 400.000 Fahrzeuge jährlich produzieren werden – als erste Auto-Produktionsstätte der Welt nahezu CO2-neutral und ohne Ableitung von Industriegewässern.
Die Gnade der frühen Geburt wird hier dem Dacia Lodgy zuteil. Vieles hat man schon gehört vom Kompaktvan der rumänischen Renault-Tochter, wegen dem die Bänder in Tanger derzeit auf Hochtouren laufen: Ein Raumwunder soll er sein. Trotz sieben vollwertigen Sitzplätzen unter 10.000 Euro kosten. Und dabei nicht billig wirken.
Gleich vorweg: Das ist alles fast wahr. Wenn die ersten Lodgys im Juni bei den österreichischen Händlern stehen, werden sie tatsächlich ab 9.990 Euro kosten. Das ist dann allerdings die nackte Basisversion mit 82-PS-Einstiegsbenziner, die nur fünf Sitze an Bord hat. Und ohne Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder Radio auskommen muss. Sogar die Vorverkabelung für die Lautsprecher wird eingespart. Sieben Sitze gibt es erst ab der zweithöchsten Ausstattungsstufe, die ab 11.680 Euro noch immer eine Okkasion ist. Und um gleich die beliebte Stammtisch-Frage zu beantworten, was der teuerste Lodgy kosten wird: ab 15.980 Euro. Inklusive kräftigem 107-PS-Diesel aus dem Renault-Regal, Sechsgang-Getriebe, Klimaanlage und – man höre und staune – Lautsprecher-Vorverkabelung. Ein Radio gibt es nämlich auch in der höchsten (Lauréate-)Ausstattung nur gegen 237 Euro Aufpreis. Wer stattdessen gleich 450 Euro investiert, bekommt zusätzlich zum Radio das wirklich gute, weil intuitiv bedienbare „Media Nav“-Touchscreen-System mit Navigation und Bluetooth. Kleines Manko: der Bildschirm ist relativ tief platziert und mit Sonnenbrillen nur schwer abzulesen. Thema Sicherheit: ESP ist schon im günstigsten Lodgy serienmäßig an Bord (das war bei Dacia nicht immer so), nur vier Airbags und Trommelbremsen an der Hinterachse sind aber nicht mehr zeitgemäß. Dennoch muss man sich vor Augen halten: Um den Preis des günstigsten VW Touran (23.890 Euro) bekommt man einen gut ausgestatten Dacia Lodgy – plus einen Basis-Lodgy dazu.
Nachmittags in Marrakesch. Die Sonne brennt auf die rot getünchten Häuser, es ist unfassbar laut und das Geruchs-Spektrum reicht von A wie Abgase bis Z wie Zimt. Links überholt uns ein betagter Bus hupend in einer nicht vorhandenen dritten Spur mitten in den Gegenverkehr hinein, rechts düsen Mopeds in atemberaubender Nähe zum Außenspiegel vorbei, rote Ampeln werden als Empfehlung verstanden, Bodenmarkierungen gibt es nicht und Fußgänger überqueren die Straße flott, dafür aber ohne Ankündigung. Kinder am Straßenrand winken, dazwischen üben Fahrschüler in alten Peugeot 205 die einzige Verkehrsregel („Tu, was Du willst“) und wuseln Legionen von rußenden 240er-Mercedes-Taxis herum, deren Reifen das letzte mal runderneuert wurden, als Falco mit „Rock Me Amadeus“ einen Welthit landete. Wir schwitzen ein wenig.
Als rein nach praktischen Gesichtspunkten konzipiertes Auto macht der Lodgy im marokkanischen Verkehrsgewühl eine gute Figur. Die Rundumsicht ist hervorragend, aufgrund der großen Fensterflächen und schlanken Säulen entstehen keine toten Winkel, der Wendekreis ist kleiner als jener des VW Touran. Trotz beachtlichen viereinhalb Metern Außenlänge lässt sich der Lodgy herumzirkeln wie ein kleiner Kompakter. Störend: Irgendwie findet man keine gute Sitzposition – die Fahrersitz-Höhenverstellung ist mühsam zu bedienen, das Lenkrad lässt sich nicht in der Länge justieren und die Sitze selbst sind mit ihrer kurzen Auflage und wenig Seitenhalt eher ungemütlich.
Seinen größten Trumpf spielt der Lodgy dennoch im Innenraum aus: Alle sieben Sitze sind vollwertig, das heißt, man kann (im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten) auch in der dritten Reihe als Erwachsener annehmbar reisen (für die Kleinen gibt es dreimal Isofix). Reihe zwei und drei lassen sich jeweils umklappen (Lehne) oder komplett kippen (Bank), die hinterste, nur 18 Kilo schwere Bank kann auch ganz ausgebaut werden. Übrig bleibt im Extremfall ein Schlund von 2.617 Liter Ladevolumen – mehr Platz und Variabilität um diesen Preis gibt es derzeit nirgendwo. Außerdem gut: niedrige Ladekante, zahlreiche praktische Ablagen.
Tipp für Benziner-Freunde: das zum Markstart im Juni erhältliche 1,6-Liter-82-PS-Aggregat ist ein rauer und durstiger Zeitgenosse (7,1 Liter), man wartet deshalb vielleicht besser auf den im Herbst folgenden 1,2-Liter-Turbobenziner mit 115 PS, der sich nur 5,8 Liter gönnt (allerdings an einem eklatanten Turboloch leidet). Die Diesel-Palette umfasst zwei 1,5-Liter-Motoren (90 PS/Fünfgang/4,2 Liter Verbrauch und 107 PS/Sechsgang/4,4 Liter Verbrauch), von denen der schwächere völlig ausreicht. Eine Automatik-Option gibt es nicht.
Sonnenaufgang in Marrakesch: Ein Muezzin startet das Morgengebet mit den berühmten Worten „Allahu akbar“ – in ohrenbetäubender Lautstärke über die Lautsprecher des nächst gelegenen Minaretts. Seine Kollegen in der Umgebung beginnen zeitgleich. Weil deren Schall aber zeitversetzt ans eigene Ohr dringt, klingt das Ganze akustisch wie ein Motorrad-Rennen in vollem Gange. Beeindruckend. Wir drehen den Zündschlüssel, kontern mit kaum wahrnehmbarem Diesel-Nageln und machen uns wieder auf den Weg.
Das erste tiefe Schlagloch von den tausend, die im marokkanischen Hinterland noch folgen werden, schluckt der Lodgy gelassen. Wir fahren auf Straßen, die man aus europäischer Sicht nicht für befahrbar hielte (Teile der Westautobahn einmal ausgenommen). Generell ist das Fahrwerk erwachsener als erwartet: eine gute Mischung aus straff und komfortabel, die passend direkte Lenkung tut das ihre dazu. Man fühlt sich wohl beim Fahren, der Lodgy ist auf der Straße genau das, wozu er gebaut wurde: ein robustes Auto ohne Überraschungen fürs kleine Geldbörsl. Und genau deshalb heutzutage eine Ausnahmeerscheinung: Kein SUV, der auf Geländewagen macht, kein Kleinwagen, der groß sein will – die Blech gewordene Ehrlichkeit.
Eine Stunde zuvor haben wir Tanger überflogen – jene Küstenstadt im Norden des Landes, in deren Nähe seit kurzem eine neue Automobil-Fabrik steht, die der Renault-Nissan-Allianz gehört und in der 6.000 Mitarbeiter demnächst bis zu 400.000 Fahrzeuge jährlich produzieren werden – als erste Auto-Produktionsstätte der Welt nahezu CO2-neutral und ohne Ableitung von Industriegewässern.
Die Gnade der frühen Geburt wird hier dem Dacia Lodgy zuteil. Vieles hat man schon gehört vom Kompaktvan der rumänischen Renault-Tochter, wegen dem die Bänder in Tanger derzeit auf Hochtouren laufen: Ein Raumwunder soll er sein. Trotz sieben vollwertigen Sitzplätzen unter 10.000 Euro kosten. Und dabei nicht billig wirken.
Gleich vorweg: Das ist alles fast wahr. Wenn die ersten Lodgys im Juni bei den österreichischen Händlern stehen, werden sie tatsächlich ab 9.990 Euro kosten. Das ist dann allerdings die nackte Basisversion mit 82-PS-Einstiegsbenziner, die nur fünf Sitze an Bord hat. Und ohne Klimaanlage, elektrische Fensterheber oder Radio auskommen muss. Sogar die Vorverkabelung für die Lautsprecher wird eingespart. Sieben Sitze gibt es erst ab der zweithöchsten Ausstattungsstufe, die ab 11.680 Euro noch immer eine Okkasion ist. Und um gleich die beliebte Stammtisch-Frage zu beantworten, was der teuerste Lodgy kosten wird: ab 15.980 Euro. Inklusive kräftigem 107-PS-Diesel aus dem Renault-Regal, Sechsgang-Getriebe, Klimaanlage und – man höre und staune – Lautsprecher-Vorverkabelung. Ein Radio gibt es nämlich auch in der höchsten (Lauréate-)Ausstattung nur gegen 237 Euro Aufpreis. Wer stattdessen gleich 450 Euro investiert, bekommt zusätzlich zum Radio das wirklich gute, weil intuitiv bedienbare „Media Nav“-Touchscreen-System mit Navigation und Bluetooth. Kleines Manko: der Bildschirm ist relativ tief platziert und mit Sonnenbrillen nur schwer abzulesen. Thema Sicherheit: ESP ist schon im günstigsten Lodgy serienmäßig an Bord (das war bei Dacia nicht immer so), nur vier Airbags und Trommelbremsen an der Hinterachse sind aber nicht mehr zeitgemäß. Dennoch muss man sich vor Augen halten: Um den Preis des günstigsten VW Touran (23.890 Euro) bekommt man einen gut ausgestatten Dacia Lodgy – plus einen Basis-Lodgy dazu.
Nachmittags in Marrakesch. Die Sonne brennt auf die rot getünchten Häuser, es ist unfassbar laut und das Geruchs-Spektrum reicht von A wie Abgase bis Z wie Zimt. Links überholt uns ein betagter Bus hupend in einer nicht vorhandenen dritten Spur mitten in den Gegenverkehr hinein, rechts düsen Mopeds in atemberaubender Nähe zum Außenspiegel vorbei, rote Ampeln werden als Empfehlung verstanden, Bodenmarkierungen gibt es nicht und Fußgänger überqueren die Straße flott, dafür aber ohne Ankündigung. Kinder am Straßenrand winken, dazwischen üben Fahrschüler in alten Peugeot 205 die einzige Verkehrsregel („Tu, was Du willst“) und wuseln Legionen von rußenden 240er-Mercedes-Taxis herum, deren Reifen das letzte mal runderneuert wurden, als Falco mit „Rock Me Amadeus“ einen Welthit landete. Wir schwitzen ein wenig.
Als rein nach praktischen Gesichtspunkten konzipiertes Auto macht der Lodgy im marokkanischen Verkehrsgewühl eine gute Figur. Die Rundumsicht ist hervorragend, aufgrund der großen Fensterflächen und schlanken Säulen entstehen keine toten Winkel, der Wendekreis ist kleiner als jener des VW Touran. Trotz beachtlichen viereinhalb Metern Außenlänge lässt sich der Lodgy herumzirkeln wie ein kleiner Kompakter. Störend: Irgendwie findet man keine gute Sitzposition – die Fahrersitz-Höhenverstellung ist mühsam zu bedienen, das Lenkrad lässt sich nicht in der Länge justieren und die Sitze selbst sind mit ihrer kurzen Auflage und wenig Seitenhalt eher ungemütlich.
Seinen größten Trumpf spielt der Lodgy dennoch im Innenraum aus: Alle sieben Sitze sind vollwertig, das heißt, man kann (im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten) auch in der dritten Reihe als Erwachsener annehmbar reisen (für die Kleinen gibt es dreimal Isofix). Reihe zwei und drei lassen sich jeweils umklappen (Lehne) oder komplett kippen (Bank), die hinterste, nur 18 Kilo schwere Bank kann auch ganz ausgebaut werden. Übrig bleibt im Extremfall ein Schlund von 2.617 Liter Ladevolumen – mehr Platz und Variabilität um diesen Preis gibt es derzeit nirgendwo. Außerdem gut: niedrige Ladekante, zahlreiche praktische Ablagen.
Tipp für Benziner-Freunde: das zum Markstart im Juni erhältliche 1,6-Liter-82-PS-Aggregat ist ein rauer und durstiger Zeitgenosse (7,1 Liter), man wartet deshalb vielleicht besser auf den im Herbst folgenden 1,2-Liter-Turbobenziner mit 115 PS, der sich nur 5,8 Liter gönnt (allerdings an einem eklatanten Turboloch leidet). Die Diesel-Palette umfasst zwei 1,5-Liter-Motoren (90 PS/Fünfgang/4,2 Liter Verbrauch und 107 PS/Sechsgang/4,4 Liter Verbrauch), von denen der schwächere völlig ausreicht. Eine Automatik-Option gibt es nicht.
Sonnenaufgang in Marrakesch: Ein Muezzin startet das Morgengebet mit den berühmten Worten „Allahu akbar“ – in ohrenbetäubender Lautstärke über die Lautsprecher des nächst gelegenen Minaretts. Seine Kollegen in der Umgebung beginnen zeitgleich. Weil deren Schall aber zeitversetzt ans eigene Ohr dringt, klingt das Ganze akustisch wie ein Motorrad-Rennen in vollem Gange. Beeindruckend. Wir drehen den Zündschlüssel, kontern mit kaum wahrnehmbarem Diesel-Nageln und machen uns wieder auf den Weg.
Das erste tiefe Schlagloch von den tausend, die im marokkanischen Hinterland noch folgen werden, schluckt der Lodgy gelassen. Wir fahren auf Straßen, die man aus europäischer Sicht nicht für befahrbar hielte (Teile der Westautobahn einmal ausgenommen). Generell ist das Fahrwerk erwachsener als erwartet: eine gute Mischung aus straff und komfortabel, die passend direkte Lenkung tut das ihre dazu. Man fühlt sich wohl beim Fahren, der Lodgy ist auf der Straße genau das, wozu er gebaut wurde: ein robustes Auto ohne Überraschungen fürs kleine Geldbörsl. Und genau deshalb heutzutage eine Ausnahmeerscheinung: Kein SUV, der auf Geländewagen macht, kein Kleinwagen, der groß sein will – die Blech gewordene Ehrlichkeit.

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