Aktuelle Tests
11.05.2011
Autor:
Eppel

Vergleichstest von Notbremsassistenten

Notbremsassistenten gehören zu den wichtigsten Sicherheitselementen im modernen Fahrzeug

Eines der häufigsten Malheure im Straßenverkehr sind Auffahrunfälle. Neben dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP gehören aus diesem Grund Notbremsassistenten zu den wichtigsten aktiven Sicherheitselementen in modernen Fahrzeugen. Der ÖAMTC hat in Zusammenarbeit mit seinen europäischen Partnerclubs sechs mit einem "Advanced Emergency Braking System" (kurz: AEBS) ausgestattete Autos der (oberen) Mittelklasse getestet. Dabei wurde nicht nur überprüft, wie stark die Notbremssysteme die Aufprallgeschwindigkeit auf stehende und sich bewegende Objekte reduzieren können, sondern auch wann und wie effektiv der Fahrer vor einer Kollision gewarnt wird.

"Alle getesteten Notbremsassistenten können die Unfallfolgen durch Auffahrunfälle signifikant senken", fasst ÖAMTC-Experte Friedrich Eppel die Ergebnisse des aufwändigen Vergleichstests zusammen. Dennoch konnte sich nur der Testsieger Volvo V60 die Bestnote "sehr gut" sichern.

Deutliche Unterschiede bei den Produkteigenschaften

Besonders das Unfallvermeidungspotenzial kann beim am besten bewerteten Fahrzeug überzeugen. "Beim Volvo V 60 baut nicht nur die autonome Bremsung kurz vor einer Kollision viel Aufprallenergie ab, bei niedrigen Stadtgeschwindigkeiten kann das City-Safety-System Auffahrunfälle sogar komplett vermeiden", zeigt sich der ÖAMTC-Experte erfreut. Kollisionswarnungen erfolgen früh und effektiv, wenn es keine Reaktion durch den Fahrer gibt, wird eine autonome Notbremsung eingeleitet.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen Mercedes CLS und Audi A7. "Beide Modelle punkten gegenüber dem Testsieger mit einem noch höheren Geschwindigkeitsabbau in Notsituationen", berichtet Eppel. Die Unfallschwere wird damit nochmals deutlich reduziert. Kollisionen können beide Modelle bei autonomen Bremsungen allerdings nie gänzlich verhindern, weswegen sie gegenüber dem Volvo in der Testbewertung das Nachsehen haben. Mercedes und Audi haben für das heurige Jahr die nächsten Ausbaustufen ihrer Notbremsassistenten angekündigt.

Das dritte mit "gut“ beurteilte Fahrzeug, der VW Passat, kann zwar bereits in der aktuellen Version Zusammenstöße mit stehenden Hindernissen vermeiden, allerdings nur bei geringen Geschwindigkeiten. "Nicht überzeugen konnte im Test das Vorwarnsystem bei höherem Tempo. Die Warnungen wurden zu spät oder gar nicht gegeben", konstatiert der ÖAMTC-Experte.

Das Notbremssystem im 5er BMW kann mit der Konkurrenz noch nicht ganz mithalten. Kollisionswarnungen erfolgen zwar immer sehr früh, sind jedoch nicht auffällig genug. "Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, wird eine autonome Teilbremsung eingeleitet, jedoch ist der Geschwindigkeitsabbau geringer als bei den besten Systemen", erläutert Eppel. Hinzu kommt, dass der Assistent stehende Hindernisse überhaupt nicht erkennt.

Wie der BMW wurde auch der Infiniti M37S mit "befriedigend" beurteilt. Bei diesem Fahrzeug tragen uneffektive Kollisionswarnungen, geringer Geschwindigkeitsabbau bei autonomer Notbremsung und die fehlende Zielbremsfunktion negativ zum Ergebnis bei. Wirklich innovativ ist allerdings das intelligente Gaspedal. "Dieses System baut bei zu starker Annäherung an den Vorausfahrenden Gegendruck auf, der den Lenker auf die drohende Gefahr vorbereitet. Eine gute Idee, der lediglich ein wenig Feinabstimmung fehlt", erklärt der ÖAMTC-Techniker.

Trotz der relativ deutlich auseinander gehenden Ergebnisse erhöhen alle Systeme die Sicherheit. "Im Notfall kann jeder abgebaute Stundenkilometer lebensrettend sein", stellt Eppel klar. Selbst eine geringe Abnahme der Kollisionsgeschwindigkeit mit Hilfe eines Assistenten ist erstrebenswert. "Sehr erfreulich ist auch, dass bei keinem Fahrzeug Fehlauslösungen bei den automatisch durch die Systeme ausgelösten Bremsungen festgestellt wurden. Auch die Anzahl der Fehlwarnungen war beschränkt", so der ÖAMTC-Experte.

Notbremsassistenten – auch für geübte Fahrer sinnvoll

"Auffahrunfälle kommen häufig vor, da sich praktisch jeder Autofahrer ab und an in einer Situation befindet, in der er kurz abgelenkt ist und dem Straßenverkehr nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt", gibt Eppel zu bedenken. Auch zu geringer Sicherheitsabstand und das Unterschätzen von Geschwindigkeitsdifferenzen führen oft zu Kollisionen mit teils sehr hohen Anprallgeschwindigkeiten. Vor diesen Gefahren sind auch erfahrene und geübte Lenker nicht gefeit.

Die Notbremsassistenten sollen eingreifen, bevor es zu einem Auffahrunfall kommt. Sie erkennen mittels Radarsensor, Kamera und/oder Laser vorausfahrende Fahrzeuge und warnen den Fahrer bei einer drohenden Kollision. "Reagiert dieser nicht auf die Warnung und ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, leitet das System eine autonome Bremsung ein", erklärt der ÖAMTC-Experte. Dabei wird die Aufprallgeschwindigkeit reduziert oder der Unfall sogar ganz verhindert.

Nicht vergessen werden darf, dass die Systeme trotz modernster Technik nie einen aufmerksamen Fahrer ersetzen können. "Genügend Abstand zum Vorausfahrenden und eine defensive Fahrweise sollten selbstverständlich sein, auch wenn man im Notfall dank der Assistenten vor schweren Unfällen geschützt ist", betont der ÖAMTC-Experte abschließend.