Reise-Ratgeber
10.09.2012

Versteckte Gebühren bei Fluglinien

Zehn europäische Airlines und ihre Zusatzgebühren im Vergleich

Was billig scheint, kommt oft teuer: Die Flugnebenkosten der Airlines können den Preis eines Billigfluges kräftig in die Höhe treiben. Aus den Zusatzgebühren für Gepäck, Sitzplatz-Reservierung, Kreditkartenzahlung & Co hat sich ein regelrechter Tarifdschungel entwickelt. Um den Passagieren einen Überblick zu geben, hat die ÖAMTC-Touristik die Zusatzkosten von zehn europäischen Fluglinien ermittelt und miteinander verglichen. Dafür wurde jeweils der Tarif in der klassischen Economy Class von airberlin/Niki, Air France, Alitalia, Austrian Airlines, easyJet, British Airways, Germanwings, InterSky, Lufthansa und Ryanair ausgewählt. Tarife mit Zusatzleistungen, Spezialkonditionen, Bonusprogramme und Sonderangebote wurden nicht berücksichtigt. Ausgenommen von diesem Vergleich sind auch Flughafensteuern und Kerosinzuschläge, da diese meist im Ticketpreis enthalten sind.

Die Zusatzgebühren sind nicht bei jeder Airline auf Anhieb zu finden. Es lohnt sich, einen Blick in das „Kleingedruckte“ zu werfen. Häufig verstecken sich Hinweise nämlich in den seitenlangen Allgemeinen Geschäftsbedingungen, Tarifbestimmungen und FAQ. Den besten Überblick hat man bei Ryanair, Austrian Airlines, Lufthansa und InterSky. Auf den Websites dieser Fluglinien finden sich eigene Übersichtstabellen, die schnell Aufschluss über etwaige Zusatzgebühren geben. Schwieriger und länger gestaltet sich die Suche nach zusätzlichen Kosten auf den Websites von British Airways, Alitalia oder easyJet.
Gepäckgebühren: Extrakosten für jedes Gepäckstück sind derzeit bei easyJet, Germanwings und Ryanair zu bezahlen. Wer seinen Koffer allerdings bereits bei der Online-Buchung voranmeldet, zahlt mitunter deutlich weniger als bei der Anmeldung am Flughafen. So fallen beispielsweise bei Germanwings 10 Euro bei der Online- bzw. Call Center-Buchung an, am Flughafen sind es 20 Euro. Noch drastischer ist der Unterschied bei Ryanair. Für ein Gepäckstück von bis zu 15 kg zahlt man bei der Online-Buchung zwischen 15 und 30 Euro, bei späterer Anmeldung sogar 60 bis 120 Euro. Außerdem ist es ratsam, sich vorab über die erlaubte Anzahl an Koffern sowie über Gewichtsgrenzen zu informieren. Diese variieren zwischen 15 und 23 kg. Beim Handgepäck liegt das maximal zulässige Gewicht zwischen fünf und 23 kg. Während manche Airlines maximal ein Handgepäckstück dulden, erlauben andere eine zusätzliche Hand- oder Laptoptasche. Bei easyJet wird jedes zusätzliche Handgepäckstück als Aufgabegepäck verbucht. Die Gebühr dafür beträgt 30 Euro beim Ceck-In bzw. 50 Euro am Boarding Gate.
Buchungsgebühren: Einige der vom ÖAMTC verglichenen Fluglinien verrechnen bei der Buchung die sogenannte "service charge" – eine Gebühr, deren Höhe sich teilweise nach der Buchungsart richtet. Bei Internetbuchung können je nach Gesellschaft zwischen sechs und 15 Euro anfallen. Wer sein Ticket telefonisch oder am Flughafenschalter bucht, zahlt mitunter sogar bis zu 45 Euro. Lufthansa hat hingegen im Frühjahr 2012 das Serviceentgelt von zehn Euro für Internetbuchungen gestrichen. Bei den meisten Fluggesellschaften haben sich auch Gebühren für die Kreditkartenzahlung eingebürgert. Diese betragen zwischen fünf und 18 Euro. Da es oft keine andere Zahlungsvariante gibt, kann man diesen Gebühren auch kaum entkommen.
Sitzplatzreservierung: Bei einigen Airlines ist es möglich, schon bei der Flugbuchung den Lieblingsplatz zu reservieren. Allerdings ist dieser Service nicht immer kostenlos. Ryanair verlangt dafür beispielsweise zehn Euro, Germanwings acht Euro und InterSky fünf Euro. Gegen ein Entgelt von fünf bis 18 Euro bieten Ryanair und easyJet „bevorzugtes Einsteigen“ für Passagiere ohne Sitzplatzreservierung an. Wer auf diesen Service verzichtet und sich dennoch nicht mit Restplätzen begnügen will, sollte sich bei diesen Fluglinien rechtzeitig zum Boarding begeben. Unter Umständen sitzt man sonst weit vom Reisepartner entfernt.
Stornobedingungen: Gerade bei günstigen Flugtickets erfolgt der Kauf oft lange Zeit vor Reiseantritt. Dementsprechend hoch ist die Chance, dass etwas Unvorhergesehenes passiert und die Buchung storniert werden muss. Bei günstigen Flugtarifen werden die reinen Flugkosten in der Regel nicht rückerstattet. Steuern, Gebühren und die Flugabgabe (Ticketsteuer) fallen hingegen nur an, wenn der Passagier tatsächlich mitfliegt und können daher zurückgefordert werden. Allerdings ist die dafür anfallende Bearbeitungsgebühr oft so hoch, dass praktisch nichts mehr von den bezahlten Taxen übrig bleibt. Kostenlos gibt es die Rückerstattung bei InterSky, Germanwings und easyJet. Besonders ärgerlich ist, dass die Infos zur Rückerstattung der Steuern meist sehr schwer in den Geschäfts- und Beförderungsbedingungen zu finden sind. Auf jeden Fall sollte man sich vor der Buchung eines Fluges eingehend über die Storno- und Umbuchungsmodalitäten informieren. Um die Rückerstattung der Steuern und Gebühren bei Flugstorno zu erleichtern, gibt es auf der Homepage des ÖAMTC ein Musterschreiben. Gemeinsam mit weiteren Infos zum Thema Flugreisen steht das Formular unter www.oeamtc.at/reiseratgeber zum Download bereit.
Service-Hotlines: Viele Fluggesellschaften verdienen sich mit ihren Service-Hotlines ein "Körberlgeld" dazu. Am tiefsten muss man bei Ryanair in die Tasche greifen. Zwischen 0,61 und 1,35 Euro pro Minute zahlt man für einen Telefonanruf. Bei den anderen vom ÖAMTC verglichenen Fluglinien fallen zwischen 0,12 und 0,20 Euro pro Minute an. Auf der Website von easyJet sucht man übrigens vergeblich nach einer Servicenummer für Passagiere.
Bordservice: Wen während eines Fluges mit easyJet, Germanwings oder Ryanair der Hunger oder Durst plagt, muss seinen Geldbeutel zücken. Kostenlose Erfrischungsgetränke und Snacks auf Kurz- oder Mittelstrecken sind bei diesen Airlines nicht im Ticketpreis enthalten. Besondere Vorsicht ist bei der Internetbuchung von Flügen geboten: Manche kostenpflichtigen Zusatzleistungen wie eine Sitzplatzreservierung sind im Online-Formular bereits voreingestellt und müssen deaktiviert werden, wenn man diese nicht wünscht.