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27.07.2011

Pedelecs: Rahmenbruch im Dauertest



Große Mängel bei Bremsen

Ein bisschen Fahrrad, ein bisschen Mofa - Pedelecs (Pedal Electric Cycle) werden immer beliebter. Denn elektromotorische Unterstützung sorgt für Rückenwind beim Fahrradfahren.

Der Motor läuft allerdings nur, solange der Fahrer in die Pedale tritt

Gasgeben ohne zu treten, wie bei einem Mofa, ist bei Pedelecs nicht möglich. "Mit Pedelecs fährt man bis zu 25 km/h schnell. Das birgt natürlich auch Gefahren", sagt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. "Zum einen muss der Fahrer sehr konzentriert sein, zum anderen sind die Fahrrad-Komponenten höheren Belastungen ausgesetzt."

Und dabei offenbaren sich im jüngsten Pedelec-Test des Clubs große Schwächen bei einigen der 12 Testkandidaten. "Schlechte Bremsen und instabile Rahmen waren bei vielen Testbikes ein echtes Problem", kritisiert Kerbl. "Die Spitze des Eisbergs war ein Rahmenbruch im Dauertest."

12 Pedelecs im Test

Getestet wurden insgesamt 12 Pedelecs in den Rubriken Komforträder (tiefer Durchstieg) und Alu-Trekkingräder (28-Zoll-Laufräder und Diamantrahmen).
  • Testergebnis "Nicht genügend": Das Pegasus E-Tour konnte der Dauerbelastung nicht standhalten. Nach 9.740 Kilometern war der Test beendet - Diagnose Rahmenbruch. Damit wurde das Bike im Test auf "Nicht genügend" abgewertet. "Sitzposition, Schaltung und die Antriebsstärke des Motors wären durchaus positiv gewesen", merkt Kerbl an. Beim Pedelec von Ruhrwerk (28" E-Bike) beanstandeten die Tester vor allem die schlechten Bremsen. Außerdem wurden Schadstoffe in den Griffen gefunden. "Der Anbieter hat sowohl bei Griffen als auch bei den Bremsen eine umgehende Nachbesserung angekündigt", sagt der ÖAMTC-Experte.
  • Testergebnis "Genügend": Ebenfalls mit Bremsproblemen unterwegs (Testurteil "bremsen nur ausreichend") - die Pedelecs von KTM (Macina Dual), Kettler (Twin Front NX8) und Giant (Twist Esprit Power).
  • Testergebnis "Befriedigend": Immerhin das ÖAMTC-Urteil "Befriedigend" erreichten in der Gruppe der Komforträder die Pedelecs von Kalkhoff (Pro Connect C8) und Flyer (C8 Premium), in der Gruppe der Trekkingräder die Modelle von Winora (F2) und Prophete (Alu-Rex).
  • Testergebnis "Gut": Die Komforträder Vitality Elite von Kreidler und das Leeds HS von Raleigh sowie das Trekkingrad Diamant Zouma Sport+ verfügen über sehr effektive vollhydraulische Bremsen. "Die mit 'Gut' bewerteten Pedelecs zeigten in keiner Kategorie größere Schwächen", so das Fazit des ÖAMTC-Experten.
     
Die Ergebnisse im Detail

Kein "Sehr gut" im Test

Ein "Sehr gut" vergaben die Tester allerdings nicht. "Nach oben hin ist noch Entwicklungspotenzial", sagt der ÖAMTC-Techniker. Sowohl bei Reichweiten, Ladeakkuzeiten als auch Transportmöglichkeit/Gewicht gibt es viel Aufholbedarf.

Forderungen an die Hersteller

  • Rahmen und Bremsen müssen an die hohen Anforderungen angepasst werden. "Es reicht nicht aus, einen Elektromotor auf gängige Fahrräder zu montieren", stellt der ÖAMTC-Experte klar.
  • Die Steuerung muss so ausgelegt sein, dass der Elektroantrieb sofort unterbricht, wenn man aufhört zu treten. "Wenn der Motor nachläuft, ist das ein großes Sicherheitsrisiko", warnt Kerbl. Bei einigen Pedelecs im Test war dieses Verhalten sehr auffällig.
  • Reichweiten, Ladedauer und Gewicht der Akkus müssen verbessert werden. "50 km Minimalreichweite sollten selbstverständlich sein. Die Ladedauer der Akkus sollte keinesfalls länger als 3,5 Stunden dauern", nennt der ÖAMTC-Experte die Richtwerte.
  • Das Gewicht der Räder muss reduziert werden, damit die Handhabung einfacher wird. "Das Gewicht der Pedelecs im Test reicht von rund 22 kg bis zu 30 kg", weiß Kerbl. "Da wird z. B. das Verstauen in einem Kellerabteil zur echten Herausforderung."
  • Die Griffe müssen schadstofffrei produziert werden.

Beraten lassen und Probe fahren

Konsumenten, die sich ein Pedelec zulegen wollen, rät der ÖAMTC-Experte abschließend: "Gut überlegen, für welche Zwecke man das Pedelec nutzen möchte, beraten lassen, vergleichen und unbedingt Probe fahren." Und natürlich gilt auch für Pedelecfahrer der ÖAMTC-Rat: "Niemals ohne Helm".