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ABS bei Bikes würde Leben retten

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Clubexperte rät zu besserer technischer Ausrüstung

Einspurige Kraftfahrzeuge sind die Verkehrsmittel mit dem höchsten Unfallrisiko. Im Jahr 2009 wurden in Österreich bei Unfällen insgesamt 9.156 Fahrer von Mopeds oder Motorrädern verletzt, 117 wurden getötet (Quelle: Statistik Austria). Viele dieser Unfälle wären vermeidbar. "Wären alle motorisierten Zweiräder in Österreich mit einem Anti-Blockier-System (ABS) ausgestattet, wären etwa 2.300 Stürze wären vermeidbar, 30 tödliche Zweiradunfälle pro Jahr könnten verhindert werden", erklärt ÖAMTC-Verkehrsexperte Markus Schneider. Nach Angaben eines ABS-Herstellers sind in Europa derzeit nur etwa 25 Prozent der neuen Motorräder mit ABS erhältlich, bei neuen Rollern (unter 250 ccm) ist es gar weniger als ein Prozent.

Unfallforschung zeigt: ABS ist unverzichtbar

Die vertiefende Untersuchung von Motorradunfällen ist ein wichtiger Bestandteil eines vom BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) geförderten Programms der ÖAMTC-Unfallforschung. Unter Auswertung von Bilddokumentationen der ÖAMTC-Rettungshubschrauber wird unter anderem untersucht, welchen Einfluss ABS auf das Unfallgeschehen bei Motorrädern hat. "Die Hälfte aller Bike-Unfälle sind Alleinunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Die Ursachen sind oft zu spätes oder falsches Bremsen vor einer Kurve oder Gefahrensituationen wie etwa Wildwechsel", erklärt der ÖAMTC-Experte. Hier würde die Ausstattung der Zweiräder mit ABS helfen.

Mittlerweile bieten zumindest die großen Zweiradhersteller für eine Vielzahl ihrer Modelle ABS an. "Die Ergebnisse der ÖAMTC-Unfallforschung zeigen, dass ABS auf dem Motorrad im Grunde unverzichtbar ist. Daher sollten die durchschnittlich rund 800 Euro Aufpreis beim Kauf ebenso einkalkuliert werden wie Geld für Helm, Handschuhe oder Schutzbekleidung", empfiehlt der ÖAMTC-Verkehrsexperte.

ABS beim Motorrad verhindert Sturz bei starkem Bremsen

Richtiges Bremsen ist mit dem Motorrad ungleich schwieriger als mit einem Auto. Starkes Bremsen führt zu einem Blockieren der Räder. Und beim Motorrad zieht ein blockierendes Vorderrad fast immer einen Sturz nach sich. "Vor Kurven oder plötzlichen Hindernissen bremsen Motorradfahrer oft zu stark und kommen zu Sturz. Oder sie bremsen aus Angst zu wenig, was auch dramatische Folgen haben kann. Die richtige Dosierung und dazu eventuell noch das Ausweichen - das beherrschen nur wenige wirklich", erklärt der ÖAMTC-Experte. ABS verhindert beim Motorrad ein Blockieren der Räder und damit einen Sturz. Wer allerdings in Schräglage stark abbremst, wird auch mit ABS einen Sturz kaum verhindern können.

Auch mit ABS - erst Übung macht den Meister

ABS ermöglicht ein sicheres Anhalten und kurzen Bremsweg auf der Geraden. ABS ist also auf jeden Fall ein Sicherheitsgewinn. Entscheidend ist aber die Kombination aus bestmöglicher Ausrüstung, Fahrzeugbeherrschung und angepasster Fahrweise. Richtig bremsen mit ABS - in Verbindung mit einem möglicherweise notwendigen Ausweich-Schwung - lernt man am besten abseits vom Straßenverkehr. Eine rasche Reaktion ist Übungssache. Bei einem Motorradkurs in einem der neun ÖAMTC-Fahrtechnikzentren trainiert man das optimale Handling des Bikes, damit in brenzligen Situationen alles automatisiert sicher abläuft.

Forderungen an Hersteller

  • Es müssen möglichst zügig viele Modelle mit ABS (ggf. abschaltbar für sportliche oder Offroadfahrzeuge) angeboten werden.
  • Die Preise für optionale ABS Ausstattung müssen gering ausfallen. Wünschenswert wäre eine serienmäßige ABS-Ausstattung der Massenmodelle.
  • Man sollte Funktionen in den Blockierverhinderern vorsehen, die auch bei hohen Verzögerungen die Stabilität des Motorrades zuverlässig sicherstellen.
  • Den Käufern und Interessenten müssen Übungsmöglichkeiten angeboten werden, die besonders die Bremsqualifikation der Motorradfahrer verbessert bzw. den möglichst perfekten Umgang mit dem ABS erlernen lässt (Fahrsicherheitstraining)
  • Ausrüstung von Rollern/kleineren Hubraumklassen mit ABS, da diese häufig innerorts (Abbiegen und Kreuzungsunfallrisiko) bewegt werden und durch ihre Fahrwerksauslegung schneller in kritische Fahrsituationen kommen können.

Tipps für den Käufer

Die meisten Motorradfahrer nutzen gewohnheitsmäßig das Potential von Bremse, Reifen und Fahrbahngriffigkeit nicht oder nur eingeschränkt aus. In Notbremssituationen ist eine vollständige Ausnutzung aller Möglichkeiten dingend erforderlich. Dies kann reproduzierbar nur mit ABS erreicht werden. Allerdings erfordert dies von den Motorradfahrern eine spezifische Umgewöhnung beim Bremsen. Der Fahrer muss bei Geradeausbremsungen die volle Ausnutzung des ABS-Potentials erlernen.

  • Fahrer von Rollern/kleineren Klassen: Dringende Empfehlung von ABS
  • neue Modelle möglichst nur mit ABS wählen. Im Zweifel Modellauswahl von der ABS-Ausstattung abhängig machen.
  • Im Rahmen von Fahrtrainings den Umgang mit den Bremsen und dem ABS perfektionieren. Die ABS-Ausstattung eines Motorrades allein stellt keinen Sicherheitsgewinn als solchen dar. Nur Übung bringt den Nutzen des ABS.

Ein Motorrad-ABS für sich ist kein Sicherheitsgewinn. Erst das erfolgreiche Bremstraining mit ABS-Motorrädern kann kritische Verkehrssituationen entschärfen.