ÖAMTC: Symposium "Gefahrenquelle Tagesschläfrigkeit" (+ Foto)

Lange Wachzeit, wenig Schlaf und subjektives Müdigkeitsgefühl begünstigen Sekundenschlaf

Gestern lud das Institut für Schlaf-Wach-Forschung (ISWF) in Kooperation mit dem ÖAMTC, der ASFINAG und anderen Partnern zu einem Symposium über die Auswirkungen von Tagesschläfrigkeit auf den Straßenverkehr ein. Bei der Veranstaltung im Festsaal der Gesellschaft der Ärzte wurden unter anderem einige zusätzliche Ergebnisse der großen Nachtfahrtstudie, die 2010 im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf durchgeführt worden ist, präsentiert. "Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass das als 'Sekundenschlaf' bekannte Phänomen sehr individuell auftritt. Eine allgemeine Aussage über die Umstände, unter denen ein Autofahrer plötzlich 'weg' ist, kann nach derzeitigem Stand nicht eindeutig getroffen werden", erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.
Derzeit stehen die Osterferien vor der Tür. Diese Zeit nutzen viele Menschen, um Verwandte und Bekannte zu besuchen. "Gerade vor längeren Autofahrten sollte man sich die Gefahr des Sekundenschlafs wieder bewusst machen. Eine vernünftige Reiseplanung mit ausreichend Pausen hilft, das Risiko zu minimieren", rät Seidenberger.

Sekundenschlaf-Risiko hängt von individuellen Faktoren ab

Es gibt einige Faktoren, die den Sekundenschlaf begünstigen. Mittels GPS-Peilsendern in den Testfahrzeugen wurden bei den Probanden sowohl in der Durchschnittsgeschwindigkeit als auch im Spurverhalten markante Schwankungen festgestellt. "Die Ergebnisse der ebenfalls durchgeführten EEG-Messungen lassen auf einen Zusammenhang zwischen unregelmäßigem Fahrstil, Fahrgeschwindigkeit und Müdigkeit schließen", hält die ÖAMTC-Expertin fest. "Dazu muss man allerdings jeden Testkandidaten individuell betrachten. Sieht man sich die Gesamtgruppe an, gab es kaum Auffälligkeiten." Keinen messbaren Einfluss auf die Müdigkeit haben übrigens Faktoren wie Alter, Geschlecht, Schlafgewohnheiten und Schlafqualität.
Die Auswertung der EEG-Messungen zeigt, dass vor allem lange Wachzeiten vor Fahrtantritt eindeutig zu Ermüdungserscheinungen führen. "Auch die Schlafdauer der vergangenen Nacht spielt eine große Rolle. Je kürzer man geschlafen hat, je länger also die Wachzeit, desto müder und gestresster setzt man sich ins Auto", gibt die ÖAMTC-Expertin zu bedenken. Ebenfalls sehr wichtig ist das subjektive Müdigkeitsgefühl: Fühlt man sich müde, schlapp und leistungsschwach, ist man es meist wirklich. Das zeigen die EEG-Messungen deutlich.

So minimiert man die Gefahr von Sekundenschlaf

* Bereits vor Fahrtantritt sollten Pausen fix eingeplant werden. "Am besten wird die Fahrstrecke so gewählt, dass man nach spätestens eineinhalb bis zwei Stunden die erste Pause einlegen kann", empfiehlt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Man sollte nicht erst dann Pause machen, wenn man bereits müde ist, sondern die geplanten Fahrtunterbrechungen strikt einhalten.
* Die Abfahrtszeit sollte ja nach eigenem "Chronotyp" (Abend- oder Morgenmensch) festgelegt werden.
* Insbesondere Nachtfahrten sollte man nur ausgeruht starten. "Wer vor der Abfahrt bereits lange wach ist, geht ein hohes Risiko ein. Man sollte also unbedingt für ausreichend Schlaf vor Reiseantritt sorgen", rät die ÖAMTC-Expertin.
* "Vorschlafen" ist möglich, indem man eine Woche vor Abreise täglich eine halbe Stunde früher ins Bett geht. Damit erhält man vor der geplanten Nachtfahrt möglichst viel Schlaf.
* Selbstbeobachtung während der Fahrt: "Driften die Gedanken ab und treten Tagträume auf, sind das bereits erste Alarmsignale", erklärt die ÖAMTC-Expertin. "Auch wenn man sich nur schwer oder gar nicht an die gerade zurückgelegte Strecke erinnern kann, sollte man besser sofort eine Pause einlegen." Weitere Vorboten sind unruhiges Sitzen, ein allgemeines Stimmungstief und Antriebslosigkeit.
* Beobachtung durch den Beifahrer: Ist man nicht allein im Auto, kann der Beifahrer das Risiko von Sekundenschlaf durch genaue Beobachtung minimieren. Zeigen sich beim Fahrer Ermüdungserscheinungen, kann der "Copilot" eine Pause anregen, den Fahrer "aktivieren" oder sogar an einer Raststätte das Steuer übernehmen.
* Powernap: Ein kurzer "Kraftschlaf" auf einem Rastplatz kann das Wohlbefinden steigern. "Länger als 20 Minuten sollte man aber nicht 'nappen'. Daher unbedingt den Wecker stellen", sagt die ÖAMTC-Expertin abschließend.
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