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    02.05.2011
    Autor:
    Christian Stich & Günter Rauecker

    Nobelherbergen

    Der neue Audi A6 drängt vehement in die BMW- und Mercedes-dominierte obere Mittelklasse.

    05 2011 vergleich 4-1 © Archiv
    Business Class. Im Vergleich (v. re n. li.): Audi A6 3,0 TDI multitronic, BMW 525d Aut. und Mercedes E 250 CDI Aut.
    Man spricht deutsch. Die obere Mittelklasse wird seit Jahrzenten von den beiden deutschen Premium-Herstellern BMW und Mercedes dominiert. 2010 wechselten etwas über 2.400 E-Klassen von Mercedes den Besitzer, vom 5er-BMW waren es gut 1.900, Audi setzte rund 1.200 Fahrzeuge ab. Mit dem neuen A6 will man ab sofort aber mehr als nur Dritter im Bunde sein.

    Anders als andere Magazine testen wir nicht die Topmodelle mit Allradantrieb und weit über 250 PS, sondern die bei den Käufern beliebten 204 PS starken Diesel-Versionen mit Hinterrad- oder Frontantrieb wie im Audi.

    AUSSEN & INNEN

    Der neue A6 transferiert die aktuelle Formensprache des Konzerns ab sofort auch in die obere Mittelklasse. Vor allem bei der Rückansicht besteht akute Verwechslungsgefahr sowohl zum kleineren A4 als auch zum Flaggschiff A8. Optisch deutlich eigenständiger und klar abgegrenzt zu den Konzernbrüdern zeigen sich der 5er-BMW und die Mercedes E-Klasse. Das Blechkleid des 5er wirkt sportlich-muskulös, die E-Klasse steht dagegen kantig-elegant da. Kantig geht's auch im Mercedes-Cockpit zur Sache. Das BMW-Interieur strotzt vor Robustheit und ist nach langer Zeit endlich wieder fahrerorientiert angerichtet. Dynamik und Modernität werden im Audi-Cockpit eindeutig am besten kombiniert. In Sachen Verarbeitung bewegen sich alle drei Testkandidaten auf hohem Niveau, Unterschiede sind praktisch nicht auszumachen. Ähnliches gilt für die jeweils hohe Materialqualität. Einzig im A6 findet man beim genauen Hinsehen im unteren Bereich des Armaturenträgers mehr Hartplastik. Beim wichtigen Thema Sitze gibt eindeutig der 5er die Richtung vor. Seine Sessel sind üppig dimensioniert, einfach verstellbar und perfekt konturiert. Ebenfalls kommod, aber mit etwas weniger Seitenhalt: die Sitze im A6. In der E-Klasse stören dagegen die geringe Seitenünterstützung im Rückenbereich sowie die im Vergleich kürzeren Schenkelauflagen vorne und im Fond.

    Im Innenraum sorgen alle drei Kandidaten für eine adä­quate Wohlfühl-Atmosphäre. Erstaunlich: Im Vergleich zu Mittelklasse-Limousinen à la VW Passat, Ford Mondeo & Co. werden Passagiere in dieser deutlich größeren Fahrzeugklasse nicht mit einem entsprechend besseren Platzangebot verwöhnt. Immerhin genießen 5er-Insassen die beste Innenbreite. Bei allen anderen Maßen bewegt man sich auf nahezu identem Niveau. Bei Außenlängen von jeweils rund 4,9 Metern sind auch die einzelnen Kofferräume nicht zu klein geraten: Mehr als 500 Liter schluckt jedes Gepäckabteil. Die Laderäume im Audi A6 und in der Mercedes E-Klasse sind aber aufgrund ihrer niedrigeren Ladekante und der größeren Innenbreite besser nutzbar als der Kofferraum des 5er-BMW. In Sachen Variabilität ist man naturgemäß beschränkt. Immerhin haben alle drei Limousinen getrennt umlegbare Rücksitzlehnen. Serienmäßig gibt's die Erweiterungsmöglichkeit aber nur im A6, im 5er ist sie zumindest im aufpreispflichtigen Österreich-Paket enthalten. E-Klasse-Kunden müssen für dieses Feature generell rund 600 Euro extra zahlen.

    Funktionelle und weitgehend logisch bedienbare Cockpits bieten alle drei Limousinen. Im Mercedes stören - treue Benz-Piloten sprechen von reiner Gewohnheit - nach wie vor der mit zu vielen Funktionen belegte Lenkstockhebel für Licht, Scheibenwischer und Blinker. Zudem besteht Verwechslungsgefahr mit dem knapp darüber liegenden Tempomathebel. Die Tempomat-Bedienung ist allerdings perfekt gelöst. Im 5er sind die Funktionen des i-Drive im Gegensatz zu früher endlich intuitiver. Der Automatik-Wählhebel wirkt dafür etwas filigran und könnte spontaner auf Fahrstufenwechsel reagieren. Mit einer Vielzahl von Tasten und Reglern rund um den Automatik-Wählhebel werden A6-Fahrer konfrontiert. Abgeschreckt müssen sie aber dennoch nicht sein, denn trotz zahlreicher Informationen im Armaturen-Display und im ausklappbaren (Aufpreis-)Navi findet man sich relativ schnell zurecht. Sinnvoll: Die ehemals umständliche Sitzheizungs-Einstellung funktioniert jetzt per Tastendruck.

    FAHREN & SICHERHEIT

    Alle drei Testkandidaten stemmen jeweils exakt 204 PS auf die Kurbelwelle. Die Triebwerke, aus denen die Limousinen ihre Kraft schöpfen, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Audi und BMW verfügen über Dreiliter-Sechszylinder-Diesel, die Zylinder sind beim A6 im V-Stil, beim 5er der Reihe nach angeordnet. Mercedes setzt dagegen auf einen Vierzylinder-Diesel mit lediglich 2,2 Liter Hubraum. Ergebnis: Der BMW besticht mit der besten Laufkultur. Der Audi geht ebenfalls kultiviert zu Werke, allerdings kerniger als das seidenweiche 5er-Triebwerk. Hörbar abgeschlagen, jedoch keineswegs unangenehm im Geräusch: der bei höheren Drehzahlen brummige Drehmoment-Star Mercedes.

    Sortiert werden die Gänge ebenfalls unterschiedlich. Audi setzt auf das stufenlose und nur beim Anfahren träge ansprechende Automatikgetriebe „multitronic“ (in der Allradversion kommt übrigens das harmonischere Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DSG zum Einsatz). Im BMW wechselt eine sanfte und hervorragend abgestufte Achtgang-Automatik die Gänge. Im Mercedes wiederum übernimmt eine länger übersetzte Fünfgang-Automatik – wie im BMW eine konventionelle Wandler-Automatik – das Kommando. Zukünftig kommt auch im E 250 CDI die harmonische und aus den stärkeren Modellen bereits bekannte Siebengang-Automatik zum Zug. Diese war zum Zeitpunkt des Vergleichstests noch nicht verfügbar. Mit dem neuen Getriebe würde der Mercedes seinen Rückstand zum Zweitplatzierten Audi um einiges verringern – niedrigerer Verbrauch (Start-Stopp-System Serie),   etwas bessere Fahrleistungen und ein reduzierter Geräuschpegel des Motors sind die Vorteile des Siebengang-Getriebes. Preislich wird sich übrigens nichts ändern.

    Beim Fahrkomfort liegt die Latte generell hoch. Die weich abgestimmte Mercedes E-Klasse federt am souveränsten, der kaum weniger komfortable 5er BMW jedoch spürbar straffer. Ähnliches gilt für den Audi A6. Er stolpert aber gelegentlich aufgrund seiner großen 19-Zoll-Bereifung über Querfugen. Bei allen drei Kandidaten auf der sicheren Seite: das gutmütige und tückenfreie Fahrverhalten. Der überaus agile Audi lässt sich aber am einfachsten durch Kurven dirigieren. Stichwort Lenkung: exakt und zielgenau im A6, präzise, aber etwas schwergängiger im 5er, sehr indirekt und um die Mittel­lage schwammig in der E-Klasse.

    Jeweils fein dosierbar und auch nach mehreren Vollbremsungen aus 100 km/h immer noch standfest sind die Bremsanlagen der drei Premium-Limousinen. In Sachen Sicherheit fühlt man sich in allen drei Testkandidaten bestens aufgehoben. Front-, Seiten- und Kopfairbags sowie ESP sind bei allen drei Modellen serienmäßig an Bord, Mercedes spendiert zusätzlich einen Knieairbag für den Fahrer.

    GELD & UMWELT

    Der Audi A6 3,0 TDI ist deutlich günstiger als der BMW 525d und der Mercedes E 250 CDI Avantgarde, aber weniger gut ausgestattet. Das umfangreich bestückte Österreich-Paket lässt beim 5er praktisch keine Wünsche offen. Komfort- oder Luxus-Extras aller Art gibt es bei allen drei Herstellern zur Genüge.

    Interessante Unterschiede zeigt ein Blick in die jeweiligen Garantieumfänge. Mercedes steht mittlerweile bei allen Modellen für lange vier Jahre gerade. Audi-Käufer müssen sich mit der Hälfte, also lediglich zwei Jahren zufrieden geben. BMW hält an mageren zwei Jahren Gewährleistung fest.

    Wesentlich stärker präsentiert sich BMW beim Verbrauch. Auf unserer Normrunde genehmigte sich der 525d trotz der hohen Leis­tung und gut 1.700 Kilogramm Eigengewicht lediglich 6,5 l/100 km. Knapp dahinter landet der ebenfalls sparsame Mer­cedes. Auffällig: Trotz aufwändi­gem Alu­minium-Leichtbau ist der A6 nicht wesentlich leichter als 5er und E-Klasse – und verbraucht trotz Start-Stopp-Automatik mehr Kraftstoff.

    Fahrzeugdaten

    Audi A6 3,0 TDI multitronic BMW 525d Aut. Österreich-Paket Mercedes E 250 CDI Aut. Avantgarde
    Preis EUR 49.180,- EUR 54.727,- EUR 55.934,-
    Motor: V6, 2.967 cm3 6-Zylinder-Reihe, 2.993 cm3 4-Zylinder-Reihe, 2.143 cm3
    Leistung: 150 kW (204 PS) 150 kW (204 PS) 150 kW (204 PS)
    Drehmoment: 400 Nm bei 1.250-3.500/min 450 Nm bei 1.750-2.500/min 500 Nm bei 1.600-1.800/min
    Antrieb: Vorderrad, stufenlose Automatik Hinterrad, 8-Gang-Automatik Hinterrad, 5-Gang-Automatik
    L/B/H: 4.915/1.874/1.455 mm 4.899/1.860/1.464 mm 4.868/1.854/1.464 mm
    Radstand: 2.912 mm 2.968 mm 2.874 mm
    Leer-/Gesamtgewicht: 1.645/2.225 kg 1.705/2.315 kg 1.660/2.280 kg
    Innenraum-Maße: Breite v/h 154/150 cm Breite v/h 156/152 cm Breite v/h 151/150 cm
    Höhe v/h 105/92 cm Höhe v/h 104/92 cm Höhe v/h 104/94 cm
    Kniefreiheit hinten min/max 13/38 cm Kniefreiheit hinten min/max 11/36 cm Kniefreiheit hinten min/max 11/37 cm
    Anhängelast max.: 1.800 kg 2.000 kg 2.000 kg
    Kofferraum min/max: 530 l 520 l 540 l
    Tankinhalt: 65 l 70 l 59 l
    Beschleunigung 0-100: 7,7 sec 7,1 sec 8,3 sec
    Bremsweg 100-0 (Winterreifen) 44,3 m 43,4 m 43,6 m
    Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h 236 km/h 240 km/h
    Norm-Verbrauch (l/100 km):
    Stadt/Überland/gesamt 6,0/4,7/5,2 Stadt/Überland/gesamt 7,7/5,1/6,1 Stadt/Überland/gesamt 7,9/4,6/5,9
    CO2-Emission (Norm): 137 g/km 160 g/km 157 g/km
    Test-Verbrauch: 7,0 l/100 km Diesel 6,5 l/100 km Diesel 6,7 l/100 km Diesel
    Steuer, Versicherung (jährl. Bezahlung):
    Kfz-Steuer EUR 831,60 EUR 831,60 EUR 831,60
    SK/Kfz-Haftpflicht/Stufe 0 ab EUR 303,86 ab EUR 337,62 ab EUR 337,62