Besteht die Möglichkeit, fällt die Wahl gerne auf ein scharf gezeichnetes, durchaus flott zu
bewegendes Zweirad. Oder auf ein Eisen mit aufrechter Sitzposition und aktivem Handling. Gerne darf
es auch ein quirliger Roller für die verstauten Straßen der Bundeshauptstadt sein. Aber eine
vollverkleidete Tourenmaschine, womöglich mit Koffern und verstellbarem Windschild? Nein, das muss
nicht sein. Oder vielleicht doch? Nach der Präsentation der neuen Kawasaki Z1000 SX ist die
Stimmungslage jedenfalls nicht mehr ganz so klar: Können solch prädestinierte Kofferträger
vielleicht doch Spaß machen?
Von allem ein wenig. Ja, die neue Kawasaki kann. Vor allem deswegen, weil sie ein
besonders universelles Bike ist. Egal, ob mit ihr die Hausstrecke überprüft, in der Mittagspause
der Lieblingswirt angesteuert, oder am Wochenende die 700-Kilometer-Runde in Angriff genommen wird
sie macht einfach überall Spaß. Ihr Vorteil ist die gelungene Mischung: Die Z1000 SX ist weder
typischer Tourensportler (dazu mangelt es an Platz für den Sozius und an Komfort im Allgemeinen)
noch Sportbike (denn: dreifach manuell verstellbares Windschild, aufrechte Sitzposition,
Koffer-tauglich). Vielmehr nimmt der Lenker auf einer Maschine Platz, die viele Vorteile vereint,
andererseits auch einiges vermissen lässt. Eine Ganganzeige beispielsweise, oder einen
Bordcomputer, der mehr als nur zwei Tageskilometerstände anzeigen kann. Auch ein wenig mehr Komfort
für gelegentliche Beifahrer wäre nett keine breite Sitzbank, bloß noch ein wenig mehr Schaumgummi.
Mögen Motor und Fahrwerk lange Ausfahrten ermöglichen, ein leidender Sozius tut dies nicht.
Der Rest jedoch ist pures Fahrvergnügen. arke Reihen-Vierzylinder mit 138 PS
(Drehmoment maximal 110 Nm) seidiger Motorlauf bei niedrigen Drehzahlen und ab rund 7.000/min ein
Schub, der Lachfalten garantiert zumindest beim Fahrer. Gerne lauscht man in diesen
Drehzahlregionen auch dem Fauchen aus der Airbox. Herrlich. Dazu gibts radial montierte
Vierkolben-Bremssättel, deren Beläge sich präzise und gut dosierbar in Stellung bringen lassen,
darüber hinaus bei Bedarf auch sehr ordentlich verzögern. Zur Sicherheit: Eine ABS-Variante wird
nachgereicht. In einer weiteren Nebenrolle: der Tank. Die Z1000 SX verfügt über vier Liter mehr
Tankvolumen als das nackte Schwestermodell Z1000. Dieser 19 Liter-Spritvorrat ist positiv zu sehen.
Daher nicht an das Mehrgewicht oder den voluminöseren Tank denken (der weder spürbar mehr Platz
kostet noch die Bewegungsfreiheit einschränkt), sondern an die längere Nettofahrzeit. Der Preis:
rund 14.500 Euro (ohne ABS).
MINUS: Windschutz trotz verstellbarem Windschild nur mäßig, keine Ganganzeige.



![[1292945381_1.jpg]](/media/image/2010.12.21/1292945381_1.jpg?1292944132)
![[1293011513_1.jpg]](/media/image/2010.12.22/1293011513_1.jpg?1293007446)