Er wirkt unzerstörbar, unverwundbar, fast wie ein junger Siegfried. Die Drachen, die er immer wieder besiegen muss, heißen Alonso, Hamilton, Button und Webber. Den sagenhaften Schatz – den WM-Titel – hat er im Vorjahr gewonnen, im letzten Rennen in Abu Dhabi, nach einer emotionalen Achterbahnfahrt aus sensationellen Triumphen, entnervenden Ausfällen und frustrierenden Niederlagen. Der Titel hat ihn locker gemacht, gestärkt. Und er will mehr – vielleicht noch sieben weitere. Wenn ihn nicht vorher ein siegeshungriger Hagen ausbremst.
Sebastian, du gewinnst Monaco und zwei Tage später bist du in Österreich auf einer Verkehrssicherheits-Veranstaltung, verteilst Warnwesten am Autobahn-Rastplatz. Wirst du nie müde?
Vettel: Natürlich kostet so ein Rennwochenende, speziell in Monaco, sehr viel Kraft, aber es kommt auch immer darauf an, wie man solche Situationen annimmt. Wenn man gewinnt, so wie ich heuer, bekommt man energetisch sofort das volle Feedback. Dass ich zwei Tage später bei euch in Teesdorf bei der eSafety Challenge war und danach an der Autobahn stand, war lange ausgemacht. Ich teile mir meine Kräfte sehr genau ein. Da gibt es die Rennen, die Tests, aber eben auch andere Termine, die zum Geschäft dazugehören. So lange ich das Gefühl habe, das pack ich, das passt mir gut, so lange hab ich kein Problem damit.
Paul di Resta jammert über Stress, Lewis Hamiltons PR-Termine wurden reduziert. Ist Burn-out-Syndrom für euch ein Thema?
Vettel: Es ist schon ein Thema, aber ein individuelles. Jeder muss wissen, wieviel er zu geben bereit ist. Was für den einen Fahrer okay ist, ist für den anderen vielleicht schon zu viel. Es gibt manche, die sagen: Trainieren muss ich nicht, da glaub’ ich nicht dran. Und dann gibt’s andere, die sagen: Ich brauch’ Zeit für mich, daheim mit meiner Familie, mit meinen Freunden. Und ich will noch mehr trainieren. Letztere können klarerweise dann nicht so viele Termine wahrnehmen. Es ist auch eine Sache der Intelligenz.
Von der Weltmeisterschaft träumt wohl jedes Kind, das irgendwo auf der Welt in einem Kart fährt. Damit ist sicher auch dein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen?
Vettel: Klar, da ist eine Blase geplatzt. Und ja, ich lebe meinen Traum. Ich blicke zwar nicht jeden Morgen nach dem Aufstehen nach Abu Dhabi zurück und denk’ mir: Mensch, fantastisch! Aber ich fühle, gerade weil es so ein großes Ziel war, eine tiefe Zufriedenheit. Allein das Bewusstsein, dass man es sich selbst bewiesen hat, dass man es kann, ist befreiend. Aber das schönste Gefühl ist: Diesen Titel kann mir keiner mehr wegnehmen.
Ist der Gewinn der Formel 1-Weltmeisterschaft nicht wie die Besteigung des Mount Everest – es gibt nichts Höheres, man kann ihn vielleicht achtmal besteigen, aber es bleibt immer der Everest?
Vettel: Ich bin kein Bergsteiger, aber bleiben wir bei dem Beispiel: Wenn der Mount Everest der höchste und am schwierigsten zu ersteigende Berg wäre, dann kann es gut sein, dass mir die anderen Berge nicht mehr die Erfüllung geben. Und daher würde ich den Everest immer wieder versuchen. Und vielleicht würde ich ihn sogar achtmal schaffen (lacht).
Normalerweise trägt man so hohe Ziele Jahre mit sich herum. Wie schwierig ist es, sich nach einen WM-Titel neue Ziele zu stecken, wie auch immer die aussehen mögen?
Vettel: Das fiel mir nicht schwer. Ein Punkt ist, dass es in der Formel 1 jede Saison bei Null losgeht. Also rein rechnerisch hat jeder am Anfang die gleichen Chancen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Darauf arbeitet jeder hin. Ich hab mich total gefreut, wieder im Auto zu sitzen, es macht mir Spass. Es ist nach wie vor noch eine Herausforderung. Ich sag’ ja nicht, jetzt bin ich Weltmeister, was wollt ihr noch, ich bin sowieso der Beste. Der Respekt vor der Konkurrenz ist immer da. Um am Ende wieder Weltmeister zu werden, da muss vieles zusammen laufen, das ist extrem schwer. Aber genau da will ich wieder hin, das ist mein Ziel.
Gibt’s Angebote von anderen Teams?
Vettel: Ich fühl’ mich wohl, wo ich momentan bin. Und ehrlich gesagt, im Moment gibt es auch keine Angebote. Ich bin vertraglich fixiert und könnte mir im Moment auch keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Ich mag auch nicht über Dinge reden, die noch weit weg sind.
Wie sieht das Privatleben eines Formel-1-Weltmeisters aus? Kannst du noch normal in ein Kino oder in ein Restaurant gehen?
Vettel: Natürlich gehe ich weg. Ich werde auch erkannt, viel häufiger als früher, was nicht immer einfach ist. Aber meistens ist es mit einem Foto oder einer Unterschrift getan. Ich hab’ mich dran gewöhnt. Zum Glück wohne ich in der Schweiz, da ist man sehr zurückhaltend.
Dem Fernsehzuschauer wird bei Formel-1-Rennen eine Art Video-Ästhetik vermittelt: Er fährt visuell im Cockpit mit, und alles sieht aus wie ein harmloses Spiel.
Vettel: Harmlos ist es nicht. Obwohl die heutigen Autos enorm sicher sind. Daher gehen wir alle viel öfter ans Limit. Früher wussten die Piloten: Das funktioniert einmal, vielleicht mit einem neuen Satz Reifen zweimal. Wenn nicht, waren sie nie sicher, ob sie nochmals lebend aussteigen würden. Aber Vorsicht! Die Geschwindigkeiten sind heute sehr hoch, vor allem in den Kurven. Da gibt es noch einige Ecken, die Mut und Überwindung verlangen. Ich will nicht sagen, dass Angst mitfährt, aber doch gehöriger Respekt. Jeder Fahrer hat schon irgendwann erfahren müssen, wie es sich anfühlt, übers Limit zu gehen und abzufliegen. So einen Unfall vergisst man nie. Ehrlich gesagt, ich will mich gar nicht reindenken, wie es früher war, als am Ende der Saison drei oder vier Kollegen nicht mehr da waren.
Können sich die Fahrer heute noch leisten, so zu leben wie in den Siebzigern?
Vettel: Nein, das ist aber in allen Sportarten so. Ich denke an die Schifahrer oder Tennisspieler, die waren in den Siebzigern auch entspannter unterwegs. Die trafen sich am Abend auf ein paar Bier, ähnlich wie in der Formel 1. Heute kann man sich so einen Lebensstil kaum mehr leisten. Rauchen und saufen ist nicht nur ungesund, es beeinflusst auch die Leistung. Ist man andererseits zu steif, zu programmiert und zu fixiert, dann fehlt die nötige Lockerheit.
Artikulierst du deine Wünsche als Weltmeister deutlicher als früher?
Vettel: Ich stelle an mich selbst hohe Ansprüche und dementsprechend auch ans Team. Ich verlange von den Ingenieuren und Mechanikern, dass sie sich genauso ins Zeug legen wie ich. Ich glaube schon, dass ich viel deutlicher und präziser geworden bin. Und ja, durch den Titel wird mir mehr und aufmerksamer zugehört.
Wie stehst du zum neuen Reglement – ein Fahrer darf einen Knopf drücken, der das Überholen erleichtert, der andere aber nicht?
Vettel: So ist das kein Sport mehr. Dieses DRS-System ist in der Experimentier-Phase und nicht überall effektiv. Mag sein, dass es gut für die Show ist, aber Überholen sollte durch das Können des Fahrers passieren, nicht durch Technik.
Wärst du froh, wenn Mark Webber dein Teamkollege bliebe?
Vettel: Mark und ich sind immer ein heiß diskutiertes Thema. Aber wir ergänzen einander gut. Ich hätte zwar keine Angst vor einem anderen Kollegen, aber so weiß ich, was ich habe. Abseits der Rennstrecke führt jeder sein eigenes Leben. Wir telefonieren nicht privat. Aber das ist nichts Besonderes. Da soll mir mal einer zeigen, ob das bei irgendeinem Formel-1-
Team anders ist.
Sebastian, du gewinnst Monaco und zwei Tage später bist du in Österreich auf einer Verkehrssicherheits-Veranstaltung, verteilst Warnwesten am Autobahn-Rastplatz. Wirst du nie müde?
Vettel: Natürlich kostet so ein Rennwochenende, speziell in Monaco, sehr viel Kraft, aber es kommt auch immer darauf an, wie man solche Situationen annimmt. Wenn man gewinnt, so wie ich heuer, bekommt man energetisch sofort das volle Feedback. Dass ich zwei Tage später bei euch in Teesdorf bei der eSafety Challenge war und danach an der Autobahn stand, war lange ausgemacht. Ich teile mir meine Kräfte sehr genau ein. Da gibt es die Rennen, die Tests, aber eben auch andere Termine, die zum Geschäft dazugehören. So lange ich das Gefühl habe, das pack ich, das passt mir gut, so lange hab ich kein Problem damit.
Paul di Resta jammert über Stress, Lewis Hamiltons PR-Termine wurden reduziert. Ist Burn-out-Syndrom für euch ein Thema?
Vettel: Es ist schon ein Thema, aber ein individuelles. Jeder muss wissen, wieviel er zu geben bereit ist. Was für den einen Fahrer okay ist, ist für den anderen vielleicht schon zu viel. Es gibt manche, die sagen: Trainieren muss ich nicht, da glaub’ ich nicht dran. Und dann gibt’s andere, die sagen: Ich brauch’ Zeit für mich, daheim mit meiner Familie, mit meinen Freunden. Und ich will noch mehr trainieren. Letztere können klarerweise dann nicht so viele Termine wahrnehmen. Es ist auch eine Sache der Intelligenz.
Von der Weltmeisterschaft träumt wohl jedes Kind, das irgendwo auf der Welt in einem Kart fährt. Damit ist sicher auch dein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen?
Vettel: Klar, da ist eine Blase geplatzt. Und ja, ich lebe meinen Traum. Ich blicke zwar nicht jeden Morgen nach dem Aufstehen nach Abu Dhabi zurück und denk’ mir: Mensch, fantastisch! Aber ich fühle, gerade weil es so ein großes Ziel war, eine tiefe Zufriedenheit. Allein das Bewusstsein, dass man es sich selbst bewiesen hat, dass man es kann, ist befreiend. Aber das schönste Gefühl ist: Diesen Titel kann mir keiner mehr wegnehmen.
Ist der Gewinn der Formel 1-Weltmeisterschaft nicht wie die Besteigung des Mount Everest – es gibt nichts Höheres, man kann ihn vielleicht achtmal besteigen, aber es bleibt immer der Everest?
Vettel: Ich bin kein Bergsteiger, aber bleiben wir bei dem Beispiel: Wenn der Mount Everest der höchste und am schwierigsten zu ersteigende Berg wäre, dann kann es gut sein, dass mir die anderen Berge nicht mehr die Erfüllung geben. Und daher würde ich den Everest immer wieder versuchen. Und vielleicht würde ich ihn sogar achtmal schaffen (lacht).
Normalerweise trägt man so hohe Ziele Jahre mit sich herum. Wie schwierig ist es, sich nach einen WM-Titel neue Ziele zu stecken, wie auch immer die aussehen mögen?
Vettel: Das fiel mir nicht schwer. Ein Punkt ist, dass es in der Formel 1 jede Saison bei Null losgeht. Also rein rechnerisch hat jeder am Anfang die gleichen Chancen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Darauf arbeitet jeder hin. Ich hab mich total gefreut, wieder im Auto zu sitzen, es macht mir Spass. Es ist nach wie vor noch eine Herausforderung. Ich sag’ ja nicht, jetzt bin ich Weltmeister, was wollt ihr noch, ich bin sowieso der Beste. Der Respekt vor der Konkurrenz ist immer da. Um am Ende wieder Weltmeister zu werden, da muss vieles zusammen laufen, das ist extrem schwer. Aber genau da will ich wieder hin, das ist mein Ziel.
Gibt’s Angebote von anderen Teams?
Vettel: Ich fühl’ mich wohl, wo ich momentan bin. Und ehrlich gesagt, im Moment gibt es auch keine Angebote. Ich bin vertraglich fixiert und könnte mir im Moment auch keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Ich mag auch nicht über Dinge reden, die noch weit weg sind.
Wie sieht das Privatleben eines Formel-1-Weltmeisters aus? Kannst du noch normal in ein Kino oder in ein Restaurant gehen?
Vettel: Natürlich gehe ich weg. Ich werde auch erkannt, viel häufiger als früher, was nicht immer einfach ist. Aber meistens ist es mit einem Foto oder einer Unterschrift getan. Ich hab’ mich dran gewöhnt. Zum Glück wohne ich in der Schweiz, da ist man sehr zurückhaltend.
Dem Fernsehzuschauer wird bei Formel-1-Rennen eine Art Video-Ästhetik vermittelt: Er fährt visuell im Cockpit mit, und alles sieht aus wie ein harmloses Spiel.
Vettel: Harmlos ist es nicht. Obwohl die heutigen Autos enorm sicher sind. Daher gehen wir alle viel öfter ans Limit. Früher wussten die Piloten: Das funktioniert einmal, vielleicht mit einem neuen Satz Reifen zweimal. Wenn nicht, waren sie nie sicher, ob sie nochmals lebend aussteigen würden. Aber Vorsicht! Die Geschwindigkeiten sind heute sehr hoch, vor allem in den Kurven. Da gibt es noch einige Ecken, die Mut und Überwindung verlangen. Ich will nicht sagen, dass Angst mitfährt, aber doch gehöriger Respekt. Jeder Fahrer hat schon irgendwann erfahren müssen, wie es sich anfühlt, übers Limit zu gehen und abzufliegen. So einen Unfall vergisst man nie. Ehrlich gesagt, ich will mich gar nicht reindenken, wie es früher war, als am Ende der Saison drei oder vier Kollegen nicht mehr da waren.
Können sich die Fahrer heute noch leisten, so zu leben wie in den Siebzigern?
Vettel: Nein, das ist aber in allen Sportarten so. Ich denke an die Schifahrer oder Tennisspieler, die waren in den Siebzigern auch entspannter unterwegs. Die trafen sich am Abend auf ein paar Bier, ähnlich wie in der Formel 1. Heute kann man sich so einen Lebensstil kaum mehr leisten. Rauchen und saufen ist nicht nur ungesund, es beeinflusst auch die Leistung. Ist man andererseits zu steif, zu programmiert und zu fixiert, dann fehlt die nötige Lockerheit.
Artikulierst du deine Wünsche als Weltmeister deutlicher als früher?
Vettel: Ich stelle an mich selbst hohe Ansprüche und dementsprechend auch ans Team. Ich verlange von den Ingenieuren und Mechanikern, dass sie sich genauso ins Zeug legen wie ich. Ich glaube schon, dass ich viel deutlicher und präziser geworden bin. Und ja, durch den Titel wird mir mehr und aufmerksamer zugehört.
Wie stehst du zum neuen Reglement – ein Fahrer darf einen Knopf drücken, der das Überholen erleichtert, der andere aber nicht?
Vettel: So ist das kein Sport mehr. Dieses DRS-System ist in der Experimentier-Phase und nicht überall effektiv. Mag sein, dass es gut für die Show ist, aber Überholen sollte durch das Können des Fahrers passieren, nicht durch Technik.
Wärst du froh, wenn Mark Webber dein Teamkollege bliebe?
Vettel: Mark und ich sind immer ein heiß diskutiertes Thema. Aber wir ergänzen einander gut. Ich hätte zwar keine Angst vor einem anderen Kollegen, aber so weiß ich, was ich habe. Abseits der Rennstrecke führt jeder sein eigenes Leben. Wir telefonieren nicht privat. Aber das ist nichts Besonderes. Da soll mir mal einer zeigen, ob das bei irgendeinem Formel-1-
Team anders ist.



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