Auto-Touring: Winterzeit bedeutet Glühweinzeit, in den Schiorten lockt das Après-Ski und die Weihnachtsfeiern verführen zu vermehrtem Alkoholkonsum. Müssen die Autofahrer mit mehr Alkoholkontrollen rechnen?
Schmidhuber: Wenn man bedenkt, dass wir im heurigen Jahr in Salzburg mit den zur Verfügung stehenden 200 Testgeräten insgesamt rund 60 000 Alkotests durchführen, dann muss man zu jeder Tages- und Nachtzeit im ganzen Land mit Alkoholkontrollen rechnen. Außerdem führen wir nach Verkehrsunfällen bei allen Beteiligten einen Alkotest durch, unabhängig davon, ob ein Verdacht einer Beeinträchtigung vorliegt.
Auto-Touring: Also 0,0 Promille?
Schmidhuber: Ich halte die bestehende 0,5 Promillegrenze für ausreichend. Für Fahranfänger und für Lenker mit erhöhter Verantwortung , also Autobus- oder LKW-Fahrer gilt de facto ohnehin ein Alkoholverbot.
Auto-Touring: Wie hoch ist in Salzburg die Anzahl der Alko-Unfälle und gibt es lokale Unterschiede zwischen den Bezirken?
Schmidhuber: Der liegt seit einigen Jahren bei rund 7 Prozent. Insgesamt ist dieser Anteil rückläufig, vor 20 Jahren waren noch 25 Prozent aller Unfallbeteiligten alkoholisiert. Zwischen den einzelnen Bezirken gibt es keine signifikanten Unterschiede.
Auto-Touring: Also ein Bewusstseinswandel?
Schmidhuber: Ja, eindeutig. Alkohol am Steuer gilt in unserer Gesellschaft nicht mehr als Kavaliersdelikt. Zusätzlich tun natürlich auch die vermehrten Kontrollen ihre Wirkung. Für die Polizei sind nicht mehr wie vor 20 Jahren die "alkoholisierten Autofahrer" die Herausforderung, sondern die "motorisierten Alkoholiker", die sich trotz drakonischer Strafen und flächendeckender Überwachung immer wieder schwer alkoholisiert ans Steuer setzen.
Auto-Touring: Und sich nicht über die Folgen bewusst sind?
Schmidhuber: Ja, wer alkoholisiert einen Unfall mit Verletzten oder gar Toten verursacht, zerstört nicht nur das Leben der unschuldigen Beteiligten, sondern auch sein eigenes. Die Folgen reichen von der gerichtlichen Verfolgung über Regressforderungen der Versicherung bis zu psychischen Langzeitfolgen, die durch den Unfall ausgelöst wurden.
Auto-Touring: Die Unfallzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Zahl der Getöteten ist erfreulicherweise rückläufig. Welche Verkehrsteilnehmer machen Ihnen momentan die größten Sorgen?
Schmidhuber: Die Unfälle mit Radfahrern und Mopeds sind 2007 überproportional gestiegen. Wir führen das einerseits auf die nach vorne verlängerte Saison wegen des schneearmen Winters 2006/2007 zurück und andererseits auch auf die Absenkung des Einstiegsalters für Mopedfahrer von 16 auf 15 Jahre.
Auto-Touring: Stichwort Weihnachten: Sie haben drei Wünsche ans Christkind frei. Was steht auf Ihrer Wunschliste?
Schmidhuber: Erstens mehr Rücksicht im Verkehr und zwar nicht nur von den Autofahrern, sondern von allen Verkehrsteilnehmern. So verursachen etwa undisziplinierte Radfahrer nahezu täglich schwere Unfälle.
Zweitens wünsche ich mir mehr Höflichkeit im Straßenverkehr. Es würde dem gesamten "System Straßenverkehr" gut tun, wenn man manchmal auf seinen Vorrang verzichten, statt ihn erzwingen würde.
Und drittens wünsche ich mir von den verantwortlichen Politikern sachlich fundierte Entscheidungen in der Verkehrssicherheitsarbeit ohne Schielen auf den nächsten Wahltermin...



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