Jeden Morgen bietet sich in Wien das gleiche Bild. Verstopfte Stadteinfahrten, dafür aber leere Park and Ride-Anlagen (P+R) am Wiener Stadtrand. Von den neun Wiener P+R-Anlagen ist im Augenblick sogar eine geschlossen. Der ÖAMTC ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen und hat im Stau stehende Pendler befragt, warum sie bestehende P+R-Angebote nicht nutzen.
Parken
Was sagen Pendler zu P+R?
Links zum Thema
ÖAMTC befragt Pendler
Viele Pendler finden das Angebot zu teuer
"Die meisten Befragten empfinden drei Euro pro Tag für einen der rund 6.000 Stellplätze einfach als zu teuer", fasst ÖAMTC-Experte Willy Matzke die Ergebnisse zusammen. "Wenn sich Pendler schon teure Zeitkarten für öffentliche Verkehrsmittel leisten, dann erwarten sie sich auch einen gratis Stellplatz." Hamburg bietet zum Beispiel 9.400 gratis P+R Stellplätze an und auch in Berlin kann man an rund 5.000 Plätzen gratis das Auto abstellen. Preisermäßigungen sind in Wien derzeit jedoch keine in Sicht.
Park and Drive als Lösung
Wenn auf Grund schlechter Verbindungen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist, dann bieten sich Park+Drive Plätze als Lösung an. "Diese Abstellplätze in der Nähe zu Autobahnauffahrten ermöglichen ein gefahrloses aufeinander Warten und vereinfachen so die Bildung von Fahrgemeinschaften", erläutert der ÖAMTC-Experte. Mehr als 30.000 solcher Abstellplätze wurden bisher in gemeinsamer Initiative des ÖAMTC und des Landes Niederösterreich im Umland der Bundeshauptstadt Wien geschaffen und es sollen noch mehr werden.
Park and Ride in Europa
Ebenso unterschiedlich wie das Leben in den einzelnen Ländern ist das Angebot an P+R-Plätzen in den europäischen Städten. Bezeichnung, Beschilderung und Preisgestaltung variieren beträchtlich. Dieses Ergebnis liefert eine Studie, die der ÖAMTC zusammen mit 19 Automobilclubs in 22 Großstädten in Europa durchgeführt hat. "Die ausgewählten Städte bietet derzeit zusammen knapp 80.000 P+R-Stellplätze in innenstadtnaher Lage an, von wo aus Autofahrer mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum fahren können", berichtet Matzke. "Im Zuge der Studie wurden Fachleute der Stadtverwaltungen und von ÖPNV-Gesellschaften (Öffentlicher Personen Nahverkehr) befragt." Die Untersuchung wurde in zwei Bereiche unterteilt: Existenz, Umfang und Merkmale von P+R-Systemen sowie deren Anbindung an den ÖPNV.
Preisunterschiede bei den Stellplätzen
- Luxemburg, Berlin, Hamburg und Köln
- Genf, Prag, Stockholm und Wien
- Helsinki, Budapest und Oslo
- München und Rom
- Mehr als 80% kostenpflichtig
Je näher am Zentrum, desto teuerer das Parken
Am teuersten parkt man in Genf. Dort kosten 24 Stunden Parkzeit umgerechnet knapp 37 Euro. Die teuersten Anlagen in den restlichen Städten des Vergleichs liegen im Schnitt dagegen bei nur 4,80 Euro. "Anders in Ljubljana: Hier parkt man mit einem Euro am Tag am günstigsten - das Rückfahrticket für den Bus inbegriffen", schildert der ÖAMTC-Experte. Die Auswertung der Umfrageergebnisse lassen einen Zusammenhang zwischen Preisgestaltung und Betreiberstruktur erkennen. "Private Betreiber verlangen grundsätzlich ein Entgelt, während Anlagen in öffentlicher Hand entweder kostenlos oder zumindest günstig sind", resümiert Matzke. "Oft, aber nicht immer, kostet das Parken umso mehr, je näher die Anlage am Zentrum liegt."
Stellplatzangebot unterschiedlich groß
Aber nicht nur die Preise variieren beträchtlich. Ebenso verhält es sich mit der Kapazität von Stellplätzen. "Während Ljubljana derzeit nur eine Anlage mit 217 Stellplätzen anbietet, stehen den Autofahrern in Rom 31 Anlagen mit knapp 13.000 Plätzen zur Verfügung", weiß der ÖAMTC-Experte. Setzt man das Stellplatzangebot der Städte in Bezug zu ihrer Einwohnerzahl, führt Luxemburg das Feld mit knapp 50 Stellplätzen pro 1.000 Einwohner an, gefolgt von Genf mit 26 Stellplätzen. Alle anderen Städte liegen auf sehr viel niedrigerem Niveau mit einem bis sechs Stellplätzen pro 1.000 Einwohner. Immerhin wollen aber mehr als 80 Prozent der befragten Städte ihre Stellplatzkapazitäten in den kommenden Jahren erweitern. Mehr als 70 Prozent planen darüber hinaus den Bau zusätzlicher Anlagen.
![[1285529_1.jpg]](/media/image/2009.01.21/1285529_1.jpg?1292922117)
![[1285530_1.jpg]](/media/image/2009.01.21/1285530_1.jpg?1292922118)
![[1285531_1.jpg]](/media/image/2009.01.21/1285531_1.jpg?1292922119)