Wien
10.05.2013

Umgestaltung Mariahilfer Straße

Parkplatzvernichtung ohne nachhaltiges Verkehrskonzept

Über das Gesamtprojekt Fußgängerzone konnte - demokratiepolitisch bedenklich wie beim Parkpickerl - nicht abgestimmt werden. Zur Disposition standen lediglich zwei Querungen in der künftig autofreien Zone. Stimmberechtigt waren nur die Anwohner der Querungsstraßen.

Die vorhersehbaren Ergebnisse: Die Querungen Otto-Bauer-Gasse/Zieglergasse und Schottenfeldgasse/Webgasse werden verkehrsberuhigt werden.

Vorhaben im Detail

Die Mariahilfer Straße wird zwischen Kirchengasse und Andreasgasse zur Fußgängerzone. Zwischen Museumsplatz und Kirchengasse und zwischen Andreasgasse und Kaiserstraße werden "Begegnungszonen" eingerichtet. Die benachbarten Durchzugsstraßen Gumpendorfer Straße, Neustiftgasse und Burggasse werden Tempo-30-Zonen.

In Begegnungszonen ist der Fußgängerverkehr überall zulässig, der Radverkehr ist in beiden Richtungen erlaubt. Generell gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 Stundenkilometern. Grundsätzlich ist das Befahren der Begegnungszone auch für Kraftfahrzeuge möglich, das Parken und Halten ist nicht erlaubt (ausgenommen Lieferverkehr). Die Zufahrt zu Garagen und Einfahrten ist möglicht.

Wegen der Sperre der Querungen Otto-Bauer-Gasse/Zieglergasse und Schottenfeldgasse/Webgasse wird es zu umfangreichen Änderungen der Einbahnen in den Seitengassen der Mariahilfer Straße kommen.

Die Anrainer werden im Stich gelassen

"Bei allen Umgestaltungsplänen zur Mariahilfer Straße ist bis jetzt ein wesentlicher Punkt völlig unter den Tisch gefallen", kritisiert Interessenvertreter Bernhard Wiesinger. "Wo sollen künftig vor allem Anrainer ihre Fahrzeuge parken?" Dass die Parkplatzsituation auf und um die Mariahilfer Straße bereits aktuell mehr als angespannt ist, ist ja nichts Neues. Eine Erhebung aus dem Jahr 2000 gibt für beide Bezirke zusammen rund 11.544 öffentliche Stellplätze an und das bei 22.344 angemeldeten Pkw (Statistischen Jahrbuch der Stadt Wien 2010). "Man kann jedoch davon ausgehen, dass im Laufe von zwölf Jahren einige hundert Stellplätze durch Rückbaumaßnahmen verloren gingen". Demgegenüber steht jedoch eine stetig ansteigende Zahl von ausgegebenen Parkpickerln. Anfang 2010 waren es 5.025 (sechster Bezirk) und 4.405 (siebenter Bezirk) Parkpickerl und Parkkarten. "Zieht man jedoch die jüngst kolportierten Zahlen als Vergleich heran, so gibt es in den beiden Bezirken demnächst mehr Parkpickerlbesitzer als vorhandene Parkplätze", meint Wiesinger.

Drastisch verschärfte Situation für Anrainer

Mit der Umwandlung eines Abschnittes der beliebten Einkaufsstraße zur Fußgängerzone wird sich die Situation noch drastisch verschlimmern. "Und da geht es gar nicht um jene Parkplätze, die unmittelbar auf der Mariahilfer Straße verschwinden und die von den Anrainern außerhalb der Geschäftszeiten als Abstellfläche genutzt werden", so der ÖAMTC-Interessenvertreter. "Offenbar hat keiner daran gedacht, dass die Zufahrten dann zu Sackgassen werden, die zweispurig befahrbar sein müssen. Das heißt Parken wird dort, wenn überhaupt, nur mehr auf einer Fahrbahnseite möglich sein." Vorsichtige Schätzungen gehen in etwa von mindestens 300 weiteren Parkplätzen aus, die es in Zukunft nicht mehr geben wird.

Chaos statt Konzept

"Die Anrainer benötigen Alternativangebote, für das Abstellen ihrer Fahrzeuge - und das bereits vorher und nicht erst am St. Nimmerleinstag", fordert der ÖAMTC-Interessenvertreter. Man stellt die Anwohner der Mariahilfer Straße einfach vor vollendete Tatsachen. "Anstatt sie über ein Gesamtkonzept abstimmen zu lassen, dürfen sie lediglich mitbestimmen ob und wo die Mariahilfer Straße künftig gequert werden darf", zeigt sich Wiesinger verärgert. Dass die geplanten 30 km/h in den umliegenden Gassen und Straßen auch eher die logische Folge einer versäumten Verkehrspolitik als ein tragfähiges Verkehrskonzept sind, sei hier nur am Rande erwähnt.


ÖAMTC zeigt Alternativen auf

Die Anrainer des sechsten und siebenten Bezirkes haben ein Recht auf faires Parken. "Ein eigens ausgearbeitetes Parkraum-Bewirtschaftungsmodell ist die Antwort des ÖAMTC auf die ideenlosen Vorgehensweise der Wiener Stadtregierung", stellt Wiesinger fest. Details zum ÖAMTC-Modell "Faires Parken in Wien" sowie ein Online-Fragebogen zur Wiener Parkraum-Bewirtschaftung findet man unter www.oeamtc.at/fairesparken.