ÖAMTC: Alkohol am Steuer wird nach wie vor unterschätzt, Teil 2 (+ Foto, + Video)

1,4 Millionen Alkomaten- und Alkovortests, 40.234 Anzeigen sowie 19.332 Führerscheinabnahmen im Vorjahr

"Alkohol am Steuer ist kein Kavaliersdelikt, sondern nach wie vor ein großer Risikofaktor im Straßenverkehr", erinnert ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger anlässlich des 25. Jahrestags der Alkomat-Verordnung. Die Unfallzahlen mit alkoholisierten Beteiligten sprechen leider eine deutliche Sprache. Im Vorjahr gab es bis November laut Statistik Austria 48 Todesopfer bei Alko-Unfällen, das sind um 15 mehr als 2010. Heuer kamen seit Jahresbeginn bereits fünf Menschen bei Unfällen mit alkoholisierten Beteiligten ums Leben (Quelle: BMI). "Der Großteil der Unfälle wird von jungen, männlichen Lenkern verursacht. Bei einem Drittel aller Unfälle unter Alkoholeinfluss sind die Fahrer zwischen 15 und 24 Jahre alt", berichtet die ÖAMTC-Expertin.
Eine gewisse Bewusstseinsbildung ist trotz dieser ernüchternden Bilanz zu beobachten. 1987, im Jahr der Einführung der Alkomat-Verordnung, führte die Exekutive 40.979 Alkotests durch, 26.718 Führerscheine wurden "einkassiert". "Im Vorjahr wurden laut BMI bereits 1.418.363 Alkomaten- und Alkovortests durchgeführt. Im Zuge der Kontrollen wurden 19.332 Führerscheine abgenommen und 40.234 Fahrzeuglenker aufgrund von Alkoholdelikten angezeigt", fasst die ÖAMTC-Verkehrspsychologin zusammen. Trotz höherer Kontrolldichte mussten also weniger Lenker den Schein abgeben, als vor 25 Jahren. Maßnahmen wie die 0,5-Promille-Grenze, 0,1 Promille für Probeführerscheinbesitzer, die Mehrphasenausbildung, der Einsatz von Alkovortestgeräten und höheren Strafen zeigen demnach Wirkung. Für ÖAMTC-Expertin Seidenberger ist das jedoch zu wenig: "Statistiken über alkoholbedingte Unfälle spiegeln nur einen Bruchteil der tatsächlichen Alkofahrten wider. Da sich Fahrzeuglenker häufig an der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden orientieren, würde eine weitere Erhöhung der Kontrolldichte wesentlich zur Verkehrssicherheit beitragen."

Austricksen des Alkomaten ist nicht möglich, ÖAMTC appelliert an Verantwortungsbewusstsein und Zivilcourage

Rund um den Alkoholtest gibt es eine Vielzahl an Mythen und vermeintlichen Weisheiten. Insbesondere in verschiedenen Online-Foren geistern seit Jahren Tipps herum, die angeblich ein Austricksen des Vortestgerätes bzw. des Alkomaten ermöglichen. Die Realität sieht freilich anders aus: "Weder koffeinhaltige Getränke noch Zigaretten oder Knoblauch haben einen nachweisbaren Einfluss auf den Alkotest. Dass man nach dem Genuss einer alkoholgefüllten Praline den zulässigen Promillewert überschreitet, ist ebenfalls eine Legende. Auch das Lutschen von scharfen Pfefferminz-Bonbons hat keinerlei Promille-senkende Auswirkungen", hält die ÖAMTC-Verkehrspsychologin fest.
Insbesondere im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer ist sowohl bei Lenkern als auch bei Mitfahrenden, Freunden und Passanten Verantwortungsbewusstsein und Zivilcourage gefordert. Damit nach einem lustigen Abend auch auf dem Heimweg alles gut geht, sollten einige grundlegende Verhaltensweisen beachtet werden:
* Wer fährt, trinkt nicht und wer trinkt, fährt nicht. "Es fehlt oft das Bewusstsein, dass bereits kleine Mengen an Alkohol zu Beeinträchtigungen führen können", erklärt die ÖAMTC-Expertin. Ein 'Herantrinken' an die Promillegrenze ist der völlig falsche Weg.
* Nicht wegschauen, wenn sich jemand betrunken hinters Steuer setzt. "Soziale Kontrolle ist erforderlich, um Alko-Lenker vom Fahren abzuhalten", bekräftigt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Auch wenn der Betroffene beteuert, er könne noch fahren, muss man ihn unbedingt daran hindern und ihm notfalls den Schlüssel wegnehmen.
* Keinesfalls zu einem alkoholisierten Lenker ins Auto steigen. Auch bei einem ansonsten sicheren Autofahrer sollte man als Mitfahrer die Notbremse ziehen und "Nein" sagen.
* Nicht unterschätzen sollte man auch den 'Morgen danach'. Auch wer sich nüchtern fühlt, kann noch Bestände von Restalkohol im Körper haben. "Generell gilt für alle Kraftfahrer: Wer Alkohol trinkt, fährt nicht. Dann ist man immer auf der sicheren Seite", appelliert ÖAMTC-Verkehrspsychologin Seidenberger abschließend.
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