Als die ersten Vogelstimmen erklingen, gehe ich durch den Palmengarten des Hotels hinunter zum Strand. Der Indische Ozean ist eine glitzernde Scheibe, die wohlgeformte, friedliche weiße Wellen an das flache Ufer ergießt. Links liegt der Fluss, rechts erstreckt sich im Dunst das scheinbar endlose Ufer. Ich höre: Wasser rauschen und klatschen, das Geknatter der Palmen. Ich fühle: frischen Sand zwischen den Zehen, Wind auf der Haut. Ich rieche: das Meer bei Sonnenaufgang. Ich sehe: das einsame Fischerboot vor dem Horizont, den Tag erwachen. Es ist der letzte Morgen vor dem Heimflug nach Österreich. Meine Gedanken eilen zurück an jenen Tag, an dem ...
Aktuelles
Rückkehr ins Paradies
Einsame Traumstrände, exotische Tempel und exzellenter Tee, soweit das Auge reicht: Sri Lankas Wiederauferstehung als einzigartiges Fernreise-Ziel im Indischen Ozean.
„Jeden Wassertropfen, der herunter fällt, muss man genießen. So schnell vergeht die Zeit.“ Sumith Nanda de Silva, Reiseleiter und sonst für jeden Scherz zu haben, hat angesichts der Pracht der alten Königsstadt Polonnaruwa seine ernsthafte Minute. Und tatsächlich ist die vor Jahrhunderten versunkene Metropole des singhalesischen Reiches mit ihren grandiosen Palästen, heiligen Plätzen, modern anmutenden Kanälen und überdimensionalen Buddha-Statuen ein Symbol, das in die jüngste Gegenwart weist. Stand doch Sri Lanka – in unserem Sprachgebrauch noch immer als die Insel Ceylon geläufig – vor nicht allzu langer Zeit neuerlich am Rande des Unterganges. Zuerst verwüstete der auf ein Seebeben vor Sumatra durch den Indischen Ozean folgende Tsunami vom 26. Dezember 2004 weite Teile der Küsten und forderte fast 40.000 Menschenleben. Dann erreichte der seit Jahrzehnten in wechselnder Intensität brodelnde Bürgerkrieg zwischen singhalesischer Bevölkerungsmehrheit und tamilischen Rebellen seinen Höhepunkt. Erst im Mai 2009 wurden die „Liberation Tiger of Tamil Eelam“ (LTTE) nach blutigen Kämpfen von der Regierungsarmee besiegt.
Obwohl die Touristenregionen im Süden und Westen des Landes vom Tsunami unterschiedlich stark, vom Bürgerkrieg eigentlich nie direkt betroffen waren, gingen die Besucherzahlen aus dem Ausland deutlich zurück. Die Zeiten, in denen es per Lauda-Air zeitweise sogar eine Direktverbindung ab Österreich gab und das paradiesische Sri Lanka zu einem der tropischen Lieblingsziele heimischer Fernreisender wurde, schienen für immer vorbei zu sein.
Obwohl die Touristenregionen im Süden und Westen des Landes vom Tsunami unterschiedlich stark, vom Bürgerkrieg eigentlich nie direkt betroffen waren, gingen die Besucherzahlen aus dem Ausland deutlich zurück. Die Zeiten, in denen es per Lauda-Air zeitweise sogar eine Direktverbindung ab Österreich gab und das paradiesische Sri Lanka zu einem der tropischen Lieblingsziele heimischer Fernreisender wurde, schienen für immer vorbei zu sein.
Der neue Friede und der Wiederaufbau der Hotels auch in den von der Flutwelle betroffenen Küstenregionen hat die Insel zurück auf die touristische Landkarte gebracht. Grund genug auch für den auto touring, sich auf Sri Lanka umzusehen und unter der fachkundigen Führung von Reiseleiter Sumith die berühmtesten Sehenswürdigkeiten sowie einige Hotels unter die Lupe zu nehmen.
Natürlich kommen viele Menschen ausschließlich nach Sri Lanka, um Körper und Geist in den zahlreichen Ayurveda-Hotels mit dem „Wissen vom gesunden Leben“ heilen zu lassen. Ich aber beginne meine Reise nach dem Zehn-Stunden-Flug diesmal lieber im Elefantenwaisenhaus von Pinawela. 2.000 Dickhäuter leben noch wild auf Sri Lanka. Wenn sie sich verletzen und, so wie die Elefantenbabys Pilumala und Kiria, von Menschen gefunden werden, bekommen sie an den von tropischem Regenwald gesäumten Ufern des Maha Oya gratis Unterkunft und Verpflegung. Die Fütterung der „Minifanten“ und das anschließende Bad der gesamten Herde im Fluss ist eine Touristenattraktion ersten Ranges.
Auf der Weiterfahrt ins Landesinnere wird eine der deutlichen Veränderungen aus jüngster Zeit klar: Das Militär, das hier noch vor kurzem die Straßen sichern musste, ist verschwunden. Und so taucht aus dem Dschungel bald Sigiriya auf, eine großartige Sehenswürdigkeit Sri Lankas, ja ganz Asiens – und eine anstrengende. Denn Hunderte Stufen führen hin-auf in Schwindel erregende Höhen bis zu einer Höhle, in der sich, gut bewacht, die Wandmalereien mit den berühmten „Wolkenmädchen von Sigiriya“ finden: Frauen in anmutigen, ja freizügigen Posen, deren Anblick nicht nur aus kunsthistorischer Sicht wohl den schweißtreibenden Aufstieg lohnt. Wer denkt, damit wäre es getan, irrt aber gewaltig. Entlang der Spiegelgalerie mit alten Inschriften geht es auf ein Plateau, an dessen Ende noch deutlich die Tatzen des riesigen Löwen zu sehen sind, dessen Maul einst den Eingang zur eigentlichen Felsenfestung bildete. Um den Königspalast und seine Bewohner ranken sich blutrünstige Legenden, Sumith erzählt sie während des Aufstieges mit Inbrunst und Begeisterung. Alleine: Hitze und Plackerei machen es meinem Gehirn unmöglich, sie dauerhaft abzuspeichern.
Kandy, eigentlich „Kanda uda pas rata“, Königreich in den Bergen, war letzter Sitz singhalesischer Könige vor der Machtübernahme durch die Briten 1815. Hier spaziere ich durch den weltberühmten Botanischen Garten von Peradeniya: Riesenbambus, der an einem einzigen Tag 30 Zentimeter wächst, Palmen von den Seychellen mit den größten Kokosnüssen der Welt, ein Ficus aus Java, der eine Fläche von einem viertel Fußballfeld bedeckt. Und eine hübsche Zwei-Meter-Schlange, die aber schnell das Weite sucht, als sie mich entdeckt.
Natürlich kommen viele Menschen ausschließlich nach Sri Lanka, um Körper und Geist in den zahlreichen Ayurveda-Hotels mit dem „Wissen vom gesunden Leben“ heilen zu lassen. Ich aber beginne meine Reise nach dem Zehn-Stunden-Flug diesmal lieber im Elefantenwaisenhaus von Pinawela. 2.000 Dickhäuter leben noch wild auf Sri Lanka. Wenn sie sich verletzen und, so wie die Elefantenbabys Pilumala und Kiria, von Menschen gefunden werden, bekommen sie an den von tropischem Regenwald gesäumten Ufern des Maha Oya gratis Unterkunft und Verpflegung. Die Fütterung der „Minifanten“ und das anschließende Bad der gesamten Herde im Fluss ist eine Touristenattraktion ersten Ranges.
Auf der Weiterfahrt ins Landesinnere wird eine der deutlichen Veränderungen aus jüngster Zeit klar: Das Militär, das hier noch vor kurzem die Straßen sichern musste, ist verschwunden. Und so taucht aus dem Dschungel bald Sigiriya auf, eine großartige Sehenswürdigkeit Sri Lankas, ja ganz Asiens – und eine anstrengende. Denn Hunderte Stufen führen hin-auf in Schwindel erregende Höhen bis zu einer Höhle, in der sich, gut bewacht, die Wandmalereien mit den berühmten „Wolkenmädchen von Sigiriya“ finden: Frauen in anmutigen, ja freizügigen Posen, deren Anblick nicht nur aus kunsthistorischer Sicht wohl den schweißtreibenden Aufstieg lohnt. Wer denkt, damit wäre es getan, irrt aber gewaltig. Entlang der Spiegelgalerie mit alten Inschriften geht es auf ein Plateau, an dessen Ende noch deutlich die Tatzen des riesigen Löwen zu sehen sind, dessen Maul einst den Eingang zur eigentlichen Felsenfestung bildete. Um den Königspalast und seine Bewohner ranken sich blutrünstige Legenden, Sumith erzählt sie während des Aufstieges mit Inbrunst und Begeisterung. Alleine: Hitze und Plackerei machen es meinem Gehirn unmöglich, sie dauerhaft abzuspeichern.
Kandy, eigentlich „Kanda uda pas rata“, Königreich in den Bergen, war letzter Sitz singhalesischer Könige vor der Machtübernahme durch die Briten 1815. Hier spaziere ich durch den weltberühmten Botanischen Garten von Peradeniya: Riesenbambus, der an einem einzigen Tag 30 Zentimeter wächst, Palmen von den Seychellen mit den größten Kokosnüssen der Welt, ein Ficus aus Java, der eine Fläche von einem viertel Fußballfeld bedeckt. Und eine hübsche Zwei-Meter-Schlange, die aber schnell das Weite sucht, als sie mich entdeckt.
Buddha ganz nahe. Auch ich muss mich beeilen, dann nur drei Mal am Tag wird für kurze Zeit die Tür zu einem der größten Schätze des Buddhismus geöffnet, dem Dalada Maligawa. Als vor fast 2.500 Jahren die Leiche Buddhas nach seinem Tod verbrannt wurde, fand man unter den Resten vier Zähne und ein Schlüsselbein. Einer der Zähne gelangte, schon damals als Reliquie verehrt, im Jahr 313 nach Christus von einer Nonne versteckt nach Sri Lanka. Heute befindet er sich in einem Schrein im so genannten „Tempel des Heiligen Zahns “ von Kandy.
Aus aller Welt strömen Gläubige herbei und stellen sich in langen Schlangen vor dem Schrein an. Zu sehen gibt es aber nicht den Zahn selbst. Man kann allenfalls einen kurzen Blick auf das aus Gold und Edelsteinen gefertigte Reliquiar werfen. Die große Menge der Gläubigen schafft an dem mit einzigartiger Kunst ausgestatteten Ort eine mitreißende, intensive Atmosphäre.
Von Kandy fahren Sumith und ich die vielen Kurven hinauf nach Pussellawa in das weltberühmte Reich des Ceylon-Tees. Wir halten bei der Glenloch-Teefabrik, mitten innerhalb der riesigen Plantagen, die von einer milden Abendsonne beschienen werden. „Hier wächst der beste Tee der Welt“, erklärt mir der resolute Herr, der sich als Mr. Moto vorstellt und dann die verschiedenen Produktionsstufen – Mahlen, Trocknen, Sortieren usw. – erläutert. Ich deute auf besonders fein gemahlene Teeblätter. Mr. Moto macht eine abschätzige Geste. „Das ist Abfall, für die Teebeutel“, sagt er.
Wir gehen noch weiter hinunter zu einem Wasserfall, der unterhalb der Passstraße tost. „Das ist der „Herz-hier-verliert-Wasserfall“, erklärt Sumith und lächelt vielsagend. Später erreichen wir die „Wasser-hier-verliert-Stelle“. Zumindest heißt sie jetzt bei mir so, denn unser Auto hat eine Panne. Nach einer Stunde Herumflicken am Wasserschlauch geht es weiter hinauf bis auf über 2.000 Meter und dann hinab in das Hochtal von Nuwara Eliya.
Aus aller Welt strömen Gläubige herbei und stellen sich in langen Schlangen vor dem Schrein an. Zu sehen gibt es aber nicht den Zahn selbst. Man kann allenfalls einen kurzen Blick auf das aus Gold und Edelsteinen gefertigte Reliquiar werfen. Die große Menge der Gläubigen schafft an dem mit einzigartiger Kunst ausgestatteten Ort eine mitreißende, intensive Atmosphäre.
Von Kandy fahren Sumith und ich die vielen Kurven hinauf nach Pussellawa in das weltberühmte Reich des Ceylon-Tees. Wir halten bei der Glenloch-Teefabrik, mitten innerhalb der riesigen Plantagen, die von einer milden Abendsonne beschienen werden. „Hier wächst der beste Tee der Welt“, erklärt mir der resolute Herr, der sich als Mr. Moto vorstellt und dann die verschiedenen Produktionsstufen – Mahlen, Trocknen, Sortieren usw. – erläutert. Ich deute auf besonders fein gemahlene Teeblätter. Mr. Moto macht eine abschätzige Geste. „Das ist Abfall, für die Teebeutel“, sagt er.
Wir gehen noch weiter hinunter zu einem Wasserfall, der unterhalb der Passstraße tost. „Das ist der „Herz-hier-verliert-Wasserfall“, erklärt Sumith und lächelt vielsagend. Später erreichen wir die „Wasser-hier-verliert-Stelle“. Zumindest heißt sie jetzt bei mir so, denn unser Auto hat eine Panne. Nach einer Stunde Herumflicken am Wasserschlauch geht es weiter hinauf bis auf über 2.000 Meter und dann hinab in das Hochtal von Nuwara Eliya.
Very british. Umgeben von den höchsten Bergen Sri Lankas, hat sich die Stadt mit
ihrem gemäßigten Klima das Flair eines Kurortes des Britischen Empires zumindest teilweise
erhalten. Ich wohne mit vielen anderen Touristen im stilvollen Grand Hotel, das mit seinem Five
oclock tea, einem gepflegten Park und dem offenen Kamin im Zimmer genauso gut in Oxford oder St.
Moritz stehen könnte. In der Stadt selbst gibt es noch ein altes Postgebäude, den noblen Hill Club,
einen stilvollen Golfplatz und die Victoria Gardens, durch die Liebespärchen schlendern.
Der Zug von Kandy nach Badulla hält ein wenig unterhalb von Nuwara Eliya, in Nanu Oya. Vom Erste-Klasse-Waggon am Schluss des Zuges hat man einen herrlichen Ausblick auf die grandiose Gebirgslandschaft samt den darin eingebetteten Teeplantagen. Und weil es hier noch keine Klimaanlagen gibt, kann ich die Fahrt am offenen Fenster oder wie die Einheimischen in der Tür stehend so richtig genießen. Durch unzählige Tunnels und über viele Brücken geht die schaukelnde Fahrt bis auf über 2.000 Meter Seehöhe zweifellos eine der spektakulärsten Eisenbahnfahrten der Welt.
Der Zug von Kandy nach Badulla hält ein wenig unterhalb von Nuwara Eliya, in Nanu Oya. Vom Erste-Klasse-Waggon am Schluss des Zuges hat man einen herrlichen Ausblick auf die grandiose Gebirgslandschaft samt den darin eingebetteten Teeplantagen. Und weil es hier noch keine Klimaanlagen gibt, kann ich die Fahrt am offenen Fenster oder wie die Einheimischen in der Tür stehend so richtig genießen. Durch unzählige Tunnels und über viele Brücken geht die schaukelnde Fahrt bis auf über 2.000 Meter Seehöhe zweifellos eine der spektakulärsten Eisenbahnfahrten der Welt.
Unter Leoparden. Eine ganz andere Welt offenbart sich mir am nächsten Tag im Yala-Nationalpark. Mit dem Geländeauto geht es an der Südküste kurz nach Sonnenaufgang hinein in das Reich der Tiere. Ich sehe Wasserbüffel, Warane, Wildschweine, eine Python, Störche, Adler und Rehe. Die sonst hier jeden Tag anzutreffenden Elefanten haben sich aufgrund der starken Regenfälle in der Nacht in andere Regionen des Nationalparks verzogen. Hier leben auch Leoparden – und tatsächlich werden sie von Besuchern in einem anderen Fahrzeug an diesem Tag auch gesehen. Ich habe dieses Mal Pech, mir bleibt nur der Anblick von frischen Tatzenspuren.
Paradies für alle? Am letzten Tag geht es an der Südostküste mit Booten den Fluss Madu hinauf, der hier ein faszinierendes Delta mit vielen kleinen Inseln geschaffen hat. Zwei Stunden sind wir am späten Nachmittag unterwegs, immer zwischen den vielen kleinen Fischerbooten aus Holz. Als wir dann mit Motorkraft zurückfahren, haben wir einige der Fischer ins Schlepptau genommen. „Der Weg zurück ist weit und der Tag war anstregend“, sagt Sumith. Er stimmt in der Abenddämmerung ein altes Fischerlied an, in dem es um einen guten Fang, um ein Gebet und um die Rückkehr zur Familie geht. Wir gleiten über das Wasser, Friede rundherum. Ist das jetzt das Paradies? Ich schaue in die erschöpften Gesichter der Fischer. Wenn Sri Lanka ein Paradies ist, so überlege ich, dann nur für mich und all die anderen, die als Touristen für einige Tage kommen. Aber das ist auch schon viel mehr, als man noch vor kurzem erwarten konnte.



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