Der Generalsekretär des ÖAMTC spielt eine ähnliche Rolle wie der Geschäftsführer
in einem Unternehmen. Doch der ÖAMTC ist ein gemeinnütziger, föderalistisch aufgebauter Verein,
keine Firma. Die Fäden des operativen Geschäfts laufen im Generalsekretariat zusammen, wo Hans
Peter Halouska sich nach 12 Jahren als Generalsekretär nun verabschiedet (siehe Kasten unten). Sein
Nachfolger ist Oliver Schmerold, der zusammen mit dem stellvertretenden Generalsekretär Christoph
Mondl nun die Leitung des Clubs übernimmt.
Der ÖAMTC bekommt mit Ihnen als Generalsekretär ein neues Gesicht bitte beschreiben Sie sich den Clubmitgliedern.
Oliver Schmerold: Gerne. Ich bin 41 Jahre alt, Wiener, studierter Techniker, habe aber mein gesamtes bisheriges Berufsleben im Dienstleistungsbereich verbracht. Ich war immer direkt am Kunden, das wird mir bei meiner neuen Aufgabe sicher sehr helfen. Bei mir gibt es keine klare Trennlinie zwischen beruflicher Tätigkeit und sonstigen Interessen ich sehe meinen Beruf als integrierten Bestandteil meiner Person und meiner Lebensplanung. Das ergibt ein stimmiges Gesamtbild.
Sie sind jetzt ein halbes Jahr beim Club tätig. Wie sehen Sie den ÖAMTC heute, wie wird er sich in den nächsten Jahren verändern?
Schmerold: Der ÖAMTC ist eine leistungsorientierte Serviceorganisation mit dem klaren Fokus, jederzeit mit ganzer Kraft für seine Mitglieder da zu sein. Als solche ist er sehr gut aufgestellt, das belegen auch die Zahlen: Wir hatten in den letzten zwei Jahren das stärkste Mitgliederwachstum der Clubgeschichte und gehören mit aktuell 1,8 Millionen Mitgliedern international zu den Top Ten der Automobilclubs.
Für die Zukunft stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit den sich verändernden Rahmenbedingungen um, unter denen die individuelle Mobilität heute stattfindet und stattfinden wird? Da geht es um ökologische Fragen, Fragen der Raumplanung, Lärmbelästigung zu all dem wird sich der ÖAMTC positionieren und Vorschläge zu gesetzlichen Neuregelungen und Maßnahmen ausarbeiten.
Das Aufgabengebiet des ÖAMTC verändert sich also derzeit sehr stark?
Schmerold: Es hat sich immer verändert und permanent weiter entwickelt. Diese Entwicklung geht heute vielleicht schneller, dramatischer vor sich, als wir das bisher gewohnt waren. Nehmen Sie die neuen Antriebstechnologien: Der Verbrennungsmotor wird in seiner Bedeutung zurückgehen, die Elektromobilität in ihren unterschiedlichsten Möglichkeiten ist auf dem Vormarsch. Darauf muss sich der ÖAMTC einstellen. Oder: Wie kommen wir zu einer sinnvollen Kombination von öffentlichem Verkehr und individueller Mobilität, wo sind die Schnittstellen und was kann der ÖAMTC seinen Mitgliedern anbieten, um diese vielfältigen Formen der Mobilität zu verknüpfen.
Was kann denn der ÖAMTC anbieten?
Schmerold: Zunächst einmal werden wir das Informationsangebot massiv ausbauen. Wir sind heute schon stark in diesem Bereich tätig, das werden wir noch verstärken und Informationen über unterschiedliche Verkehrsträger anbieten: im Internet, durch diverse Applikationen auf Smartphones oder so wie bisher telefonisch und durch unsere Publikationen wie den auto touring.
Konkret können wir unseren Mitgliedern etwa bei der Frage helfen, wie sie sich am sinnvollsten von A nach B bewegen, sowohl im akuten Einzelfall als auch langfristig gesehen, etwa bei der Frage: Soll ich in ein Auto investieren und wenn ja, in welches?
Der Club als Interessensvertretung der Kraftfahrer ist hier eine Neudefinition notwendig?
Schmerold: Die Wahrnehmung des ÖAMTC in der Öffentlichkeit muss sich definitiv ändern. Mein Ziel ist es, dass in spätestens drei Jahren niemand mehr von einem Autofahrerclub spricht, sondern vom Mobilitätsclub ÖAMTC. Mit dem antiquierten Begriff Kraftfahrer habe ich generell ein Problem, das würde ich am liebsten aus dem Wortschatz des Clubs streichen.
Bleiben wir bei dem Begriff individuelle Mobilität. Der Club muss sich auf die beginnende und fortschreitende Elektromobilität einstellen, wie Sie sagen wie soll das konkret geschehen?
Schmerold: Wenn unsere Mitglieder sich überlegen, in ein Elektrofahrzeug zu investieren es muss ja nicht immer ein Auto sein, es kann ja auch ein E-Roller oder ein Elektrofahrrad sein , dann ist es unsere ureigenste Aufgabe, sie umfassend und absolut objektiv zu informieren, was diese neue Form der Mobilität leisten kann und wo ihre Grenzen sind. Der ÖAMTC ist weder die Lobby der Autohersteller noch eine Lobby der Stromwirtschaft, wir sind ganz einfach die Interessensvertretung der Menschen, die mobil sein wollen.
Damit wir denjenigen unserer Mitglieder, die mit einem Elektrofahrzeug unterwegs sind, genau die gleichen Dienstleistungen anbieten können wie heutigen Auto- und Motorradfahrern, müssen wir unsere Pannenhilfe und den Technischen Dienst an den Stützpunkten mit der neuen Technologie vertraut machen. Das geschieht durch Schulungen und durch Investment in das notwendige technische Equipment.
Es darf einfach kein Thema mehr sein, ob ein Elektroauto auf der Straße liegenbleibt oder ein Benzin- oder Diesel-Fahrzeug wir können es flott machen. Um mit der Handhabung vertraut zu werden, haben wir eines der ersten serienmäßigen Elektroautos angekauft, den Mitsubishi i-MiEV, den wir ausgiebig fahren und erproben werden.
Wie gestalten Sie Ihre persönliche Mobilität?
Schmerold: Ich bin natürlich Autofahrer, habe privat einen Youngtimer, der im Sommer bewegt wird, und einen VW Passat als Dienstwagen. Meine Tochter besitzt einen Scooter, den darf ich auch ab und zu fahren. Ich habe eine gewisse Affinität zum Motorrad, besitze aber kein eigenes, sondern borge mir hie und da eines aus, wenns mich juckt. Dann bin ich leidenschaftlicher Radfahrer, sowohl auf der Straße als auch mit dem Mountain Bike, und außerdem registrierter Kunde bei City Bike, den Mietfahrrädern der Stadt Wien. Ich verwende das Fahrrad oft dazu, Geschäftstermine in der Innenstadt wahrzunehmen. Außerdem bin ich passionierter Fußgänger; ich gehe gerne und zum Leidwesen meiner Kollegen, die mich begleiten, sehr flott. Und natürlich benütze ich auch die U-Bahn direkt vor meiner Haustür. Eine ÖBB-Vorteilscard besitze ich auch. Da ich in der Stadt lebe, nütze ich alle Mobilitätsmöglichkeiten des urbanen Raums.
Mir ist aber durchaus bewusst, dass es in ländlichen Gebieten ganz andere Voraussetzungen und Probleme gibt. Die Ausdünnung der öffentlichen Verkehrs-Infrastruktur auf dem Land aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen zwingt die Leute dazu, mit dem Auto unterwegs zu sein, oder Jugendliche, mit dem Moped zu fahren. Das ist nicht zu begrüßen, aber eine Realität.
Der ÖAMTC beschäftigt sich seit Anfang an mit dem Thema Verkehrssicherheit. In den letzten Jahren konnte die Zahl der Todesopfer auf Österreichs Straßen drastisch gesenkt werden. Was kann noch getan werden?
Schmerold: Heuer wird die Unfallstatistik knapp über 500 Verkehrstote verzeichnen, so niedrig war die Zahl noch nie, aber natürlich sind es noch immer 500 zu viel. Bei der aktiven und passiven Sicherheit der Autos ist in den letzten Jahren eine Menge passiert der ÖAMTC hat einen großen Anteil daran, denken Sie nur an die Euro-NCAP-Crashtests, die wir zusammen mit unseren Partnerclubs durchführen. Der ÖAMTC hat viele Sicherheitseinrichtungen gefordert, die in die Gesetzgebung eingeflossen sind, und zum Beispiel erreicht, dass ESP schon ein Jahr früher als geplant, nämlich ab heuer Pflicht für alle neuen Autos wird.
Bei den Elektrofahrzeugen, die jetzt nach und nach auf den Markt kommen, gilt es sicherzustellen, dass es zu keiner Verschlechterung der Sicherheitsstandards kommt. Und mir ist auch wichtig, dass es bei Autos, die aus neuen Märkten, etwa aus Fernost zu uns kommen, keinen Kompromiss in Sachen Sicherheit gibt.
Das ist einmal die Technik. Der zweite Teil ist Bewusstseinsbildung, da wird der Club seine Anstrengungen verstärken, allen Verkehrsteilnehmern, ganz egal ob Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, das Risiko ihrer Mobilität und ihr eigenes Verhalten stärker ins Bewusstsein zu bringen.
Und, dritter Punkt: Wir werden gemeinsam mit dem Gesetzgeber daran arbeiten, dass die Teilnahme am Verkehr für den Einzelnen sicherer wird. Das bedeutet beispielsweise Durchforsten des Schilderwalds, aber auch von Gesetzestexten, um sie der heutigen Situation besser anzupassen.
Der ÖAMTC unterstützt darüber hinaus die Decade of Action, ein Zehn-Jahres-Programm, das von der UNO gemeinsam mit der FIA (Dachverband der Automobilclubs) ins Leben gerufen wurde, um weltweit den prognostizierten Anstieg an Verkehrstoten einzudämmen.
Werden die Leistungen für die ÖAMTC-Mitglieder noch umfangreicher?
Schmerold: Ganz sicher wird das Informationsangebot umfangreicher, schneller und noch aktueller werden.
Die Pannenhilfe kann jetzt bereits im Durchschnitt neun von zehn liegengebliebenen Autos wieder flott machen. Unser Ziel ist jedoch die hundertprozentige Mobilität das bedeutet, dass wir jenen Mitgliedern, denen wir die Weiterfahrt mit ihrem Auto nicht ermöglichen können, auf jeden Fall eine andere Dienstleistung anbieten, damit sie mobil bleiben.
Außerdem investieren wir stark in unsere Stützpunkte: österreichweit werden jährlich zehn Stützpunkte erneuert oder neu gebaut. Ich will die Wartezeiten sowohl am Telefon als auch am Stützpunkt verringern. Und nicht zuletzt wird das Serviceangebot für unsere jungen Mitglieder erweitert werden: Die neue Gratis-Jugendmitgliedschaft für alle 15- bis 19-Jährigen wird die Attraktivität des Clubs auf eine noch breitere Basis stellen.
Wie geht es mit der Flugrettung weiter?
Schmerold: Mit dem Christophorus-Flugrettungsverein erfüllt der ÖAMTC einen wichtigen Dienst an der Allgemeinheit, eine der wenigen Dienstleistungen, die nicht exklusiv den Mitgliedern zur Verfügung steht. Als größter Flugrettungsbetreiber sind wir an 16 Standorten 365 Tage im Jahr einsatzbereit. Das leistet kein anderer in Österreich. Der ÖAMTC fliegt jeden Einsatz, egal ob das Freizeitunfälle sind oder medizinische Notfälle, ob privat versichert oder in der Krankenkasse.
Wir haben uns in den letzten Monaten intensiv mit der Finanzierung der Hubschrauber auseinander gesetzt und ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Ergebnis gefunden haben: Es ist uns gelungen, in den letzten Wochen mit dem Innenministerium die Fortführung der infrage stehenden Standorte zu vereinbaren, sodass den Ländern genügend Zeit bleibt, um ihre Lösungen zu finalisieren.
Welchen Bezug haben Sie persönlich zum ÖAMTC?
Schmerold: Einen langen, uneingeschränkt positiven. Ich bin seit 25 Jahren Mitglied, gleich beim Kauf meines ersten Mopeds mit 16 bin ich dem Club beigetreten. Und ich musste mir auch schon ein paar Mal von den Gelben Engeln helfen lassen. Hat immer hervorragend funktioniert.
Wie wird es Ihnen gelingen, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten?
Schmerold: Ich habe den Plan, einmal im Monat an einer Dienstleistung des ÖAMTC selbst mitzuarbeiten. Sei es im Callcenter, am Schalter, bei Einsätzen der Pannenhilfe oder der Flugrettung. So erhalte ich die direkte Rückmeldung, wie die Mitglieder den ÖAMTC im alltäglichen Kontakt erleben.
Der neue Generalsekretär
Oliver Schmerold wurde 1969 in Wien geboren, er ist verheiratet und hat zwei Kinder. An der Technischen Universität Wien studierte er Industrielle Elektronik und Regelungstechnik, 1995 Abschluss als Diplom-Ingenieur. Seit 1999 war er für das Telekommunikations-Unternehmen Alcatel (heute Alcatel-Lucent) tätig, zuletzt in Paris als Vice President Vertical Markets Services. Am 1. 7. 2010 nahm Schmerold seine Arbeit beim ÖAMTC auf, während der ersten sechs Monate als stellvertretender Generalsekretär.
Generationswechsel
Mit der Übernahme des Generalsekretariats durch Oliver Schmerold verabschiedet sich sein Vorgänger Hans Peter Halouska (63) in den Ruhestand. Halouska war 22 Jahre beim ÖAMTC tätig, zwölf davon als Generalsekretär. Die Jahre unter Halouskas Führung waren durch stetiges Wachstum geprägt: Die Zahl der Mitglieder stieg um eine halbe Million, jene der Arbeitsplätze beim ÖAMTC verdreifachte sich auf über 3.200.
Dkfm. Hans Peter Halouska war Redakteur bei den Finanznachrichten und von 1974 bis 1977 Wirtschaftsredakteur der Kronen Zeitung. 1978 folgte der Wechsel ins Verlagsmanagement, er wurde Geschäftsführer des Signum-Verlags und kehrte 1988 als Bereichsleiter Kommunikation und Verlagsleiter des auto touring zum ÖAMTC zurück. Zwei Jahre später wurde der ehemalige Wirtschaftsjournalist Geschäftsführer des ÖAMTC-Verlags und blieb es neben seiner Tätigkeit als Generalsekretär (seit 1998) auch weiterhin.
Der ÖAMTC bekommt mit Ihnen als Generalsekretär ein neues Gesicht bitte beschreiben Sie sich den Clubmitgliedern.
Oliver Schmerold: Gerne. Ich bin 41 Jahre alt, Wiener, studierter Techniker, habe aber mein gesamtes bisheriges Berufsleben im Dienstleistungsbereich verbracht. Ich war immer direkt am Kunden, das wird mir bei meiner neuen Aufgabe sicher sehr helfen. Bei mir gibt es keine klare Trennlinie zwischen beruflicher Tätigkeit und sonstigen Interessen ich sehe meinen Beruf als integrierten Bestandteil meiner Person und meiner Lebensplanung. Das ergibt ein stimmiges Gesamtbild.
Sie sind jetzt ein halbes Jahr beim Club tätig. Wie sehen Sie den ÖAMTC heute, wie wird er sich in den nächsten Jahren verändern?
Schmerold: Der ÖAMTC ist eine leistungsorientierte Serviceorganisation mit dem klaren Fokus, jederzeit mit ganzer Kraft für seine Mitglieder da zu sein. Als solche ist er sehr gut aufgestellt, das belegen auch die Zahlen: Wir hatten in den letzten zwei Jahren das stärkste Mitgliederwachstum der Clubgeschichte und gehören mit aktuell 1,8 Millionen Mitgliedern international zu den Top Ten der Automobilclubs.
Für die Zukunft stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit den sich verändernden Rahmenbedingungen um, unter denen die individuelle Mobilität heute stattfindet und stattfinden wird? Da geht es um ökologische Fragen, Fragen der Raumplanung, Lärmbelästigung zu all dem wird sich der ÖAMTC positionieren und Vorschläge zu gesetzlichen Neuregelungen und Maßnahmen ausarbeiten.
Das Aufgabengebiet des ÖAMTC verändert sich also derzeit sehr stark?
Schmerold: Es hat sich immer verändert und permanent weiter entwickelt. Diese Entwicklung geht heute vielleicht schneller, dramatischer vor sich, als wir das bisher gewohnt waren. Nehmen Sie die neuen Antriebstechnologien: Der Verbrennungsmotor wird in seiner Bedeutung zurückgehen, die Elektromobilität in ihren unterschiedlichsten Möglichkeiten ist auf dem Vormarsch. Darauf muss sich der ÖAMTC einstellen. Oder: Wie kommen wir zu einer sinnvollen Kombination von öffentlichem Verkehr und individueller Mobilität, wo sind die Schnittstellen und was kann der ÖAMTC seinen Mitgliedern anbieten, um diese vielfältigen Formen der Mobilität zu verknüpfen.
Was kann denn der ÖAMTC anbieten?
Schmerold: Zunächst einmal werden wir das Informationsangebot massiv ausbauen. Wir sind heute schon stark in diesem Bereich tätig, das werden wir noch verstärken und Informationen über unterschiedliche Verkehrsträger anbieten: im Internet, durch diverse Applikationen auf Smartphones oder so wie bisher telefonisch und durch unsere Publikationen wie den auto touring.
Konkret können wir unseren Mitgliedern etwa bei der Frage helfen, wie sie sich am sinnvollsten von A nach B bewegen, sowohl im akuten Einzelfall als auch langfristig gesehen, etwa bei der Frage: Soll ich in ein Auto investieren und wenn ja, in welches?
Der Club als Interessensvertretung der Kraftfahrer ist hier eine Neudefinition notwendig?
Schmerold: Die Wahrnehmung des ÖAMTC in der Öffentlichkeit muss sich definitiv ändern. Mein Ziel ist es, dass in spätestens drei Jahren niemand mehr von einem Autofahrerclub spricht, sondern vom Mobilitätsclub ÖAMTC. Mit dem antiquierten Begriff Kraftfahrer habe ich generell ein Problem, das würde ich am liebsten aus dem Wortschatz des Clubs streichen.
Bleiben wir bei dem Begriff individuelle Mobilität. Der Club muss sich auf die beginnende und fortschreitende Elektromobilität einstellen, wie Sie sagen wie soll das konkret geschehen?
Schmerold: Wenn unsere Mitglieder sich überlegen, in ein Elektrofahrzeug zu investieren es muss ja nicht immer ein Auto sein, es kann ja auch ein E-Roller oder ein Elektrofahrrad sein , dann ist es unsere ureigenste Aufgabe, sie umfassend und absolut objektiv zu informieren, was diese neue Form der Mobilität leisten kann und wo ihre Grenzen sind. Der ÖAMTC ist weder die Lobby der Autohersteller noch eine Lobby der Stromwirtschaft, wir sind ganz einfach die Interessensvertretung der Menschen, die mobil sein wollen.
Damit wir denjenigen unserer Mitglieder, die mit einem Elektrofahrzeug unterwegs sind, genau die gleichen Dienstleistungen anbieten können wie heutigen Auto- und Motorradfahrern, müssen wir unsere Pannenhilfe und den Technischen Dienst an den Stützpunkten mit der neuen Technologie vertraut machen. Das geschieht durch Schulungen und durch Investment in das notwendige technische Equipment.
Es darf einfach kein Thema mehr sein, ob ein Elektroauto auf der Straße liegenbleibt oder ein Benzin- oder Diesel-Fahrzeug wir können es flott machen. Um mit der Handhabung vertraut zu werden, haben wir eines der ersten serienmäßigen Elektroautos angekauft, den Mitsubishi i-MiEV, den wir ausgiebig fahren und erproben werden.
Wie gestalten Sie Ihre persönliche Mobilität?
Schmerold: Ich bin natürlich Autofahrer, habe privat einen Youngtimer, der im Sommer bewegt wird, und einen VW Passat als Dienstwagen. Meine Tochter besitzt einen Scooter, den darf ich auch ab und zu fahren. Ich habe eine gewisse Affinität zum Motorrad, besitze aber kein eigenes, sondern borge mir hie und da eines aus, wenns mich juckt. Dann bin ich leidenschaftlicher Radfahrer, sowohl auf der Straße als auch mit dem Mountain Bike, und außerdem registrierter Kunde bei City Bike, den Mietfahrrädern der Stadt Wien. Ich verwende das Fahrrad oft dazu, Geschäftstermine in der Innenstadt wahrzunehmen. Außerdem bin ich passionierter Fußgänger; ich gehe gerne und zum Leidwesen meiner Kollegen, die mich begleiten, sehr flott. Und natürlich benütze ich auch die U-Bahn direkt vor meiner Haustür. Eine ÖBB-Vorteilscard besitze ich auch. Da ich in der Stadt lebe, nütze ich alle Mobilitätsmöglichkeiten des urbanen Raums.
Mir ist aber durchaus bewusst, dass es in ländlichen Gebieten ganz andere Voraussetzungen und Probleme gibt. Die Ausdünnung der öffentlichen Verkehrs-Infrastruktur auf dem Land aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen zwingt die Leute dazu, mit dem Auto unterwegs zu sein, oder Jugendliche, mit dem Moped zu fahren. Das ist nicht zu begrüßen, aber eine Realität.
Der ÖAMTC beschäftigt sich seit Anfang an mit dem Thema Verkehrssicherheit. In den letzten Jahren konnte die Zahl der Todesopfer auf Österreichs Straßen drastisch gesenkt werden. Was kann noch getan werden?
Schmerold: Heuer wird die Unfallstatistik knapp über 500 Verkehrstote verzeichnen, so niedrig war die Zahl noch nie, aber natürlich sind es noch immer 500 zu viel. Bei der aktiven und passiven Sicherheit der Autos ist in den letzten Jahren eine Menge passiert der ÖAMTC hat einen großen Anteil daran, denken Sie nur an die Euro-NCAP-Crashtests, die wir zusammen mit unseren Partnerclubs durchführen. Der ÖAMTC hat viele Sicherheitseinrichtungen gefordert, die in die Gesetzgebung eingeflossen sind, und zum Beispiel erreicht, dass ESP schon ein Jahr früher als geplant, nämlich ab heuer Pflicht für alle neuen Autos wird.
Bei den Elektrofahrzeugen, die jetzt nach und nach auf den Markt kommen, gilt es sicherzustellen, dass es zu keiner Verschlechterung der Sicherheitsstandards kommt. Und mir ist auch wichtig, dass es bei Autos, die aus neuen Märkten, etwa aus Fernost zu uns kommen, keinen Kompromiss in Sachen Sicherheit gibt.
Das ist einmal die Technik. Der zweite Teil ist Bewusstseinsbildung, da wird der Club seine Anstrengungen verstärken, allen Verkehrsteilnehmern, ganz egal ob Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, das Risiko ihrer Mobilität und ihr eigenes Verhalten stärker ins Bewusstsein zu bringen.
Und, dritter Punkt: Wir werden gemeinsam mit dem Gesetzgeber daran arbeiten, dass die Teilnahme am Verkehr für den Einzelnen sicherer wird. Das bedeutet beispielsweise Durchforsten des Schilderwalds, aber auch von Gesetzestexten, um sie der heutigen Situation besser anzupassen.
Der ÖAMTC unterstützt darüber hinaus die Decade of Action, ein Zehn-Jahres-Programm, das von der UNO gemeinsam mit der FIA (Dachverband der Automobilclubs) ins Leben gerufen wurde, um weltweit den prognostizierten Anstieg an Verkehrstoten einzudämmen.
Werden die Leistungen für die ÖAMTC-Mitglieder noch umfangreicher?
Schmerold: Ganz sicher wird das Informationsangebot umfangreicher, schneller und noch aktueller werden.
Die Pannenhilfe kann jetzt bereits im Durchschnitt neun von zehn liegengebliebenen Autos wieder flott machen. Unser Ziel ist jedoch die hundertprozentige Mobilität das bedeutet, dass wir jenen Mitgliedern, denen wir die Weiterfahrt mit ihrem Auto nicht ermöglichen können, auf jeden Fall eine andere Dienstleistung anbieten, damit sie mobil bleiben.
Außerdem investieren wir stark in unsere Stützpunkte: österreichweit werden jährlich zehn Stützpunkte erneuert oder neu gebaut. Ich will die Wartezeiten sowohl am Telefon als auch am Stützpunkt verringern. Und nicht zuletzt wird das Serviceangebot für unsere jungen Mitglieder erweitert werden: Die neue Gratis-Jugendmitgliedschaft für alle 15- bis 19-Jährigen wird die Attraktivität des Clubs auf eine noch breitere Basis stellen.
Wie geht es mit der Flugrettung weiter?
Schmerold: Mit dem Christophorus-Flugrettungsverein erfüllt der ÖAMTC einen wichtigen Dienst an der Allgemeinheit, eine der wenigen Dienstleistungen, die nicht exklusiv den Mitgliedern zur Verfügung steht. Als größter Flugrettungsbetreiber sind wir an 16 Standorten 365 Tage im Jahr einsatzbereit. Das leistet kein anderer in Österreich. Der ÖAMTC fliegt jeden Einsatz, egal ob das Freizeitunfälle sind oder medizinische Notfälle, ob privat versichert oder in der Krankenkasse.
Wir haben uns in den letzten Monaten intensiv mit der Finanzierung der Hubschrauber auseinander gesetzt und ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Ergebnis gefunden haben: Es ist uns gelungen, in den letzten Wochen mit dem Innenministerium die Fortführung der infrage stehenden Standorte zu vereinbaren, sodass den Ländern genügend Zeit bleibt, um ihre Lösungen zu finalisieren.
Welchen Bezug haben Sie persönlich zum ÖAMTC?
Schmerold: Einen langen, uneingeschränkt positiven. Ich bin seit 25 Jahren Mitglied, gleich beim Kauf meines ersten Mopeds mit 16 bin ich dem Club beigetreten. Und ich musste mir auch schon ein paar Mal von den Gelben Engeln helfen lassen. Hat immer hervorragend funktioniert.
Wie wird es Ihnen gelingen, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten?
Schmerold: Ich habe den Plan, einmal im Monat an einer Dienstleistung des ÖAMTC selbst mitzuarbeiten. Sei es im Callcenter, am Schalter, bei Einsätzen der Pannenhilfe oder der Flugrettung. So erhalte ich die direkte Rückmeldung, wie die Mitglieder den ÖAMTC im alltäglichen Kontakt erleben.
Der neue Generalsekretär
Oliver Schmerold wurde 1969 in Wien geboren, er ist verheiratet und hat zwei Kinder. An der Technischen Universität Wien studierte er Industrielle Elektronik und Regelungstechnik, 1995 Abschluss als Diplom-Ingenieur. Seit 1999 war er für das Telekommunikations-Unternehmen Alcatel (heute Alcatel-Lucent) tätig, zuletzt in Paris als Vice President Vertical Markets Services. Am 1. 7. 2010 nahm Schmerold seine Arbeit beim ÖAMTC auf, während der ersten sechs Monate als stellvertretender Generalsekretär.
Generationswechsel
Mit der Übernahme des Generalsekretariats durch Oliver Schmerold verabschiedet sich sein Vorgänger Hans Peter Halouska (63) in den Ruhestand. Halouska war 22 Jahre beim ÖAMTC tätig, zwölf davon als Generalsekretär. Die Jahre unter Halouskas Führung waren durch stetiges Wachstum geprägt: Die Zahl der Mitglieder stieg um eine halbe Million, jene der Arbeitsplätze beim ÖAMTC verdreifachte sich auf über 3.200.
Dkfm. Hans Peter Halouska war Redakteur bei den Finanznachrichten und von 1974 bis 1977 Wirtschaftsredakteur der Kronen Zeitung. 1978 folgte der Wechsel ins Verlagsmanagement, er wurde Geschäftsführer des Signum-Verlags und kehrte 1988 als Bereichsleiter Kommunikation und Verlagsleiter des auto touring zum ÖAMTC zurück. Zwei Jahre später wurde der ehemalige Wirtschaftsjournalist Geschäftsführer des ÖAMTC-Verlags und blieb es neben seiner Tätigkeit als Generalsekretär (seit 1998) auch weiterhin.



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