Video: Schutzweg heißt "einander schützen"
Club appelliert an Autofahrer und Fußgänger, Verhaltensregeln zu beachten
In den vergangenen Tagen haben wieder Meldungen von tödlichen Unfällen auf Schutzwegen schockiert. Im Jahr 2009 gab es 3.995 Fußgängerunfälle in Österreich, davon 1.167 auf Schutzwegen. Insgesamt gab es 101 getötete Fußgänger im Vorjahr, davon starben 19 Menschen durch einen Unfall am Zebrastreifen (Quelle: Statistik Austria).
Neben der technischen Sicherung und der bestmöglichen Überwachung der Schutzwege ist vor allem eines wichtig - "Autofahrer und Fußgänger müssen aufeinander schauen und wichtige Verhaltensregeln beachten. Das ist der beste Selbstschutz".
Das müssen Autofahrer bei Schutzwegen beachten
- Tempo vor Schutzweg reduzieren.
- Abstand zum Vordermann vergrößern.
- Auch die Bereiche links und rechts von Schutzwegen beobachten.
- Besondere Vorsicht ist bei der Kombination von Haltestellen und Schutzwegen geboten - Fußgänger queren oft vor und hinter einem öffentlichen Verkehrsmittel.
- Damit rechnen, dass auch kurz vor bzw. kurz nach dem Schutzweg die Straße überquert wird.
- Ältere und behinderte Personen sowie Familien mit Kleinkindern benötigen oft länger zur Querung - "Ihnen muss man genug Zeit lassen", appelliert die ÖAMTC-Expertin. Wichtig ist außerdem, sich nicht von absichtlich langsam gehenden Personen provozieren zu lassen.
- Nicht zu knapp an Fußgänger heranfahren.
- Niemals vom Straßenverkehr ablenken lassen (Handy, Navi, etc.).
- Keine Ladetätigkeit in unmittelbarer Schutzwegnähe - die Einsicht auf den Schutzweg wird behindert.
- "Niemals auf dem Schutzweg überholen", sagt die Verkehrspsychologin.
- Nicht bei "Dunkelgelb" abbiegen und fahren - die Fußgänger könnten schon Grün haben und queren.
- Im Annäherungsbereich zum Schutzweg schon die Situation auf der Fahrbahn beobachten und einschätzen.
- Niemals vom Straßenverkehr ablenken lassen (Handy, in der Tasche kramen, Tratschen, etc.).
- Kinder, vor allem Kleinkinder (fest) an der Hand halten und immer auch ein Vorbild für Kinder sein.
- Hunde knapp zu sich rufen, besser noch anleinen und eng führen.
- Versuchen, Sichtkontakt zum Lenker aufzunehmen - werde ich wahrgenommen?
- Nicht plötzlich/unvermutet auf die Fahrbahn treten.
- Wenn ein Schutzweg in der Nähe ist, diesen auch benützen.
- Selbst darauf achten, ob Sichtbehinderungen (Bäume, Plakate, Lkw,...) die Einsicht auf den Schutzweg für Lenker erschweren können - "Dann muss man sich noch vorsichtiger herantasten", erklärt die ÖAMTC-Expertin.
- Wenn jemand Hilfe braucht, Hilfe anbieten bzw. begleitend daneben (mit)gehen.
- Abends mit berücksichtigen, dass die Beleuchtung beim Schutzweg nicht immer ausreichend ist - "Man muss sich immer die Frage stellen, bin ich selbst sichtbar?", sagt Seidenberger.
- Immer mit Fehlern anderer Verkehrteilnehmer rechnen. Wenn Gruppen queren, dann beisammen bleiben.
- Nicht absichtlich durch extrem langsames Queren provozieren.
- Achtung vor tiefstehender Sonne - der Autofahrer hat dann extreme Mühe, alles zu sehen.
Fußgängerübergänge müssen sicherer gestaltet werden
Der ÖAMTC prüft gemeinsam mit seinen Partnerclubs regelmäßig Schutzwege in ganz Europa und verfügt über ein entsprechendes Know-how bei der baulichen Gestaltung. Nur durch Überprüfungen an Ort und Stelle kann die Sicherheit eines Schutzweges tatsächlich beurteilt werden. Sichere Planungen auf dem Reißbrett sind nur bedingt möglich. Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass Verkehrsflächen und Verkehrsströme ständigen Veränderungen unterworfen sind. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Schutzweg, der bei seiner Errichtung optimal war, heute den Erfordernissen nicht mehr entspricht.
"Miserable Beleuchtung, schlechte Markierungen, zugeparkte Schutzwege und Planungsfehler beim Bau von Schutzwegen", nennt der ÖAMTC als Hauptgründe dafür, warum Zebrastreifen ihren Zweck - den Schutz des Fußgängers - verfehlen. Einen sicheren Schutzweg zeichnen mehrere Kriterien aus: Wesentlich ist eine blendfreie Beleuchtung. 30 bis 50 Prozent der Verkehrsteilnehmer sehen bei Dunkelheit und Blendung nicht scharf genug. Mehr als die Hälfte der tödlichen Fußgänger-Unfälle passiert bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen. Außerdem bieten Mittelinseln eine Verbesserung. Sie verkürzen die Querungswege der Fußgänger und man kann sich jeweils auf eine Fahrtrichtung der Autos konzentrieren. Bei der Planung von Schutzwegen muss auf ausreichende Sichtweite geachtet werden. Bäume, Plakatständer oder parkende Autos dürfen nicht zu nahe am Schutzweg stehen.