05.12.2011

Fahrbericht: Neuer Honda Civic

Die ersten Kilometer im erfrischten Japaner.

Fotostrecke

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Klassenprimus punkto Kofferraumvolumen, Verwandlungskünstler in Fond und Heck, keilförmige Design-Ikone innen wie außen – der neue Honda Civic hat in neunter Modellgeneration mehr denn je zu bieten. Da wäre etwa das überarbeitete 2,2 l Diesel-Aggregat mit einer rekordverdächtigen Kombination aus Leistung und Sparsamkeit: 150 PS und 350 Nm stehen einem CO2-Ausstoß von nur 110 g pro Kilometer gegenüber. Christoph Rust, Österreicher und oberster europäischer Honda-Barde, unterstreicht: „Kein anderer gleichstarke Diesel braucht so wenig Sprit und stößt so wenig CO2 aus, und kein anderer gleich sparsame und gleich umweltfreundliche Dieselmotor ist auch nur annähernd so kräftig.“ Was den smarten Pressesprecher noch alles an der neuen, mittlerweile neunten, Civic-Generation so begeistert, kann man freilich am besten beurteilen, wenn man dem Auto in natura näher kommt.

Äußerlich hat sich nur auf den ersten Blick kaum was verändert: Die Silhouette ist annähernd gleich geblieben, der Heckspoiler läuft immer noch quer über die Heckscheibe (spannt sich aber jetzt elegant von der linken zur rechten Leuchten-Einheit), und die schmalen Scheinwerfer prägen weiterhin das Civic-Antlitz. Dabei sind aber die Linien weicher, weniger akzentuiert und für konservative Gemüter gewiss auch bekömmlicher geworden. Der Neue will – und soll wohl – gefallen.

Ganz besonders merkt man das im Innenraum. Die Instrumente – beim Vorgänger geradezu provokant futuristisch – sind jetzt ordentlich und übersichtlich im Blickfeld des Lenkers gruppiert, alle Hebel perfekt in Griffweite. Zugleich bleiben die Schalter, Tasten und Knöpfe zur Bedienung von Klima, Lüftung, Navigation und Audioanlage auch für den Beifahrer leicht zu erreichen. Trotz der offenkundigen Abkehr vom „Raumschiff Enterprise“ wirken die neuen Civic-Armaturen immer noch innovativ und alles andere als fad. Verspielte Naturen können sogar das Familienfoto elektronisch auf dem Display des Bordcomputers platzieren.

Handfeste Vorteile bringt das Raumkonzept des Civic. Wie schon bisher gibt es weiterhin die intelligente Fondsitz-Mechanik, die mit einem Handgriff einen absolut planen Kofferraumboden zaubert oder mit Kinosessel-artig hochgeklappten Sitzflächen Platz für hohes Ladegut schafft. Zugleich rühmt Christoph Rust den Neuen als Klassenprimus in Bezug aufs Ladevolumen: „Mit 477 Liter im Minimum übertrifft der Civic den nächstbesten Konkurrenten um mehr als ein Viertel. Und der Maximalwert von fast 1,4 Kubikmeter wird oft erst von echten Kombis übertroffen.“ Tatsache: Der Civic schluckt Unmengen von Gepäck und ist so trotz schnittiger Coupé-Form unbestritten ein funktioneller Familienfreund.

Dass man obendrein auch noch allerhand Spaß haben kann, zeigt sich speziell auf kurvenreichen Straßen. Diverse kleine, feine Eingriffe haben neben noch präziserem Lenkverhalten und höherer Spurtreue bei Autobahntempo auch ein Plus an Fahrkomfort und ein Minus an Geräuschbelastung gebracht. Zugleich fällt die Sechsgangschaltung durch enorme Leichtgängigkeit und Präzision auf – vielleicht auch, weil der kurze Hebel nur eine Spanne weit neben dem Lenkrad optimal zur Hand liegt.

Drei Motorvarianten stehen Mitte April nächsten Jahres beim Verkaufsstart des neuen Civic zur Auswahl: Der 1,4 l Benziner hat 100 PS, einen Misch-Normverbrauch von 5,4 l Eurosuper je 100 km und einen CO2-Ausstoß von 128 g/km. In Basisausstattung wird er 17.990 Euro kosten. Mit 1,8 l Hubraum und 142 PS bekommt man die Option auf das Sechsgang-Getriebe oder eine Fünfstufen-Automatik. Hier liegt der Verbrauchswert bei 5,8 bzw. 6,3 l und der CO2-Ausstoß beträgt mindestens 136 g. Die Preisspanne beginnt hier bei 19.990 Euro. Damit der vorerst einzige Diesel in der Civic-Familie (ab 21.990 Euro) wirklich ein Erfolg wird, haben die Techniker an jedem verfügbaren Schrauberl gedreht. Fazit: Er hat 150 PS, mit 350 Nm genau doppelt so viel Drehmoment wie der 1800er-Benziner und schafft dabei 4,2 l Durchschnittsverbrauch und 110 g CO2 je Kilometer. Christoph Rust: „Dazu waren sogar umfangreiche Windkanaltests und Strömungstricks notwendig, die nur beim Dieselmodell eingesetzt werden.“ Das Ergebnis sind aber nicht nur beachtliche Zahlen im Datenblatt, sondern auch eine auffallend harmonische Kraftentfaltung, entschlossener Durchzug in allen Drehzahlbereichen und Fahrleistungen, die sogar einem verwöhnten, temperamentvollen Chauffeur viel Freude machen. Wer da noch ein weiteres Argument braucht, kann natürlich ins Treffen führen, dass der Diesel von allen neuen Civics die kürzesten Überholwege hat.

Damit sich der neue Civic mit der Konkurrenz aus dem Premium-Segment anlegen kann, kriegt er schon ab der Basisausstattung allerhand Erstrebenswertes mit: etwa Stopp-Start-Automatik, Bordcomputer, Berganfahrhilfe und die intelligente Sitzmechanik im Fond. Stufe für Stufe kommen in der Comfort-, der Sport- und schließlich in der Executive-Ausstattung noch Klimaautomatik, Alarmanlage, Rückfahrkamera, Tempomat, Licht- und Regensensor, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Einparksensor, Xenonlicht sowie letztlich Nobel-Goodies à la Lederausstattung und Panoramadach dazu. Dass das aber erst der Anfang ist, lässt Honda-Österreich-Geschäftsführer Roland Berger auf einen neuen Civic-Höhenflug hoffen: „In den achteinhalb Monaten ab Verkaufsstart sollen es 1.100 Autos werden. Mit weiteren Motor- und Karosserievarianten sollten sich bis 2014 pro Jahr an die 1.800 Käufer für einen neuen Civic entscheiden.“  Nach den von Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe verschuldeten schweren Rückschlägen soll der Civic wieder die Wende zum Positiven einleiten.